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Göttingen Schulstandorte: Streitdebatte ohne Kontrahenten
Die Region Göttingen Schulstandorte: Streitdebatte ohne Kontrahenten
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19:50 08.04.2010
Diskussion ohne Widersacher: Radioaufzeichnung im Dorfgemeinschaftshaus Reinhausen.
Diskussion ohne Widersacher: Radioaufzeichnung im Dorfgemeinschaftshaus Reinhausen. Quelle: Vetter
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„Jetzt reicht‘s“ ist der Titel einer Sendereihe auf NDR 1 Radio Niedersachsen mit Experten und Publikum am Mikrofon. Weil es den Reinhäusern „reicht“, hatte Moderator Hans-Jürgen Otto sein Studio nach Reinhausen verlegt. Hintergrund: Die Schülerzahlen in Gleichen sinken rapide. Fünf Minischulen kann sich die Gemeinde auf Dauer aber nicht leisten. Seit vier Jahren werden Lösungsmodelle gesucht. Der aktuellste Vorschlag der Ratsparteien von CDU, FDP, Grünen und BsP: Zunächst soll die Schule in Reinhausen geschlossen werden und in die benachbarte Schule in Diemarden einfließen (Tageblatt berichtete).

Kommentar von Ulrich Schubert

Politiker mit zartem Fell

Vielleicht hat es den Ratsmitgliedern von CDU, FDP, Grünen und BsP nach der Sitzung des Schulausschusses vor drei Wochen tatsächlich auch erst einmal gereicht. Wer lässt sich schon gerne ausbuhen, beschimpfen und am Telefon gar bedrohen. Da sind ein paar Aufgebrachte zu weit gegangen. Andererseits muss jedem Politiker klar sein, dass er als Vertreter vieler Menschen mit unterschiedlichen Meinungen auch ungeliebte Entscheidungen treffen muss. Und es ist schon ein Naturgesetz, dass die Emotionen bei Schulthemen besonders hoch kochen. Wer politische Verantwortung tragen will, muss damit umgehen können. Wer fundierte Argumente für seine Entscheidung hat, muss sich davor auch nicht fürchten. Es ist schade und vielleicht auch feige, dass niemand von CDU, FDP, Grünen und PsP die Chance genutzt hat, seine Position zu erklären.

Etliche Argumente gegen diesen Plan hatte vor allem die Elternratsvorsitzende aus Reinhausen, Britta Kreuzkamp: zum Beispiel die Gebäudegröße und ein enges Bildungsnetz zu benachbarten Einrichtungen wie das Ruz. Reinhäuser aus dem Publikum kritisierten zudem, dass bisher allein auf politischer Ebene und weitgehend ohne Elternbeteiligung diskutiert worden sei.

Die Gemeindeelternratsvorsitzende Barbara Ernst räumte ein, dass absehbar „leider wohl Schulen zusammengelegt werden müssen“. Zum jüngsten Vorschlag gebe es aber auch in ihrem Gremium gegensätzliche Positionen. Gleichens Bürgermeister Heinz-Jürgen Proch (SPD) zeigte sich besonders überrascht von der sehr „emotional“ geführten Diskussion zwischen den Dörfern mit Schule – „das habe ich unterschätzt“. Heftige Anfeindungen in einer früheren öffentlichen Sitzung und in Leserbriefen hatten nach internen Aussagen auch die Befürworter des umstrittenen Antrages bewogen, nicht an der Radiodebatte in Reinhausen teilzunehmen.

Neue Ideen für die Gleichener Dorfschulen gibt es inzwischen in Form eines Bürgerantrages zur nächsten Ratssitzung aus Groß Lengden. Die Unterzeichner schlagen unter anderem vor, alle Schulen zu erhalten und bei Bedarf altersübergreifende Kombiklassen oder Filialschulen mit zentraler Verwaltung einzurichten. Solche neuen Konzepte könnten auch kleine Schulen zukunftsfähig machen, sagten dazu Karl-Heinz Meyna von der Landesschulbehörde und der Pädagogikprofessor Hermann Veith.

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