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Göttingen Schutz für Gärtner, Jäger, Baumeister und Beute
Die Region Göttingen Schutz für Gärtner, Jäger, Baumeister und Beute
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19:22 02.08.2011
An einem Ameisennest: Hans-Martin Wittmann.
An einem Ameisennest: Hans-Martin Wittmann. Quelle: Vetter
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Nörten-Hardenberg

Die heimischen Ameisenarten, insbesondere die „Hügelbauenden Waldameisenarten“ geben „ein wunderbares Beispiel dafür, wie abhängig einzelne Arten voneinander sind“, sagt der Vorsitzende der Kreisgruppe südliches Niedersachsen in der Deutschen Ameisenschutzwarte (DASW). „Die Große Kerbameise“ steht stellvertretend als Insekt des Jahres für alle Hügelbauenden Waldameisen.

Ameisen sind Gärtner, weil sie für die Verbreitung von 184 Waldpflanzen verantwortlich sind, erklärt der Mann aus Nörten-Hardenberg. Sie sind „Jäger“, weil ein Ameisenvolk an einem einzigen Sommertag bis zu 100 000 Raupen, Käfer und tote Tiere sammelt. Sie sind „Baumeister“, weil sie Nester errichten, die im Verhältnis zu ihrer Körpergröße höher sind als die meisten Hochhäuser für Menschen. Sie sind Beute für Birk-, Rebhuhn und Spechte. In ihren Nestern beherbergen sie viele Gäste und „züchten“ mit Rinden- und Blattlauskolonien Futter für viele Waldvögel. „Ameisen sind im Stoffkreislauf des Waldes unersetzlich“, zieht der Spezialist für die kleinen Insekten sein Fazit.

Die Deutsche Ameisenschutzwarte gehört laut Wittmann zu den ältesten Naturschutzverbänden und bemüht sich bereits seit 200 Jahren um den Schutz der besonders gefährdeten Hügelbauenden Waldameisen und deren Lebensräume. Ameisenschutz sei anfangs ein Feld der Wissenschaft gewesen, erzählt er. Unter dem Vorsitz des Zoologen und Forstwissenschaftlers Prof. Dr. Gustav Wellenstein habe sich der wissenschaftliche Beirat gegründet. Dieser bemühe sich um Beratung zu Ameisenhege und Umsiedlung, er bestimme Proben von einheimischen Ameisenarten und nehme Stellung zu Presseartikeln. In jüngerer Zeit konzentriere er sich verstärkt auf den Arten- und Biotopschutz und die Aufklärung der Bevölkerung. Ein Teil der Arbeit für den Ameisenschutz ist auch die fachgerechte Umsiedlung von Völkern, die durch Baumaßnahmen vernichtet würden.

Neben diesen Aufgaben befasst sich die DASW laut Wittmann heute zunehmend mit Aufgaben der Ökopädagogik. Sie bietet Exkursionen und Vorträge zum Natur- und Artenschutz an, sie gestaltet Ausstellungen und ist an Schulzentren im Rahmen der Bildung für nachhaltige Entwicklung tätig. Mit der Ausstellung „Faszination Ameisen“ biete der Landesverband Niedersachsen eine Bildungsinitiative, welche ganz im Sinne der Bestrebungen deutscher Schulen zur Erlangung von Kompetenz für nachhaltiges Handeln steht. Die Ausstellung wird im Rahmen der Jahreshauptversammlung der DASW gezeigt. Diese findet vom 16. bis 18. September im Hotel zum Kronprinzen in Fuhrbach und auf Gut Herbigshagen statt.

Kontakt unter Telefon 0 55 03 / 799 oder per E-Mail an w-schweisshund@web.de. Internet: ameisenschutzwarte.de.

Von Ute Lawrenz