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Göttingen In Geismar gibt es jetzt schwarze Erde
Die Region Göttingen In Geismar gibt es jetzt schwarze Erde
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00:17 25.09.2018
Stolz auf ihre erste selbst hergestellte „Schwarze Erde“ (v.l.): Klaus Hartwig, Helgard Greve und Werner Frings.
Stolz auf ihre erste selbst hergestellte „Schwarze Erde“ (v.l.): Klaus Hartwig, Helgard Greve und Werner Frings. Quelle: Scharf
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Göttingen

Helgard Greve streckt zur Begrüßung die erdige Hand entgegen. Die Terra-Preta-Projektleiterin steht mit einer Gruppe Gleichgesinnter auf ihrem Gartengrundstück in der Feldmark von Geismar. Sie ist umgeben von Haufen – einige mit Folien abgedeckt, andere freigelegt. Greve greift in das Material zu ihren Füßen. Es ist im Vergleich zu südniedersächsischem Erdreich dunkler, feuchter, feinkörniger und nach ihrer Aussage „viel lebendiger“.

Was Terra Preta genau ist, erklärt Werner Frings. Er ist wie Greve Mitglied im Verein „Göttingen im Wandel“. Der großgewachsene Rentner ist der Mann für die alles Technische. „Der Fermentationsprozess dauert mehrere Monate.“ Die Zeit variiert je nach äußeren Bedingungen. Jede Miete – so die korrekte Bezeichnung der Erdhaufen – besteht aus mehreren Schichten Pferdeäpfeln, einer Mischung aus verschiedenen Tonmineralien namens Bentonit, selbst hergestellter Holzkohle sowie Grünschnitt. Außerdem werden Mikroorganismen hinzugegeben, um den Zersetzungsprozess in Gang zu setzen. Schließlich wird das Ganze mit einer Plane abgedeckt, damit kein Oxidationsprozess wie beispielsweise beim Kompost stattfindet.

Zutaten aus der Umgebung

Fast alle benötigten Materialien stammen aus der Umgebung. Die Grundzutat liefern Greves Pferde und Esel, das Holz wird eigenhändig in einer Tonne auf dem Gelände verkohlt und der Grünschnitt stammt vom Nachbargrundstück oder von befreundeten Kleingärtnern. Damit die benötigten Mengen überhaupt verarbeiteten werden können, hat Frings für den strombetriebenen Häcksler eigens eine Solaranlage installiert. Doch nicht nur Sonne wird hier im äußersten Südosten Göttingens gesammelt, sondern auch Regen. So haben Greve und Co. immer genug Wasser, um die Mieten zu befeuchten.

Seit 2017 wird das Geismarer Terra-Preta-Projekt von der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums gefördert. Das Geld reicht aus, um zwei halbe Stellen zu finanzieren. Doch wenn es darum geht, eine neue Miete anzulegen oder eine bestehende abzudecken, kommen viele freiwillige Helfer dazu, erzählt Greve. Der Verein hat etwa 20 Mitglieder, aber es gebe befreundete Projekte, mit denen man zusammenarbeite. „Alles kleine Inseln der alternativen Verhaltensweisen“, sagt Frings. Für ihn gehe es hier um mehr als um die Herstellung der schwarzen Erde. Sie sei vielmehr ein Zeichen für die Verbundenheit mit der Natur.

Guter CO2-Speicher

Und was macht nun diese an diesem Wochenende erstmals geerntete Geismaraner Terra Preta so besonders? „Sie ist zunächst deshalb schon besser, weil sie hier hergestellt wurde“, sagt Frings und erntet Gelächter. Es gebe aber auch ganz objektive Argumente, ergänzt Greve. Die Erde habe eine bessere Wasserspeicherkapazität, sei rein ökologisch und ein guter CO2-Speicher. „Im Grunde bewirtschaften wir mit der Erde das Klima gleich mit”, erklärt die Pädagogin. „Denn die Qualität unserer Böden hat enormen Einfluss darauf, ob Kohlendioxid gespeichert wird oder in die Atmosphäre entweicht.”

Jetzt will der Verein die Erde bei den Geismaranern bekannt machen und kostenlos an Interessenten verteilen. Auf der Internetseite des Projekts ist ein Formular hinterlegt, mit dem man sich anmelden kann. Greve hofft, dass die Abnehmer der schwarzen Erde langfristig dann auch wieder Material für die nächste Miete liefern. Die Bundesförderung läuft im Mai 2019 aus. Das Projekt aber soll auch danach fortgesetzt werden. Greve: „Ich bin entschlossen, hier noch zehn bis zwanzig Jahre weiter zu machen.“

Von Markus Scharf

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