Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Schulstart – geht das auch nachhaltig?
Die Region Göttingen Schulstart – geht das auch nachhaltig?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 06.08.2019
Alexander Grosse, Kreisvorsitzender des Handelsverbands Hannover und Geschäftsführer des Schreibwaren-Fachgeschäftes Wiederholdt an der Göttinger Prinzenstraße, setzt auf unverpackte Artikel oder – wo das nicht geht – auf möglichst umweltfreundliche Verpackungen. Quelle: Markus Riese
Anzeige
Göttingen / Eichsfeld

Das Ende der Sommerferien naht, und der Handel mit Schulbedarfs-Artikeln hat wieder Hochkonjunktur. Schon Ende Juli riefen die Göttinger Entsorgungsbetriebe (GEB) dazu auf, sich rechtzeitig um den Kauf nachhaltiger Produkte zu bemühen – bevor diese irgendwann nicht mehr verfügbar sind. Wir haben in Göttingen, Duderstadt und Gieboldehausen nachgefragt.

„Damit die Enttäuschung nicht zu groß ist, wenn Geschäfte keine Waren in Recyclingpapierqualität anbieten, sollte sich jeder schon frühzeitig einen Überblick im Papierwarensortiment verschaffen“, heißt es im GEB-Pressetext. Sprecherin Maja Heindorf empfiehlt explizit „Recyclingpapier, und zwar das, welches mit dem Umwelt-Label ,Der blaue Umweltengel’ gekennzeichnet ist.“ Der Engel sei ein verlässlicher Wegweiser, wenn es um praktizierten Umweltschutz in Sachen Recyclingpapier gehe.

Umweltschutz im Bewusstsein

Sich allein auf die Umwelt-Label zu verlassen, ist nach Ansicht von Katharina Haase vom Schreibwarengeschäft Willi Döring in Gieboldehausen aber keine gute Idee: „Auch das nicht recycelte Papier wird bei uns in Deutschland dreifach zertifiziert“, erklärt sie. Wichtiger sei es, beispielsweise auf Kunststoffe zu verzichten. Und das geschehe auch: „Plastik-Schnellhefter sind so gut wie verschwunden“, beschreibt die Geschäftsinhaberin. Grundsätzlich sei der Umweltschutz zwar im Bewusstsein der Menschen; gezielt frage aber bislang nur ein „ausgewählter Kundenkreis“ nach nachhaltigen Produkten. Beobachtet hat sie bei vielen Eltern aber auch: „Das Bewusstsein, in die Bildung der Kinder zu investieren, ist auf jeden Fall da.“ Das schlage sich vor allem in der Qualität der verkauften Artikel nieder.

Dauerhafte Entwicklung bei den Herstellern

Nachhaltiger werden die Produkte im Schreibwaren-Bereich ohnehin ständig. „Das ist eine dauerhafte Entwicklung bei den Herstellern“, sagt Christian Mecke, Inhaber der Buchhandlung Mecke in Duderstadt, die auch Papier- und Schreibwaren führt. Im Einkauf achte er beispielsweise sehr gezielt darauf, wo das Papier herkomme. Die Kunden würden aber auch bei ihm eher weniger danach fragen.

Harald Rütter, Abteilungsleiter Non-Fashion in der Göttinger Filiale der Galeria Karstadt Kaufhof, setzt auf nachhaltige Produkte - und entspricht damit den Kundenwünschen. Quelle: Markus Riese

Einen Engpass bei nachhaltigen Schulbedarfs-Artikeln befürchtet der örtliche Handel bislang nicht. Harald Rütter, Abteilungsleiter Non-Fashion in der Göttinger Filiale der Galeria Karstadt Kaufhof, sieht nur ein mögliches Problem: „Wenn am ersten Schultag die Lehrer ihre Listen verteilen, dann kann es danach bei bestimmten Produkten schon mal knapp werden“, sagt er.

Qualität stark verbessert

Grundsätzlich sei die Göttinger Kundschaft sehr auf umweltfreundliche Sortimente bedacht: „Bei den Schnellheftern zum Beispiel verkaufen wir inzwischen zu 90 Prozent jene aus Pappe“, so Rütter. Das liege aber auch daran, dass die Qualität der nachhaltigeren Produkte in den vergangenen Jahren stark zugelegt habe. Tipps hat Rütter auch parat: Bei Tuschkästen empfehle er diejenigen, bei denen sich die Farben einzeln nachkaufen lassen; anstelle von Tintenpatronen könne heute wieder das klassische Tintenfass in Kombination mit sogenannten Konvertern benutzt werden. Statt Kunststoff-Textmarkern gebe es mittlerweile auch Trocken-Textmarker, die wie Buntstifte aussehen.

Wer ein Lineal brauche, solle lieber eines aus Holz kaufen statt aus Kunststoff – das empfehlen übrigens auch die GEB in einem Flyer („Die abfallarme Schule“). Darin wird auch zu unlackierten Bleistiften, Radiergummis aus Naturkautschuk sowie Büroklammern ohne Plastiküberzug geraten.

Auf Plastikmüll verzichten

Bei den Schulheften habe auch das recycelte Papier inzwischen einen hohen Weißanteil, sagt Rütter – und preislich gebe es keine großen Unterschiede mehr. Alexander Grosse, Kreisvorsitzender des Handelsverbands Hannover und Geschäftsführer das Schreibwarengeschäfts Wiederholdt in der Göttinger Innenstadt, findet diesen Aspekt deshalb auch eher nebensächlich: „Viel wichtiger ist doch, auf den ganzen Plastikmüll zu verzichten“, meint er. In seinem Geschäft biete er viele Produkte einzeln an, beispielsweise Pinsel, Stifte und sogar Briefumschläge. Bei verpackten Produkten ziehe er Papier- und Pappumhüllungen vor. „Da, wo es geht, verzichten wir auf Kunststoffe“, sagt Grosse. Dieser Trend sei auch andernorts insbesondere bei kleineren, inhabergeführten Fachgeschäften zu beobachten.

Im Laden "Wunderbar unverpackt" gibt es auch Naschwerk für die Schultüte ohne Kunststoff-Umhüllung. Quelle: Markus Riese

Nachhaltigkeit auch in der Schultüte und in der Lunchbox

Nicht nur bei klassischen Schulbedarfs-Artikeln können Eltern auf Nachhaltigkeit achten: Auch beim Bestücken von Schultüten und Lunchboxen lässt sich die Umwelt schonen. Die großen Supermarkt- und Discounter-Ketten buhlen längst um die Gunst der Eltern, denen ökologische Aspekte wichtig sind. Real setzt beispielsweise auf Mehrwegbecher oder bei Obst und Gemüse neuerdings verstärkt auf waschbare Mehrwegnetze, Lidl führt gerade das Logo „verantwortlicher verpackt“ ein, und bei Aldi sollen bis Ende 2022 alle Eigenmarken-Verpackungen recyclingfähig sein. Passend zum Schulbeginn erweitert die Rewe-Gruppe ihr Schokoladen-Sortiment um neue Fairtrade-Produkte. Wer es individueller mag, wird zum Beispiel im Laden „Wunderbar unverpackt“ am Groner Tor in Göttingen fündig: Hier gibt es unter anderem süßes und salziges Naschwerk ohne Plastik drumherum. Für Schüler gibt es hier auch immer wieder Workshops. „Da kommen Siebenjährige ebenso wie Zehntklässler“, berichtet Mitarbeiterin Maike Warnecke. Einen ökologischen Tipp für das Verpacken von Butterbroten hat Katharina Haase vom Schreibwarengeschäft Willi Döring in Gieboldehausen parat: „Wir haben auf einer Messe in Hamburg wachsbestrichene Baumwolltücher entdeckt, die Plastik- oder Alufolie ersetzen können“, erklärt sie. In Kürze werde sie diese in ihrem Geschäft anbieten.

Von Markus Riese

Der Totschlag an der Unteren Karspüle beschäftigt nun die Richter am Bundesgerichtshof. Der 20-Jährige, der vom Landgericht Göttingen wegen Totschlags zu sieben Jahren Haft verurteilt worden war, hat nun Revision gegen das Urteil eingelegt.

06.08.2019

Gut vier Jahre nach seinem Freispruch im Prozess um den Göttinger Transplantationsskandal verlangt ein Arzt gut 1,2 Millionen Euro Schadenersatz vom Land Niedersachsen. Er fordert unter anderem einen Ausgleich für seinen Verdienstausfall.

06.08.2019

Für sein Buch „Die Alpen. Wo die Natur zur Vernunft kam“ erhält der Wallstein-Autor Patrick Stoffel den Gleim-Literaturpreis. Die Preisverleihung findet am 18. Oktober in Halberstadt statt.

06.08.2019