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Göttingen Sorge um Stadthallen-Renovierung – Streng geschützter Käfer am Wall gefunden
Die Region Göttingen Sorge um Stadthallen-Renovierung – Streng geschützter Käfer am Wall gefunden
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08:38 12.08.2019
Selten und streng geschützt: Juchtenkäfer, gesichtet im Juli 2019 im Alten Botanischen Garten Göttingen. Quelle: BSG Göttingen
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Göttingen

Er hat schon zu einem Baustopp beim Bau des umstrittenen Bahnhofs Stuttgart 21 geführt: der extrem seltene Juchtenkäfer, auch Eremit genannt. Seit den 80er Jahren wurde in der Stadt Göttingen kein Exemplar mehr gesehen. Jetzt wurden zwei gefunden.

Er ist selten. So selten, dass sein Aufkreuzen millionenschwere Projekte wie den Bau des Bahnhofs in Stuttgart vorübergehend lahmlegen kann. Der Eremit ist ein Käfer aus der Gattung der Blatthornkäfer, (Scarabaeidae) Unterfamilie Rosenkäfer. Das daumengroße Tier wird auf der Liste der FFH-Richtlinie, einer Naturschutz-Richtlinie der Europäischen Union, als „prioritäre Art“ eingestuft. Damit steht er unter besonders strengem Schutz.

Nachweise auch am Einzelberg

Die Tiere sind selten, im Landkreis Göttingen wurden aber bereits einzelne gefunden, beispielsweise im Bereich des Einzelberges in Groß Schneen. Der niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) registriert die Nachweise.

Gefunden 2017 bei Groß Schneen: Ein Juchtenkäfer, auch Eremit genannt. Quelle: Pape

Den ersten Käfer seit vielen Jahren im Stadtgebiet fanden im Juli zwei Mitglieder der Biologischen Schutzgemeinschaft Göttingen(BSG), nämlich Bettina Marth und Marlit Danilschenko im Alten Botanischen Garten. Kurz darauf machte sich der Biologe Fionn Pape, ebenfalls von der BSG, auf die Suche. Auch er wurde fündig, auf dem Weg zwischen Deutschen Theater und Botanischem Garten. Dort sammelte er ein zertretenes Exemplar auf. „Der Nachweis der Art ist schon recht sensationell und für den lokalen Naturschutz relevant“, sagt Pape. Die Naturschützer meldeten ihren Funde der Unteren Naturschutzbehörde in Göttingen und dem NLWKN.

Meldung bestätigt

„Die Meldung über den Fund eines Juchtenkäfer-Exemplars ist bei der Unteren Naturschutzbehörde eingegangen”, bestätigt der Sprecher der Stadtverwaltung, Dominik Kimyon. Im Baumkataster der Stadt seien die Bäume im Fundbereich als „potenzielle Habitate” gekennzeichnet worden. „Wir werden uns das demnächst mit einem Käferspezialisten genauer anschauen“,so Kimyon. Laut der FFH-Richtlinie sind Gebiete, in denen das Tier vorkommt, als Schutzgebiet auszuweisen. Vor allem die Brutbäume gilt es zu schützen.

Juli 2019: Toter Juchtenkäfer auf dem Wall Quelle: Pape

Die Brutbäume der Käfer konnte Pape bislang noch nicht identifizieren. „Es kommen aber insbesondere die alten Linden auf dem Wall und die alten Platanen im Botanischen Garten in Betracht“, so der Biologe. In Stuttgart habe man die Juchtenkäfer in alten Platanen gefunden, das sei in städtischen Parks ein wichtiger Habitatbaum. „Potentielle Brutbäume”, so erklärt Pape, existieren auch im Cheltenhampark. „Durch die Renovierung der Stadthalle aber auch durch die Installation der Beleuchtung auf dem Stadtwall könnte es zu Beeinträchtigungen von besiedelten Bäumen kommen” befürchtet der Biologe.

Art lebt sehr „unauffällig“

Seit Langem wurde in der Stadt kein Eremit mehr gefunden. Eine alte Sichtung stammt von Michael Corsmann von der Jägerschaft Göttingen. „Ich erinnere mich noch daran, das muss Anfang der 80er Jahre gewesen sein“, sagt er. In der Region Groß Schneen wurde 2017 zuletzt ein Käfer gemeldet, so das NLWKN. „Die Art lebt – ihrem Namen entsprechend – sehr unauffällig, was einen Nachweis erschwert“, so Carsten Lippe vom NLWKN. Vermutlich sei nur ein geringer Teil des aktuell besiedelten Gebietes in Niedersachsen bekannt. Die Art sei bundesrechtlich „streng geschützt“ und trete auch im Bereich historischer Teichanlagen, in Parkanlagen, Alleen und Solitärbäumen auf. Im NLWKN sei die Meldung des aktuellen Göttinger Fundes noch nicht eingegangen, was an der Ferienzeit im Amt liegen könne. „Mögliche Konsequenzen, die sich aus den Schutzbestimmungen für diese seltene Art ergeben könnten, können daher erst abgeschätzt werden, wenn ein bisschen mehr von den Fundumständen bekannt ist”, sagt Lippe.

Eremit: Bitte melden

Die Biologische Schutzgemeinschaft Göttingen(BSG) bittet Spaziergänger, die einen Käfer in Göttingen und Umgebung sichten, darum, den Fund zu dokumentieren und zu melden. Keinesfalls sollte man – wie auf dem Wall geschehen – auf den Käfer treten. Meldungen an die BSG: mail@biologische-schutzgemeinschaft.de Wenn Funde gemeldet werden, dann möglichst mit Foto und genauem Standort, die Tiere dürfen auf keinen Fall gefangen oder anders beeinträchtigt werden. „Wenn sie am Boden krabbelnd gefunden werden, sollte man sie am besten an einen Baum setzen, vom Boden aus können sie nämlich nicht zum Flug starten“, rät Pape. Juchtenkäfer sind etwa zwei bis vier Zentimeter groß und bis zwei Zentimeter breit. Er ist braunschwarz gefärbt und hat einen metallischen Glanz.

Von Britta Bielefeld

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