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Göttingen Seit Jahren befürchtetes Szenario
Die Region Göttingen Seit Jahren befürchtetes Szenario
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00:17 17.12.2012
Von Jürgen Gückel
Unmissverständlich: Verbotsschild neben dem Bahnhof.
Unmissverständlich: Verbotsschild neben dem Bahnhof. Quelle: Pförtner
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Friedland

So jedenfalls das Szenario, das von Fahrgästen oder im Ortsrat immer wieder diskutiert wird, und das an der Schrankenanlage auch wöchentlich beobachtet werden kann: verbotswidriges Überqueren der Gleise.

Doch diesmal war es offenbar anders. Nicht an der Schranke, sondern gleich vom Grenzdurchgangslager kommend quer über die Gleise und direkt zum gegenüberliegenden Bahnsteig muss die aus Kasachstan stammende 63-Jährige mit dem Kind gelaufen sein – allen Verboten zum Trotz.

Dennoch wird der tragische Unfall die Diskussion um die Schranke in Friedland wieder anfachen. Mehrfach haben Ortsratsmitglieder darüber beraten. Ortsbürgermeister Joachim Lüther (CDU), von Beruf Polizist, hat selbst einst erlebt, wie ein ungeduldiger Radfahrer an geschlossener Schranke sein Gefährt über den Balken hob, zwar aufmerksam nach Zügen Ausschau hielt, die Schienen überquerte und auf der anderen Seite weiterradelte. Ein kleiner Schuljunge machte es ihm nach – blindlings.

Dabei hat die Bahn viel getan, um die Situation zu entschärfen. Seit dem Bau der Lärmschutzwände kann man sich kaum noch an der Schranke vorbeidrücken. Überall stehen Absperrgitter, Warn- und Verbotsschilder. Die Gleise werden von Bahnhof bis Schranke von einem Zwischenzaun getrennt, damit das Überqueren unmöglich wird. Die Großmutter mit Kind aber hat den Bahnkörper vor dem Zaun betreten und muss im Gleisbett bis zum Bahnsteig gelaufen sein. Warum, ist ein Rätsel.

Dabei sind gerade wegen des nahen Grenzdurchgangslagers, in dem viele Menschen leben, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, auch hier die Absperrungen und Verbotsschilder immer wieder überprüft worden. Zuletzt Mitte November, ehe der Tag der offenen Tür im Museum Friedland gefeiert wurde, hat die Gemeinde, so Bürgermeister Andreas Friedrichs (SPD), das überprüft. Wer nicht lesen könne, erkenne an Piktogrammen das Durchgangsverbot.

Eine Hoffnung, die Gleise jemals mit Brücke oder Tunnel queren zu können, hat man in Friedland aufgegeben. Eine Unterführung scheitert am Mühlengraben. Eine Brücke müsste wegen der Leine weit vor dem Ort ansetzen und würde erst kurz vor dem Kreisel enden. Mehrere Gebäude müssten dafür abgerissen werden.