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Göttingen In diesen Schwimmbädern in der Region sieht es nicht gut aus
Die Region Göttingen In diesen Schwimmbädern in der Region sieht es nicht gut aus
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12:03 26.09.2019
Das Waldschwimmbad Settmarshausen, das dem TSV Settmarshausen in der Verantwortung obliegt, wird durch eine Arbeitsgemeinschaft gepflegt und unterhalten. Ziel ist es, das Freibad langfristig als Schwimmbad und Platz der Gemütlichkeit in den Sommermonaten zur Verfügung zu stellen. Das Freibadfest aus Anlass „25 Jahre ARGE (Arbeitsgemeinschaft) Freibad Settmarshausen“ ist im Sommer ausgerichtet worden. Das Foto zeigt Aqua Zumba mit Elena. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Schwimmbäder kosten Geld. Ob sie nun als Hallen- oder als Freibad betrieben werden, ein Gewinn dürfte mit ihnen kaum zu machen sein. Obwohl Schwimmbäder als Teil der Daseinsfürsorge gelten, sind sie eine freiwillige Leistung. Wenn Kommunen sparen wollen und müssen, setzten sie zuweilen hier an: Schwimmbäder werden trocken gelegt.

Dieser Plan hat 2015 in Adelebsen viele Bürger sinnbildlich auf die Barrikaden getrieben. Im Göttinger Kreistag hatte es die rot-grüne Mehrheit abgelehnt, Geld für die Sanierung der in Trägerschaft des Landkreises befindenden Halle bereitzustellen. Die Ortsgruppe der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) der beiden Gemeinden Adelebsen und Dransfeld initiierte eine Unterschriftenaktion für den Erhalt der Schwimmhalle. Landrat Bernhard Reuter (SPD) kam, sah und sagte zu, für dieses Ziel kämpfen zu wollen. Knapp eineinhalb Jahre später war die Schwimmhalle tatsächlich saniert, der desolate Hubboden war erneuert worden. Heute wird die Halle unter anderem von der Grundschule und der DLRG Adelebsen-Dransfeld genutzt.

„Zusammenarbeit der örtlichen Akteure“

Der Hubboden nutzt vor allem den Grundschülern im Sportunterricht. „Der höhenverstellbare Boden kommt regelmäßig zum Einsatz, da das jeweilige Können der Grundschulkinder sehr unterschiedlich ist“, sagt der Bürgermeister von Adelebsen, Holger Frase (SPD). Je nach Häufigkeit dieser Nutzung zahle die Gemeinde dem Landkreis eine Gebühr. „Letztes Jahr haben wir 4700 Euro gezahlt. Aktuell für 2019 bereits 3200 Euro“, zeigt Frase auf.

Die DLRG verwalten die Übungszeiten und stellen die Aufsicht sicher. „Es erfolgt somit alles im Ehrenamt“, erläutert der Bürgermeister. Er führt weiter aus: „Die Reinigungskraft ist bei der Gemeinde angestellt und wird vom Landkreis bezahlt. Die täglichen Proben wegen des Chlorgehaltes werden durch den Ver- und Entsorgungsverband Adelebsen übernommen und vom Landkreis bezahlt. Also ein sehr gelungenes Beispiel für Zusammenarbeit der örtlichen Akteure“, verweist der Verwaltungschef auf das Miteinander von Verein, Gemeinde, Landkreis und Wasserverband.

Gemeinde beliefert Kreis mit Energie

Doch es gibt auch einen verwirrenden Aspekt im baulichen Bereich. Die Gemeinde hat die ehemalige Haupt- und Realschule vom Landkreis gekauft. Momentan sind dort Teile der Grundschule untergebracht, bis die Sanierungsarbeiten in der Grundschule abgeschlossen sind. Die Heizung für die Schwimmhalle steht aber in der ehemaligen Schule und gehört damit der Gemeinde. „Daher liefern wir dem Landkreis seinen Energiebedarf für die Schwimmhalle“, verdeutlicht Frase. Laut Gutachten bestehe ein Sanierungsbedarf von mehr als 30000 Euro an der Heizungsanlage.

„Derzeit ändern wir den B-Plan für dieses Gebiet, damit dort eine Eishalle gebaut werden kann“, so der Bürgermeister. Da für die Eisherstellung Unmengen von Wärme quasi als Abfallprodukt entstehen, soll diese Abwärme unter anderem zum Heizen der Schwimmhalle genutzt werden. Wenn die Planungen zügig voranschreiten, werde voraussichtlich im Jahr 2021 mit der Umsetzung zu rechnen sein. Der Investor ist Andreas Vogelsang. Er betreibt das ein Fitnessstudio in Adelebsen.

„Hier meine ich echte Kontakte“

Bei der Frage, für wie wichtig er das Vorhalten einer Schwimmhalle hält, hebt der Bürgermeister die Stimme: „Unglaublich wichtig. Die Bürger und Bürgerinnen können nicht nur schwimmen lernen, sondern auch bis ins hohe Alter fit bleiben, beispielsweise durch Wassergymnastik.“ Die Schwimmhalle sei ein Treffpunkt für soziale Kontakte. „Hier meine ich echte Kontakte und keine Freundschaftsliste bei Facebook und Co“, unterstreicht Frase. Außerdem werde das Vereinsleben unterstützt. „Ich verspüre jedes Mal einen sehr großen Zusammenhalt bei den Mitgliedern des DLRGs. Dabei ist es egal, ob es eine Ausfahrt für die Jugend ist oder die Vereinsmeisterschaften sind. Als Bürgermeister sehe ich natürlich auch eine deutliche Attraktivitätssteigerung des Ortes durch das Angebot des DLRGs.“

Landkreis ist Träger von Schul-Schwimmhallen

Der Landkreis Göttingen ist auch Träger der Schwimmhallen an der KGS Gieboldehausen, der Wartbergschule in Osterode und der Drei-Flüsse-Realschule in Hann. Münden. Freibäder befinden sich hingegen nicht in Trägerschaft des Landkreises, erklärt Landkreis-Sprecher Ulrich Lottmann auf Anfrage. Er weist darauf hin, dass bei diesen Schwimmhallen fortlaufend Unterhaltungsmaßnahmen durchgeführt und - soweit erforderlich - im Rahmen der Instandsetzung größere Maßnahmen umgesetzt werden. So wurden bei der Schwimmhalle Gieboldehausen die Fassade und die Lüftung umfassend erneuert. Bei der Schwimmhalle in Osterode sind unter anderem Entfeuchtungsgerät und Chlorierung erneuert sowie Fliesen repariert worden. An der Sport- und Schwimmhalle in Hann. Münden wird die Fassade saniert.

Auf der Liste der geplanten Maßnahmen stehen unter anderem bei der KGS Gieboldehausen die Betonsanierung des Beckenumganges und die Sanierung der Schwimmbadtechnik. Bei der Wartbergschule Osterode sollen Sanitäranlagen barrierefreier gestaltet und die Beckenabdeckung repariert werden. Bei der Drei-Flüsse-Realschule Hann. Münden steht die Sanierung des Schwimmbeckens sowie der Duschen und der Schwimmbadtechnik an. Und auch für Adelebsen muss wieder Geld in die Hand genommen werden für die Sanierung der Schwimmbadtechnik sowie für Arbeiten im Umkleidebereich, bei den Duschen und an der Lüftungsanlage. Gibt es Pläne, Schwimmhallen zu schließen? „Nein“, versichert Lottmann.

Summierte Verluste in Duderstadt

Die Duderstädter Bäder - das Hallenbad am Schulzentrum Auf der Klappe und das Freibad an der Talwiese - sorgen Jahr für Jahr für Defizite bei der Eichsfelder Blockheizkraftwerk und Bäder GmbH (EBB), einer Tochter der städtischen Gesellschaft Eichsfelder Wirtschaftsbetriebe (EBB). Wie einer aktuellen Aufstellung zu entnehmen ist, summierten sich die Verluste in beiden Bädern in den Jahren 1986 bis 2018 auf mehr als elf Millionen Euro. Davon entfällt auf das Hallenbad ein Anteil in Höhe von fast sieben Millionen Euro. Im Jahr 2018 fuhr das Hallenbad ein Minus von 190 000 Euro ein, das Freibad lag bei minus 142.000 Euro. Während der gesamten Zeit (1986 bis 2018) konnte kein einziges Mal ein positiver Betrag erwirtschaftet werden.

„Alle öffentlichen Bäder arbeiten defizitär und benötigen finanzielle Zuschüsse“, schreibt dazu Fritz Bergmann in einem Leserbrief. Er ist der ehemalige Geschäftsführer der EBB. Er kritisiert die Stadtverantwortlichen von Duderstadt, weil sie bei einer finanziellen Schieflage vor Jahren damit begannen, das sprichwörtliche Tafelsilber zu verkaufen. „Die Stadt Duderstadt brauchte Geld und wünschte sich von den Werken zusätzlich Dividende. Am liebsten 250.000 Euro jährlich. Dieser Transfer hatte wohl Vorrang vor den notwendigen Erhaltungsmaßnahmen der Bäder. Damit waren sie dem Verfall preisgegeben“, bilanziert Bergmann.

Ihm ist wichtig festzuhalten, dass die EWB die Verluste der Bäder dem Landkreis und der Stadt Duderstadt abgenommen habe, da sie diese Verluste steuerneutral mit den Gewinnen der EEW (Strom und Wasser) verrechnen konnte. „Entgegen der früheren Vereinbarung wollte die Stadt zusätzlich noch jährlich Dividende erhalten. Rund 250 000 Euro. Um diesen Betrag auf das Konto der Stadt überweisen zu können, müssen zirka 450 000. Euro (Steuern, Zahlung an beteiligte Gemeinden etc.) aus der Kasse der EWB entnommen werden, die für die Bäder nicht mehr zur Verfügung stehen“, verdeutlicht Bergmann. Damit seien die Bäder dem Verfall preisgegeben. „Jetzt muss die Stadt statt der Dividende sehr wahrscheinlich das Dreifache und mehr pro Jahr aufbringen, falls das Hallenbad erhalten werden soll mit dem Querverbund“, folgert Bergmann.

Waldschwimmbad Herzberg blieb geschlossen

Bürger demonstrierten kürzlich für den Erhalt des Waldschwimmbades im Herzberger Ortsteil Scharzfeld Quelle: Sonnemann

Die ungewisse Zukunft des Waldschwimmbades bei Herzberg treibt viele Menschen um. Jetzt ist eine Machbarkeitsstudie vorgestellt worden, die das Planungsbüro PZWU Oldenburg im Auftrag der Stadt erstellt hatte. Drei Varianten für ein neues Schwimmbad wurden vorgestellt. Auf die Stadt kommen in jedem Fall hohe Kosten für eine Sanierung zu und zwar in Höhe von rund 2,15 Millionen Euro – für die günstigste Variante. In dieser Aufstellung sind die Kosten für die erforderlichen Abbrucharbeiten und die Entsorgung noch nicht enthalten.

Seit 1953 ist das Waldschwimmbad in Betrieb, wesentliche Investitionen wurden seither nicht getätigt. In diesem Jahr konnte das Waldschwimmbad zum ersten Mal nicht geöffnet werden. Die Anlagetechnik ist total veraltet und inzwischen sehr störanfällig. Es müsste komplett saniert werden, mit hohem Kostenaufwand. Neben erheblichen Wasserverlusten ist die Überschwallwassertechnik nicht in Ordnung. Der Beckenboden ist abgängig und nicht reparierbar. Die Fugenabdeckungen sind problematisch und müssen erneuert werden. Die Durchströmungseinrichtung ist ebenfalls total abgängig, dies war auch der Grund für die Schließung in diesem Sommer. Die neuen Becken wären den Vorschlägen nach kleiner als die bisherigen Becken, aus Edelstahl erstellt und würden in die alten Becken eingesetzt.

Hann. Münden fehlt jetzt ein Hallenbad

In Hann. Münden hält Bürgermeister Harald Wegener (Bürgerforum) fest: „Wir haben mit unserem Hochbad ein Freibad mit einer hohen Aufenthaltsqualität. Leider fehlt nach der Schließung des Gartenhallenbades ein Hallenbad, um ganzjährigen Schwimmbetrieb zu ermöglichen. Für eine Stadt an drei Flüssen ist dies aber besonders wichtig.“ Zur Zeit ist eine Potenzialstudie in Auftrag gegeben, die Realisierungsmögichkeiten auf Risiken und Chancen prüft. „Die Studie wird finanziert vom Kreissportbund, Landkreis Göttingen und der Stadt Hann. Münden. Von dem Ergebnis hängt es ab, ob eine Machbarkeitsstudie folgen wird, um einen konkreten Standort zu beleuchten. Wir hoffen auf die weitere Unterstützung von Kreissportbund und Landkreis“, sagt Wegener.

Bau einer Beach-Volleyballanlage geplant

Das Burgbad Hardegsen öffnete in diesem Jahr als eines der ersten Freibäder. Es bietet nicht nur Platz zum Schwimmen, sondern auch die Möglichkeit für Veranstaltungen, wie dem Lichterfest. Quelle: Peter Heller

Auch für das Burgbad Hardegsen besteht Sanierungsbedarf „Den kann ich jedoch noch nicht genauer beziffern“, erklärt Bürgermeister Michael Kaiser (parteilos). „Wir werden uns mit diesem Thema jedoch im Hinblick auf die mittelfristige Finanzplanung beschäftigen“, ergänzt er. Schließungsabsichten bestünden nicht, zumal das Burgbad 2018 und 2019 „Kreismeister“ im Landkreis Northeim wurde und sich großer Beliebtheit in Hardegsen und dem Umland erfreue. Im vergangenen Jahr wurde ein Kinderplanschbecken mit Spielbereich für rund 120 000 Euro erneuert. Aktuell sei der Bau einer Beach-Volleyballanlage für 20000 Euro geplant.

Stadtwerke Northeim investieren regelmäßig

In Northeim gibt es keine Schließungspläne und auch keinen Sanierungsstau bei den Bädern. Das versichert Susanne Mönkemeyer auf Anfrage des Tageblatts. Sie informiert: „Über ihre Kernkompetenzen hinaus sind die Stadtwerke Northeim seit mehr als 20 Jahren Betreiber des Northeimer Hallenbades. In den zurückliegenden Jahren haben die Stadtwerke Jahr für Jahr Investitionen in die Instandhaltung und Modernisierung vorgenommen, um den Betrieb des Hallenbades dauerhaft zu ermöglichen.“

Das Hallenbad Northeim genieße weit über die Region hinaus ein hohes Ansehen. So kämen in Ferienzeiten zahlreiche Schwimmvereine zum Trainingslager nach Northeim. Ab der Saison 2019 haben die Stadtwerke Northeim die Betriebsführung des städtischen Bergbades in der Kernstadt übernommen. „Durch die engagierte Mitarbeit des Fördervereins Bergbad in den letzten elf Jahren war es gemeinsam gelungen, den Betrieb des Bades auch in finanziell schwierigen Zeiten aufrecht zu erhalten“, so Mönkemeyer.

Das Freibad Sudheim, das bislang vom Förderverein Freibad Sudheim betrieben wird, soll mit Beginn des kommenden Jahres wieder in die Zuständigkeit der Stadt Northeim wechseln. „Hintergrund ist einerseits die geplante Integration in eine noch zu gründende Sport- und Freizeit GmbH, andererseits auch die für den Förderverein zunehmend schwieriger werdende Situation Fachpersonal zu finden“, erklärt die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Northeim.

Keine Schließungspläne in Göttingen

Im Auftrag der Stadtverwaltung Göttingen betreibt die Sport und Freizeit GmbH neben dem Badeparadies Eiswiese drei Freibäder. Das sind das Freibad Weende, das Freibad Grone und das Freibad Brauweg. Weiterhin gibt es eine Vereinbarung mit der Stadt zur technischen Begleitung des Lehrschwimmbeckens an der Heinrich-Böll-Schule.

Schließungspläne für diese Einrichtungen existieren keine, versichert Alexander Hirt. Der Prokurist in Diensten der Sport und Freizeit GmbH ist für die Bäderlandschaft zuständig. Schließungsgedanken für Grone existierten allerdings Mitte der 2000er Jahre. „Dagegen hat sich der Ortsrat stark gemacht“, erinnert Hirt. Auch der Fortbestand des Freibades in Weende war zeitweise unsicher, hier engagierte sich ein Förderverein für den Erhalt und die notwendige Sanierung. Eine Neueröffnung erfolgte im vergangenen Jahr. Den Förderverein gibt es weiterhin, er unterstützt personell und finanziell den Erhalt, die Erneuerung, den Ausbau und die Nutzungsplanung des Weender Freibades.

Freibad Brauweg hat hohen Sanierungsbedarf

Sanierungsbedarf in geschätzter Höhe von fünf Millionen Euro netto gibt es beim Freibad Brauweg. Es ist schon eine Weile her, dass hier gestalterisch Hand angelegt worden ist, Hirt spricht von „Ende der 1980er Jahre“. Ein Antrag beim Bund um Fördermittel hatte bislang keinen Erfolg, weil das Förderprogramm überzeichnet war. „Wir setzen Hoffnung auf eine Neuauflage der Förderung“, sagt Hirt. Im Brauweg muss die Beckenkonstruktion erneuert werden, inklusive der Wand- und Fußbodenflächen und der Rohrleitungen. „Das sind alles Tiefbauarbeiten. Da weiß man nicht, was da einmal verbaut worden ist“, weist der Prokurist dezent auf mögliche Überraschungen hin, auf die man gefasst sein muss. Wenn denn die Mittel zusammen sind zur Sanierung des Freibades Brauweg, soll die Anlage auch gestalterisch aufgewertet werden. Auf jeden Fall soll die Anlage nicht zu einem dritten Naturbad werden. „Es wird bei einem traditionellen Chlorbad bleiben“, sagt Hirt. Im Gegensatz dazu sind in Grone und Weende ökologische Wasseraufbereitungsanlagen installiert.

Bauarbeiten wird es im nächsten Jahr im Saunabereich der Eiswiese geben. Zwei Millionen Euro sind hier veranschlagt für einen weitreichenden Umbau der innen liegenden Saunen. „Nach 20 Jahren ist eine gründliche Überarbeitung nötig“, sagt Hirt. Von März bis voraussichtlich Oktober sind dann nur die Saunen im Außenbereich nutzbar.

Genossenschaft ist Träger des Hallenbades

Dass im und am Hallenbad in Nörten-Hardenberg viel Herzblut der Betreiber steckt, ist schon am schön gestalteten Eingangsbereich erkennbar. Quelle: R

Ein durchweg positives Beispiel für ein über die Jahre einladendes Hallenbad findet sich in Nörten-Hardenberg. Hier gründete sich bereits 2005 eine Genossenschaft, deren Mitglieder seither die Mitte der 1970er Jahre gebaute Anlage unterhalten. „Bewährt und erfolgreich“, so beschreibt Jürgen Werner vom Vorstand der Genossenschaft das Modell. Er verweist auf steigende Besucherzahlen. Ein jährlicher Betriebskostenzuschuss kommt von der Gemeinde des Flecken Nörten-Hardenberg. Dieser Betrag ist über all die Jahre stets gleichgeblieben, trotz Kostensteigerungen in allen möglichen Bereichen wie etwa Energie. „Wir versuchen es mit effektiver Arbeit auszugleichen, durch die Installation einer Solaranlage und die Inbetriebnahme eines Blockheizkraftwerkes“, erklärt Werner. Richtig ins Geld ging kürzlich die Investition in vorgeschriebene Brandschutzmaßnahmen – die natürlich kein Badegast als Attraktivitätssteigerung wahrnimmt.

Gute Pflege ist ein Erfolgsgeheimnis

Eine Einnahmequelle sind vom Nörtener Bad-Team angebotene Kurse wie Aquafitness, eine andere ist das Schulschwimmen. Acht Schulen und zwei Kitas schicken ihre Kinder in das Bad, das täglich von 6 bis 22 Uhr geöffnet hat, am Wochenende bis 17 Uhr. „Die Nachfrage ist größer, als das Angebot, das wir machen können“, sagt Werner zum Thema Schulschwimmen. Nicht ohne Stolz verweist er auf die hiesige Johann-Wolf-Schule, die ihren Schwerpunkt auf den Schwimmunterricht setze: 95 Prozent der Schüler haben das Schwimmabzeichen „Seepferdchen“. Das ist verglichen mit dem bundesweiten Durchschnitt hervorragend, denn fast 60 Prozent der Zehnjährigen können nach Angaben der DLRG nicht oder nur schlecht schwimmen.

Das Geheimnis des Erfolgs, ein Hallenbad ohne Nöte, ohne Sanierungsstau zu betreiben, ist eigentlich ganz simpel: „Wir haben regelmäßig notwendige Arbeiten ausgeführt“, sagt Werner. Für den guten Zustand des Bades gab es sogar Lob vom Versicherungsvertreter: So ein gepflegtes Bad sehe man nicht alle Tage, hieß es. Ein anderes Erfolgsgeheimnis ist der Idealismus, den die Ehrenamtlichen der Genossenschaft mitbringen. „Diese Zeit, diese Leidenschaft, dieses Herzblut kann eine Verwaltung so gar nicht aufbringen“, vergleicht Werner, der selbst leitender Verwaltungsmitarbeiter im Flecken Nörten-Hardenberg ist.

Bad in Reyershausen in kommunaler Regie

Beim Ratsburgbad Reyershausen gibt es aktuell Sanierungsbedarf. Neben den erforderlichen allgemeinen Unterhaltungsarbeiten im technischen und im baulichen Bereich ist als besondere Maßnahme die Schaffung einer zusätzlichen Möglichkeit der Beckenwassererwärmung für das Kleinkinderplanschbecken in der Planung, teilt Joachim Lies von der Verwaltung des Flecken Bovenden mit. Er geht von Kosten in Höhe von rund 15000 Euro aus. „Der Betrieb des Ratsburgbades mit seinen guten Angeboten ist nicht kostendeckend zu führen“, erklärt Lies. Das Defizit der Jahre 2014 bis 2018 betrug im Durchschnitt rund 91000 Euro pro Jahr. „Die Entscheidungsträger des Flecken Bovenden und Bürgermeister Thomas Brandes sind sich in der Bewertung einig, das Ratsburgbad Reyershausen als für die Bewohnerinnen und Bewohner des Flecken Bovenden wichtige Sport- und Freizeiteinrichtung auch zukünftig in kommunaler Regie zu erhalten und weiterzuführen“, betont Lies.

Eigenleistung drückt Sanierungskosten

„Das Freibad Settmarshausen ist, was die Badewasseraufbereitung und Beckenhydraulik angeht, bestens aufgestellt“, erklärt Jörn Herting von der Arge Freibad Settmarshausen. Die Arbeitsgemeinschaft betreibt das Bad. „Nach einer Generalsanierung im Jahr 2011 sind wir technisch auf dem aktuellen Stand. Sanierungsbedarf besteht bei uns an den Gebäuden, die die ’Waldschänke’, Umkleidekabinen und Sanitätsraum beherbergen“, so Herting. Dies müsse in den nächsten Jahren angegangen werden. Die Kosten hierfür liegen geschätzt bei 30000 bis 35000 Euro. „Dies hängt auch davon ab, wieviel Eigenleistung wir erbringen“, wägt Herting ab.

Das Freibad Settmarshausen wird rein ehrenamtlich betrieben und bekommt einen Betriebskostenzuschuss von der Gemeinde Rosdorf, der aber die Ausgaben der Betriebskosten nicht deckt. Alle Kosten die darüber hinaus gehen, müssen selbst erwirtschaftet werden. Ebenso wie Gelder, die für Instandhaltung benötigt werden. „Daher kann noch nicht gesagt werden, wann die Maßnahmen umgesetzt werden“, bittet der Mann von der Arge um Verständnis. Schließungsabsichten gebe es keine. „Das Wort existiert in unserem Wortschatz nicht“, positioniert sich Herting unmissverständlich.

Miteinander Zeit verbringen ist ein Wert

Die Göttinger Professorin für Soziologie, Claudia Neu, äußerte sich jüngst in einem TV-Beitrag über den Wert von Schwimmbädern. Sie stellte die Fragen: Was ist es uns wert, dass Menschen zusammen kommen und schwimmen lernen? Was ist es uns wert, damit Familien mit geringen Einkommen miteinander Zeit verbringen können und Spaß haben?

Übrigens: Mindestens 504 Menschen kamen 2018 in Deutschland bei Bade­unfällen ums Leben, wie dieDeutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Anfang 2019 meldete. Unter den 71 Todes­opfern der Alters­gruppe bis 20 Jahre waren 26 Kinder im Vor- und Grund­schul­alter. Die Zahl der ertrunkenen Kinder und Jugendlichen stieg 2018 dabei im Vergleich zum Vorjahr um insgesamt 38 Prozent. Die Gründe für diese Entwicklung seien sowohl im familiären als auch im schulischen Bereich zu suchen, und auch Bäderschließungen würden eine Rolle spielen.

Von Ulrich Meinhard

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