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Göttingen Start im Göttinger Kino Lumière
Die Region Göttingen Start im Göttinger Kino Lumière
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18:08 25.02.2019
Benedict Neuenfels im Gespräch mit Jan-Hendrik, Schüler des Hainberg-Gymnasiums. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Mit dem Film „Styx“ sind die Schul-Kino-Wochen Niedersachsen im Göttinger Kino Lumière gestartet. Rund 900000 Schüler in 16 Bundesländern sind für Programme in den kommenden Wochen in 850 Kinos angemeldet, berichtete Michael Jahn, zuständige für die bundesweiten Wochen. Das Filmprogramm zum Auftakt war heftig und forderte die Schüler im komplett vollen Kinosaal.

Ein Autor kracht nachts in einen geparkten Wagen, weil andere ihm wild in den Weg gefahren sind. Notärztin Rieke, gespielt von Susanne Wolff, kommt und versorgt ihn. Fortan begleiten wir die junge Frau durch ein Drama, das sie an ihre Grenzen führt.

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Vollkommen überfülltes Flüchtlingsboot

Rieke will alleine mit einer zwölf Meter langen Jacht auf eine Insel mit einem von dem Evolutionsforscher Charles Darwin angelegten, aber ansonsten unberührten Urwald über das Meer segeln. Einen heftigen Sturm übersteht sie, doch die Begegnung mit einem vollkommen überfüllten Flüchtlingsboot wirft sie aus der Bahn. Helfen darf sie nicht, funkt die Küstenwache, die selbst nicht eingreift. Alle Flüchtlinge kann ihr kleines Boot nicht aufnehmen. Aber ein kleiner Junge schafft es zu ihr herüber, dem Tod nahe. Seine Schwester ist noch an Bord des havarierten Seelenverkäufers Eine ausweglose Situation.

Rund 300 Filme laufen während der Schul-Kino-Wochen, sagte Jahn, meist für jüngere Schüler, der Film „Styx“ richtete sich jedoch an ältere. Die Mitglieder eines Politikkurses am Hainberg-Gymnasium hatten sich vor ab mit dem Film beschäftigt und Fragen vorbereitet, die sie dem Kamera-Autor des Films, Benedict Neuenfels, stellten. Er war nach Göttingen gekommen, um mit den Schülern über die Entstehung von „Styx“ und die Beweggründe des Teams zu sprechen.

Tatsächlich auf einer Jacht gedreht

Neuenfels berichtete von der „sehr langen Vorbereitungszeit“ vor Drehbeginn. „Wir hatten keine Ahnung vom Segeln, wir mussten das erst lernen.“ Viel hätten sie ausprobiert, mehr als zwei Jahre recherchiert, Equipment teils selbst gebaut. Sehr viele Teile des Films seien tatsächlich auf einer Jacht auf dem Meer nördlich von Malta gedreht worden, „Tricks wollten wir nicht“. Angst habe er nicht gehabt, sagte Neuenfels, Respekt allerdings schon. „Ich bin für kontrollierten Wahnsinn.“

Schülerin Pauline lenkte den Blick auf Besonderheiten von „Styx“. Filme, die sie sonst schaue, seien sehr schnell geschnitten. Es gebe viele Dialoge und Informationen. In dem Flüchtlingsdrama werde wenig gesprochen. Das sei manchmal ein bisschen anstrengend, aber auch spannend.

„Es gibt keine Chance“

Neuenfels schließlich erklärte, dass er „absolut gegen die Amoral der kapitalistischen Systeme in Europa sei. „Ich sehe andere Leute nicht als Bedrohung.“ Mit dem Film wollten sie keine Lösungen anbieten, sondern „das dramatische Dilemma dramaturgisch aufbereitet zeigen“. Menschen, die sich Vorwürfe machten, sich in einer solchen Situation falsch verhalten zu haben, könne man nur sagen: „Es gibt keine Chance, ihr könnt euch nur falsch verhalten.“

Von Peter Krüger-Lenz