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Göttingen Sicherer Schulweg: Wie die „Gelben Füße“ beim Überqueren von Straßen helfen
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Sicher zur Schule: Wie die „Gelben Füße“ beim Überqueren von Straßen helfen

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15:13 17.08.2020
Hans-Joachim Meyer, Kontaktbereichsbeamter der Polizei Göttingen, hat die „Gelben Füße“ am Übergang zur Egelsbergschule nachgesprüht.
Hans-Joachim Meyer, Kontaktbereichsbeamter der Polizei Göttingen, hat die „Gelben Füße“ am Übergang zur Egelsbergschule nachgesprüht. Quelle: lel
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Göttingen/Duderstadt

Der Weg zur Schule führt nicht nur über Zebrastreifen. An den meisten Grundschulen im Landkreis haben Polizeibeamte deshalb nachgeholfen: Neongelbe Hinweise auf dem Asphalt helfen den Schülern beim Überqueren von Straßen, auf denen kein Fußgängerüberweg eingezeichnet ist. In Folge 5 der Tageblatt-Reihe „Sicher zur Schule“ zeigt der Göttinger Kontaktbeamte Hans-Joachim Meyer für was die „Gelben Füße“ stehen und wie sie Schulkindern auf dem Weg zum Unterricht helfen.

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Die neongelben Füße sind Teil des Programms „Kleine Füße - sicherer Schulweg“, eine landesweite Aktion, die von der Landesverkehrswacht, dem Land Niedersachsen, dem ADAC und der Polizei durchgeführt wird. An der Egelsbergschule in Göttingen sprüht Meyer das Symbol für die ABC-Schützen nach. „Wir haben die Füße in den Einzugsbereichen der Grundschulen an allen Einfallstraßen zur Schule hin angebracht, wo es nötig war“, erklärt der Kontaktbereichsbeamte (KOB). Straßen ohne Zebrastreifen wie die Bebelstraße fallen darunter. Hier erklärt Meyer Kindergartenkindern und Erstklässlern seit mehr als zehn Jahren, wie sie sicher über die befahrene Straße kommen.

Meyer erklärt den richtigen Überweg. Quelle: lel

Vor den gelben Füßen ist eine Linie auf den Boden gesprüht. „,Hier bitte stehen bleiben’ – das soll sie ausdrücken“, so der Polizist. Die Kinder sollen dort stehenbleiben und den Verkehr beobachten. „Sie sollen einmal nach links, einmal nach rechts und noch einmal nach links schauen“, so Meyer. Aus diesem Grund seien Kapuzen unpraktisch für Kinder. „Die sind meist zu groß geschnitten, sodass die Kinder ihren Blick nur in die Kapuzen drehen“, weiß der Polizeihauptkommissar.

Erst gehen, wenn die Räder stehen

Wenn ein Auto oder Fahrrad sich nähert, helfe der ausgestreckte Arm – „damit der Fahrer weiß, dass das Kind queren möchte“, betont Meyer. Dann gelte: „Erst gehen, wenn die Räder stehen.“ Meyers Leitsatz sei bekannt: „Das prägt sich ein, das wissen die Schüler noch in der 10. oder 13. Klasse, dass ich ihnen das damals so beigebracht habe“, sagt er schmunzelnd.

Die gelben Füße sind auf beiden Straßenseiten angebracht. Quelle: lel

Nur bei stillstehenden Reifen könnten die Schüler ganz sicher sein, dass der Autofahrer anhält und sie über die Straße lässt. „Manche Autofahrer fahren ganz langsam, wenn sie ein Kind an der Straße stehen sehen. Das ist aber nicht Signal genug für die Schüler, da hilft nur Anhalten“, rät der KOB den Autofahrern.

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Eltern unterstützen ihr Kind am besten, indem sie Ängste durch Übung nehmen. „Vermitteln Sie den Kindern ein Sicherheitsgefühl“, rät der polizeiliche Verkehrssicherheitsberater Jörg Arnecke. Eltern sollten den Schulweg frühzeitig mit ihren Kindern üben, vor allem das Queren der Fahrbahn an sicheren Stellen. Auch ein Rollentausch könne helfen: „Lassen Sie sich einmal von Ihrem Kind zur Schule bringen – dabei lernen Sie das Verhalten im Straßenverkehr gut kennen“, so Arnecke. Das daraus entstehende Wissen könne man dann auf sein Autofahrerverhalten übertragen.

Viele Orte zum Üben in den Ferien

Die Ferien sind ein guter Zeitpunkt, um damit anzufangen. Stellen mit gelben Füßen gibt es zum Üben genug. Die Polizeibeamten sprühen die Füße jedes Jahr in den Sommerferien nach. Nicht nur in Göttingen: Dierk Falkenhagen, Präventionsbeamter der Polizei Duderstadt, hat fast alle der infrage kommenden 32 Stellen in den Samtgemeinden Radolfshausen und Gieboldehausen und in der Stadt Duderstadt mit den leuchtenden Füßen besprüht. Insgesamt seien es „zwischen 500 und 600 Paare“, die im Eichsfeld leuchten.

Um herauszufinden, welche Gefahren der Schulweg für Kinder aufweist, raten alle befragten Polizeibeamte zu gemeinsamen Versuchen. „So fassen die Kinder Vertrauen und können ohne Angst zur Schule gehen“, fasst Arnecke zusammen.

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„Gelbe Füße“ sind nicht überall möglich

Manchmal fragen Eltern, Anwohner oder Ortsräte bei den Verkehrsspezialisten der Polizei an und schlagen weitere Stellen für die „Gelben Füße“ vor. Doch nicht alle Orte, die sich die Hilfe zur Verkehrssicherheit auf ihren Bürgersteigen wünschen, bekommen sie auch. „Wenn neue Anfragen kommen, dann fahre ich raus und gucke mir das an. Es kommt aber auch vor, dass ich das nicht verantworten kann“, meint Falkenhagen. Der Präventionspolizist begibt sich auch mal in die Hocke, um die Verkehrssituation aus der Kinderaugen-Perspektive einschätzen zu können. Gründe, um den „Fuß-Wunsch“ abzulehnen, können beispielsweise sein, dass sichere Gehwege fehlen. Aber auch schlecht einsehbare Stellen, an denen parkende Autos die Sicht versperren, gehörten dazu. Gemeinsam werde dann an Lösungen gearbeitet, um das Problem zu beheben. „In solchen Fällen könnte dann der Ortsrat zusammenkommen und entscheiden, was zu tun sei“, erläutert Falkenhagen. Das Aufstellen von Pollern sei unter anderem eine Möglichkeit, erklärte der Polizeioberkommissar.

Sie erreichen die Autorin per E-Mail an l.lang@goettinger-tageblatt.de.

Von Lea Lang