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Göttingen Schulen der Region auf dem Weg in die digitale Welt
Die Region Göttingen Schulen der Region auf dem Weg in die digitale Welt
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21:10 25.11.2019
In der Grundschule Lenglern ist die digitale Welt angekommen: Lehrerin Frederike Hilke arbeitet mit ihren Schülern an an einem GalneoScreen. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Tabletts im Unterricht, Smart-Boards statt Tafeln, flächendeckend WLAN in der ganzen Schule. Und dazu Lehrer, die ihre Schüler didaktisch ausgefeilt mithilfe von Apps und Web unterrichten. Willkommen in der digitalen Welt, die längst auch in Schulen angekommen ist – oder besser sein soll. Denn das Ziel ist gesetzt. Der Weg dahin aber ist offensichtlich schwer. Viele Schulen sind noch weit entfernt von digitaler Bildung.Inzwischen hat die Bundesregierung ein Fünf-Milliarden-Programm für die technische Aufrüstung der Schulen mit IT-Infrastruktur und IT-Ausstattung aufgestellt. In den Schulen ist das aber noch nicht angekommen.

Kann es auch nicht, sagt Göttingens Schuldezernentin Maria Schmidt. Zum einen habe das Land Niedersachsen erst Anfang August die konkreten Zuschussrichtlinien veröffentlicht. Zum anderen setze ein Förderantrag für jede Schule ein Medienenbildungskonzept voraus. Damit wiederum würden sich viele Schulen schwer tun – aus Zeitmangel, vor allem aber wegen fehlender Medienkompetenz. „Denn das Land kommt nicht nach mit der Lehrer-Fortbildungen in diesem Bereich“, so Schmidt.

Digitale Hilfsmittel im Unterricht

80 Seiten Entwicklungsplan für die Stadtschulen

Dabei ist die Stadt Göttingen schon weiter als die anderen Schulträger in der Region. Gerade erst hat der Rat einen gut 80 Seiten umfassenden Medienentwicklungsplan (MEP) und Maßnahmenplan zur Umsetzung des Digitalpaktes beschlossen. Er enthält detaillierte Angaben über die Ist-Situation an allen städtischen Schulen und Vorschläge zur Einführung digitaler Medien in großem Umfang innerhalb der nächsten fünf Jahre – inklusive Wartung und Support der Anlagen.

Laut Plan soll es für je fünf Schüler und fünf Lehrer einen IT-Arbeitsplatz geben, außerdem in jedem Unterrichtsraum einen Präsentationsmonitor. Langfristig sollen die Schulen mit der Hardwarebetreuung nichts mehr zu tun haben. Alle Supportleistungen sollen von der Stadtverwaltung und/oder von der stadteigenen KDG für Kommunale Dienste übernommen werden. „Wir werden die Schulen bei dieser Mammutaufgabe nicht alleine lassen“, sagt Schmidt.

Alleine für Wartung und Support will die Stadt 8,5 zusätzliche Stellen schaffen. Für die Umsetzung des MEPs und den technischen Aufbau weitere 2,5 Stellen – also zusammen elf Stellen. Kosten: gut vier Millionen Euro. Stattet die Stadt ihre 32 Schulen mit einfachen Monitoren als digitale Tafeln aus, summieren sich die erforderlichen Investitionen (ohne Personal) auf knapp sechs Millionen Euro. Fast genau diese Summe würde die Stadt nach den bisher bekannten Förderrichtlinien über fünf Jahre auch aus dem Digitalpakt-Paket bekommen. Gönnt die Stadt den Schulen teurere interaktive Displays (Smart-Boards), muss sie gut zehn Millionen Euro investieren.

Kritik am Digitalpakt aus dem Kreishaus

Für die 30 Schulen des fusionierten Landkreises fließen innerhalb von vier Jahren acht Millionen Euro aus dem Digitalpakt nach Südniedersachsen. Derzeit würden sich die Bildungseinrichtungen des Landkreises technisch im soliden Mittelfeld bewegen, so Bildungsdezernent Marcel Riethig. Allerdings infolge der unterschiedlichen Historie in den beiden Altkreisen auf unterschiedlichem Stand. Man starte nicht bei Null und habe die finanziellen Mittel im Kreishaushalt in den vergangenen zwei Jahre erheblich hochgefahren – auf eine halbe Millionen Euro in 2018 und eine Millionen Euro in 2019.

Das Geld vom Bund sei selbstverständlich willkommen, so Riethig weiter. Er äußert allerdings auch deutliche Kritik am Digitalpakt: „Personalkosten sind in der Kalkulation nicht ausreichend berücksichtigt.“ Derzeit sei eine Stelle in der Verwaltung allein mit der Bearbeitung der Anträge befasst. Für den IT-Support stünden drei bis vier Stellen zur Verfügung. Hier müsse aufgestockt werden. Eine weitere Stelle ist bereits im Haushalt 2020 vorgesehen.

Der Medienentwicklungsplan, der von einer Arbeitsgruppe aus Fachleuten aus der Verwaltung erstellt werde, komme im Januar 2020 zur Abstimmung in den Kreistag. Parallel wurden die Medienbildungskonzepte der allgemeinbildenden Schulen abgefragt, „die von sehr unterschiedlicher Qualität sind“, heißt es aus dem Kreishaus. Das sieht in den Städten und Gemeinen des Landkreises kaum anders aus.

Kommunen arbeiten an Konzepten

Eine Rückfrage in Friedland und Bovenden ergibt: Man arbeitet an Konzepten und ermittelt die technischen Notwendigkeiten. Angesichts der erst seit Sommer bekannten Förderrichtlinien lässt man sich hier allerdings nicht zur Eile drängen. Bovenden sei auf dem Weg. Erste Priorität habe an den vier Grundschulen der Ausbau der Infrastruktur, so Verwaltungsmitarbeiterin Elke Vetter. Außerdem würden die Schulen gemeinsam ein Medienbildungskonzept erarbeiten. „Wer aber glaubt, dass man im August etwas beginnen kann, das dann im November umgesetzt ist, hat von kommunaler Verwaltung wenig Ahnung“, ergänzt Friedlands Gemeindebürgermeister Andreas Friedrichs (SPD). Für ihn gehe Gründlichkeit vor Geschwindigkeit, wenn es um die Bildung von Kindern gehe.

Die Stadt Duderstadt hat nach Veröffentlichungen der Digitalpakt-Richtlinien im August in Workshops und Infoveranstaltungen erste Infos aus ihren acht Grundschulen besorgt: über die Ist-Situation und intern Pläne. Anschließend seien in enger Abstimmung mit dem Kreismedienzentrum die ersten „Aufgaben“ für die Stadt und die Schulen zur Erstellung eines MEP abgestimmt worden, erklärt Verwaltungssprecherin Svenja Eckert. Erste Förderanträge könnten demnach frühestens Ende 2020 oder Anfang 2021 gestellt werden.

Blick in die Schulen

„Sehr weit vorne und schon recht gut ausgestattet“ ist im Vergleich zu anderen in der Region die Grundschule Lenglern, sagt ihr Leiter Jan Elstrod: ein guter Server, mehrere LAN-Anschlüsse in jedem Unterrichtsraum, in jeder Klasse ein PC, dazu 15 Laptops mit zentraler Ladestation und zwei GalneoScreens. Die berührungsempfindlichen Multitouch-Displays sind so groß wie eine Tafel und der größte Schritt der Schule in das Zeitalter digitaler Bildung. Ohne das Engagement des Flecken Bovenden als Schulträger sei das nicht möglich, so Elstrod.

Einen separaten PC-Raum hat die Schule nicht. Elstrod geht davon aus, dass in absehbarer Zeit auch in Grundschulen alle Schüler Zugriff auf tragbare Geräte haben werden. Vor diesem Hintergrund ist flächendeckendes WLAN in der Schule sein erster Wunsch an den Digitalpakt. Zugleich ist der Schulleiter überzeugt, dass Bücher und Schreibhefte nicht aus der Grundschule verschwinden werden. Ideal sei eine „gesunde Vernetzung alter und neuer Medien, wenn wir die jeweiligen Vorteile gut nutzen“.

Keinen Hehl macht Elstrod daraus, dass es zum Teil bei der Medienkompetenz der Lehrer hapert. Manchen fehle Grundlagenwissen, um sich in die neuen digitalen Medien einzuarbeiten und diese optimal zu nutzen. Fortbildungsangebote gebe es reichlich, „aber auch da fehlen Kurse, die die Kollegen auf der ersten Stufe abholen“.

Qualifiziertes Personal schwer zu bekommen

Dass es bei der Digitalisierung des Schulangebots an qualifiziertem Personal mangelt, weiß man auch in Groß Schneen. Jens Haepe, Schulleiter der Carl-Friedrich-Gauss-Schule, sucht seit Jahren danach. „Versuchen Sie mal, einen gut ausgebildeten Informatiklehrer zu bekommen. Viele von denen werden direkt an der Uni von der Technik-Industrie weggefischt.“ Ohne Fachpersonal liefen allerdings alle technischen Neuerungen ins Leere. Eine weitere Frage stehe auch noch im Raum: „Wie passt die digitale Bildung in die ohnehin schon volle Stundentafel.“ Das könne langfristig nur gelingen, wenn man den Lehrplan entschlacke, so Haepe.

Technisch hingegen sei man an der Oberschule mit Glasfaserkabel und WLAN schon jetzt gut aufgestellt. Auch hat man bereits Erfahrungen mit Smartboards gemacht, allerdings offenbar keine guten. „Das ist meiner Meinung nach eine Modeerscheinung.“ Die Geräte hätten einen hohen Wartungsaufwand, und es sei fraglich, ob sie die digitale Kompetenz der Schüler wirklich steigern. Und was würde der Schulleiter nun mit dem Geld aus dem Digitalpakt anstellen? „Es werden voraussichtlich 300 000 Euro für meine Schule sein.“ Man habe über großformatige LED-Monitore in den Klassen und auch über die Anschaffung von iPads nachgedacht. „Es müssen bewusste Investitionen sein. Das braucht seine Zeit.“

„Für ein Landgymnasium sehr gut aufgestellt“

„Für ein Landgymnasium eigentlich auf einem ganz guten Weg und sehr gut aufgestellt“ sieht sich auch das Eichsfeld-Gymnasium in Duderstadt (EGD). Die Schule ist bereits flächendeckend mit WLAN ausgestattet, erklärt Studiendirektor und Koordinator Ben Thustek. PC-Räume seien seit Jahren Standard. Und im 11. Jahrgang gebe es die erste Tablet-Klasse am EDG. Mit Hilfe des Landkreises als Schulträger sei immer wieder aufgerüstet worden – und so müsse es weiter gehen. Falsch wäre es, jetzt erst einmal weniger gut ausgestattete Schulen aus dem Digitalpakt zu bedienen und das EGD damit zurückfallen zu lassen.

„Natürlich“ gebe es am EDG schon lange einen Medienentwicklungsplan, der ständig fortgeschrieben werde. „Muss er auch“, so Thustek. Die Digitalisierung im Bildungsbereich entwickle sich rasend, und es komme zunehmend darauf an, die digitalisierte Welt auch im Unterricht gangbar zu machen. Es gebe zum Beispiel immer mehr digitalisierte Schulbücher. Mithalten könne die Schule aber nur, „wenn das gesamte Kollegium mitzieht“.

955 Geräte im Schulnetz

Am weitesten – nicht nur in Südniedersachsen – dürfte die Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule sein. An der IGS in Geismar ist die digitale Welt schon lange Alltag. Das gilt zum einen technisch: In jeder Ecke steht WLAN mit hoher Geschwindigkeit zur Verfügung. In jeder Klasse gibt es einen Monitor inklusive Appl-TV. Dazu gibt es vier PC-Räume. Gewartet wird die Technik über das schuleigene Budget von einem externen Dienstleister.

Das gilt vor allem aber auch didaktisch: Alle Schüler ab Klasse Acht haben ein iPad, das in allen Fächern auch genutzt wird. Mit den Lehrergeräten sind das zusammen 955 Geräte. Und alle sind mit vielen unterrichtsrelevanten Apps ausgestattet.

Ein Medienkonzept gibt es schon seit etwa zehn Jahren, sagt Schulleiterin Tanja Laspe – „und es wurde von Beginn an umgesetzt“. Jeder Schüler und Lehrer kann seine Arbeiten am Tablett in der Cloud sichern. Sie können über ihr iPad-Apps gemeinsam an einem Projekt arbeiten. Die Lehrer haben Zugriff auf die Arbeitsfortschritte, können aus dem Off moderieren, korrigieren, unterstützen. „Sie sind damit viel mehr Coach als klassische Lehrer“, sagt Stefan Knapp, Digital-Koordinator an der Schule. Die Digitalisierung „verändert Unterricht“, ergänzt der Deutsch- und Politiklehrer. Es gebe viel mehr Möglichkeiten für Visualisierungen und viel mehr Austausch, als viele glaubten.

Bedenken von Eltern seien meistens schnell verflogen – auch, wenn es um die Finanzierung der iPads geht. „Sie sind schnell überzeugt, wenn sie den Mehrwert erkennen“, so Knapp. Spätestens dann, wenn sie auch den Kostenvorteil sehen: Ziehe man die Kosten für zwingend erforderliche Taschenrechner und Wörterbücher ab Mittelstufe vom iPad-Preis ab, seien die Geräte gar nicht mehr so teuer. Denn Rechner- und Wörterbücher-Apps sind inklusive.

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