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Göttingen Schutzraum für Ackerwildkräuter im Landkreis Göttingen
Die Region Göttingen Schutzraum für Ackerwildkräuter im Landkreis Göttingen
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19:44 31.07.2013
Von Gerald Kräft
Getreidefelder bei Groß Lengden: Der Landkreis zahlt Zuschüsse an Landwirte, um Ackerwildkräuter in der Region zu erhalten.
Getreidefelder bei Groß Lengden: Der Landkreis zahlt Zuschüsse an Landwirte, um Ackerwildkräuter in der Region zu erhalten. Quelle: Heller
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Groß Lengden

So werden Ackerterrassen bei Groß Lengden bereits seit 1987 fast ununterbrochen durch Landwirt Heinrich Klingelhöfer „ackerwildkrautgerecht“ bewirtschaftet.

„Alle Beteiligten können stolz sein“, sagt Kreisrätin Christel Wemheuer. Neben besonders gefährdeten Raritäten wie zum Beispiel dem Acker-Rittersporn, dem Sommer-Adonisröschen und dem Acker-Hahnenfuß seien auf dem Acker mehr als 70 verschiedene Ackerwildkrautarten zu finden.

Der Landschaftspflegeverband schließt Verträge mit Landwirten ab, die sich zum Schutz der Kräuter verpflichten. Der Landkreis stellt Geld zur Verfügung. Der Verlust, den die Landwirte durch die schonende Bewirtschaftung machen, soll so ausgeglichen werden. Dafür werden sogenannte Ersatzgelder verwendet, die zum Beispiel bei der Errichtung von Windrädern anfallen, um den Eingriff in die Natur an anderer Stelle auszugleichen.

18 000 Euro für Ackerwildkräuter

Seit 2009 setzte der Landkreis 18 000 Euro für den Schutz der Ackerwildkräuter ein. Bei kontinuierlicher Ausweitung der Vertragsflächen in den vergangenen fünf Jahren werden der Verwaltung zufolge mittlerweile rund 6000 Euro pro Jahr an Vertragslandwirte gezahlt.

Für die Verträge ist beim Landschaftspflegeverband Ute Grothey zuständig. „Der Schlüssel zum Erfolg ist der Vertragsnaturschutz mit den Landwirten vor Ort“, sagt sie. Ohne eine kooperative Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft ließen sich Ackerwildkräuter nicht schützen. Kreisweit werden derzeit von neun Landwirten auf 18 Ackerrandstreifen fast zehn Hektar „ackerwildkrautgerecht“ bewirtschaftet.

Laut Reinhard Urner, Experte für Ackerwildkräuter, sind alle gefährdeten Arten, die auf Kalkäckern vorkommen, in mindestens einem der Vertragsäcker vertreten. „Sogar die Kornblume ist auf unseren Äckern in Südniedersachsen kaum noch zu finden“, sagt Urner, der auch stellvertretender Vorsitzender des Landschaftspflegeverbandes ist.

Biodiversität fördern

Die fast vergessenen Ackerwildkräuter böten eine beeindruckende Vielfalt an Arten, Formen und Farben in der Kulturlandschaft. Diese Vielfalt solle auch künftigen Generationen noch erhalten bleiben. „Der wachsende wirtschaftliche Druck in der Landwirtschaft lässt keinen Platz mehr für die Beikräuter“, so Urner. „Durch ausgefeilte Unkrautbekämpfung sind die früher von blühenden Wildkräutern durchsetzten Ackerflächen heute nahezu frei von Begleitflora und -fauna.“ Der Landkreis will das Schutzprogramm fortsetzen und möglichst noch ausweiten.

Der Rückgang der Ackerwildkräuter ist in ganz Deutschland festzustellen. Das gilt auch für viele Tierarten, die direkt oder indirekt auf die Ackerwildkräuter als Nahrungsquelle angewiesen sind – zum Beispiel blütenbesuchende Insekten wie Wildbienen und Schmetterlinge oder insektenfressende Vögel wie das Rebhuhnküken, das eiweißreiche Insektenkost benötigt.

Der Göttinger Raum ist dem Landkreis zufolge für Ackerwildkräuter in Niedersachsen von besonderer Bedeutung. Viele Arten haben hier ihren Verbreitungsschwerpunkt. Von etlichen Arten sind die einzigen Vorkommen nur hier zu finden. Dabei sind insbesondere die flachgründigen, von Natur aus ertragsärmeren Kalksteinverwitterungsböden für erfolgreiche Schutzmaßnahmen prädestiniert.

Mit den Landwirten wird ein Verzicht auf Dünge- und Pflanzenschutzmitteln vereinbart. Sie werden im Gegenzug für den entgangenen Ertrag und den zusätzlichen Aufwand entschädigt.