Schulstart in Göttingen: Verbände und Unternehmen stellen sich auf volle Busse ein
Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Schulstart in Göttingen und im Eichsfeld: Verbände und Unternehmen stellen sich auf volle Busse ein
Die Region Göttingen

Schulstart in Göttingen: Verbände und Unternehmen stellen sich auf volle Busse ein

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:30 20.08.2020
Ein Bild aus Vor-Corona-Zeiten: Am ZOB in Göttingen ist der Andrang wartender Schüler groß. Das E im Display steht für Einsatzwagen – steht ein Gelenkbus mit Ziel Schulzentrum Geismar. Quelle: Hinzmann
Anzeige
Göttingen / Eichsfeld / Landkreis

Am 26. August enden die Ferien. Einen Tag später beginnt nicht nur die Schule, sondern auch die Platzsuche in Bussen – mit Abstand, dessen Einhaltung voraussichtlich nicht möglich sein wird. Die Schülerbeförderung ist Aufgabe des Landkreises Göttingen. Im Landkreis sind der Zweckverband Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (ZVSN) und der Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (VSN) für die Beförderung von Schülern zuständig – in der Stadt die Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB). Verbände und Verkehrsunternehmen stellen sich auf den Andrang ein.

„Wir planen, alle verfügbaren Busse einzusetzen“, sagte Stephanie Gallinat-Mecke, Pressesprecherin der GöVB am Mittwoch. „Da immer einige wenige Busse in Reparatur beziehungsweise für geplante Wartungen zur Verfügung stehen, muss genau disponiert werden.“ GöVB-Mitarbeiter seien regelmäßig im Außendienst im Einsatz, so Mecke. Ob zusätzliche Mitarbeiter beim Schulstart zum Beispiel am Zentralen Omnibus-Bahnhof (ZOB) oder anderen Stellen unterstützend vor Ort sind, werde „aktuell geprüft“. Sie seien jedenfalls „grundsätzlich zeitlich und räumlich flexibel einzusetzen“, so Gallinat-Mecke.

Anzeige
Ein Bild aus Vor-Corona-Zeiten: Am ZOB in Göttingen warten Schüler auf den Bus, der sie zu ihrer Schule bringen wird. Quelle: Christina Hinzmann / GT

Zwischen 7 und 8 Uhr sind 80 GöVB-Busse im Einsatz

Zwischen 7 und 8 Uhr seien 80 Busse vorgesehen, zwischen 12.30 und 14 Uhr etwa gleich viele und zwischen 15 und 16 Uhr seien knapp 60 geplant, so Gallinat-Mecke – normalerweise seien es 55. Der Andrang sei erfahrungsgemäß in den Linien am größten, die Schulzentren der weiterführenden Schulen anfahren. In der Vergangenheit sei es schon mal vorgekommen, dass ein Fahrer wartende Schüler nicht habe mitnehmen können. Wenn ein Bus voll ist, lässt der Fahrer keinen Fahrgast mehr einsteigen. Falls ein Einsatz- oder Linienbus direkt im Anschluss folge, unterbreche der Fahrer seine Fahrt nicht. „Ansonsten“, so Gallinat-Mecke, „hält unser Fahrpersonal zur Information.“ Insbesondere Schüler bräuchten eine Information zu Alternativen.

Probleme mit sogenannten Maskenmuffeln beim Re-Start nach den Osterferien seien der GöVB nicht bekannt geworden, betont Gallinat-Mecke. Wer keine Mund-Nase-Bedeckung trage, werde „aufgefordert, entweder die Maske unverzüglich aufzusetzen oder den Bus zu verlassen“.

ZVSN und VSN setzen Beförderung im Landkreis Göttingen um

Die Schülerbeförderung werde im Landkreis Göttingen durch den Zweckverband Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (ZVSN) und den Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (VSN) durchgeführt, erklärt Ulrich Lottmann, Verwaltungssprecher des Landkreises Göttingen. „Es greifen die jeweils geltenden Konzepte.“

Die wesentlichen Punkte daraus seien in Form von Fragen und Antworten (FAQ) im Liveblog zum Corona-Geschehen auf der Webseite der Stadt Göttingen unter goettingen.de veröffentlicht. „Die FAQs werden derzeit in Zusammenarbeit von Landkreis und Stadt Göttingen überarbeitet“, sagt Lottmann.

Eltern sollen Kinder auf Mindestabstände hinweisen

Für die Fahrt im Bus sollten Eltern ihre Kinder darauf sensibilisieren, dass die notwendigen Mindestabstände zu weiteren Fahrgästen eingehalten werden, so Lottmann weiter. Außerdem sei den Anweisungen des Fahrpersonals zu folgen. „In der Hauptbeförderungszeit von Schülerinnen und Schülern sind grundsätzlich zusätzliche Fahrzeuge im Einsatz. Darüber hinaus sind, gemäß landesweiter Festlegung, keine weiteren Busse speziell aufgrund der Corona-Pandemie vorgesehen. Das ist unter den herrschenden Voraussetzungen, unter anderem dem Fachkräftemangel, nicht leistbar.“ Schülerinnen und Schüler werden aber auch dazu ermuntert, den Weg zur Schule, wenn möglich, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen. Das könne insbesondere eine Option sein, wenn Jugendliche am Schulstandort wohnen, beispielsweise in der Stadt Göttingen.

Erfahrungen konnten bereits während des ersten Lockdowns gesammelt werden. „Beschwerden gab es weniger bei der Schülerbeförderung im ÖPNV, also bei der Nutzung des Linienverkehrs durch Schülerinnen und Schüler“, sagt Lottmann. „Der Bereich der Schülersonderbeförderung war stärker betroffen; es gab hauptsächlich Beschwerden wegen Nichteinhaltens der Mindestabstände. Das ist in den bestehenden Konzepten aufgegriffen. Da der Schulstart im Regelbetrieb vorgesehen ist, sind Maßnahmen darüber hinaus schwer umsetzbar.“

ZVSN und VSN setzen die Schülerbeförderung im Landkreis um: Der Fahrer eines Busses steuert den ZOB in Duderstadt an. Quelle: Rüdiger Franke

„Kein Patentrezept“

„Im Erlass des Landes heißt es, dass die Abstandsregel so weit wie möglich umgesetzt werden soll“, verweist Michael Frömming, Geschäftsführer des Zweckverbandes Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (ZVSN), auf die politischen Vorgaben. „Allen ist aber auch klar, dass der Abstand ab einer gewissen Anzahl an Fahrgästen nicht gewahrt werden kann.“ Das sei auch frühzeitig nach Hannover gemeldet worden. Während in Schulen die Abstandsregel und die Hygienevorschriften gelten, könnten in den Bussen lediglich die Hygieneregeln umgesetzt werden. „Und da achten wir auch genau drauf.“ Zum Beispiel seien die Fahrer angewiesen, zu kontrollieren, ob alle Fahrgäste einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

„Um die Abstandsregel einhalten zu können, bräuchten wir mehr Busse, mehr Fahrer und mehr Geld“, erläutert Frömming. Angesichts von 3,2 Millionen Euro, die dem ZVSN am Ende des Jahres fehlen werden, „haben wir weder das Geld noch das Fahrpersonal, um mehr Busse einzusetzen“. Während des ersten Lockdowns seien zu viele Busse unterwegs gewesen, in denen keiner mitfuhr. „Wir haben da das Angebot für die Pendler aufrecht erhalten“, so Frömming. „Den Leuten aber zu sagen, bleibt zu Hause, schmerzte richtig.“ Im April sei die Anzahl an Fahrgästen auf zehn Prozent gesunken. Mittlerweile seien es zumindest wieder 60 Prozent.

„Ein Patentrezept für die Schülerbeförderung habe ich nicht“, sagt Frömming. Der Fahrplan sei ja auch auf die Stundenpläne abgestimmt, damit die Schüler rechtzeitig in den Unterricht kommen. Und die Schulzeiten so zu entflechten, dass die Abstandsregeln in den Bussen eingehalten werden können, sei logistisch nicht zu stemmen. „Aber will man die Schüler deswegen zu Hause lassen?“, fragt er. Auch für die Landesregierung sei das eine schwierige Entscheidung gewesen.

Fragen und Antworten auf der Homepage der Stadt Göttingen

Auf der Homepage der Stadt Göttingen stehen sogenannte FAQ (Frequently Asked Questions) – häufig gestellte Fragen mit den entsprechenden Antworten. In den FAQ zur Schülerbeförderung in Stadt und Landkreis geht es unter anderem um Abstände und Masken – Stand: Donnerstag, 20. August, 17 Uhr (die FAQ können jederzeit aktualisiert werden).

Mund-Nasen-Bedeckung: Masken sollten auf dem Schulweg getragen werden, heißt es auf der Homepage – eine Empfehlung also. Sobald Schüler an der Bushaltestelle ankommen, sei das Tragen einer Maske Pflicht.

Unterstützung bei der Schülersonderbeförderung: Erziehungsberechtigte und Eltern müssen Schüler, die Unterstützung beim Ein- oder Ausstieg benötigen, helfen. Der Kontakt zwischen Fahrern und Schülern solle auf ein Minimum reduziert werden, heißt es in de FAQ.

Abstandsregel: Abstände sollten, wenn möglich, gewahrt werden. Da diese Vorgabe gerade in vollen Bussen nicht einzuhalten sei, sei das Tragen der Mund-Nase-Bedeckung umso wichtiger.

Voller Schulbus I: Die Fahrerinnen und Fahrer entscheiden, ob ein Schulbus voll oder noch Platz ist.

Voller Schulbus II: Die Fahrerinnen und Fahrer informieren wartende Schüler über Alternativen wie nachfolgende Busse.

Von Rüdiger Franke und Stefan Kirchhoff