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Göttingen Mehr Schutz: Friedländer Weg und Merkelstraße in Göttingen bald Einbahnstraße?
Die Region Göttingen Mehr Schutz: Friedländer Weg und Merkelstraße in Göttingen bald Einbahnstraße?
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21:20 13.05.2019
Kann man mehr Radfahrer auf den Friedländer Weg locken, wenn er zur Einbahnstraße wird? Der Vorschlag ist umstritten. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Es ist eine Idee, die Wellen schlägt: Der Ratsherr Francisco Welter-Schultes (Einzelabgeordneter mit Piraten-Parteibuch) schlägt vor, die Merkelstraße und den Friedländer Weg im Göttinger Ostviertel als Einbahnstraßen ausweisen – in gegenläufiger Richtung. Zugleich sollen an den Straßen beidseitig neue Radwege gebaut werden. Die anderen Ratsfraktionen protestieren.

Deutschland und Göttingen brauchen eine Verkehrswende“, sagt Welter-Schultes, „Radfahrer müssen sicher fahren können“. Die beiden Straßen seien stark befahren, weil viele Berufspendler aus Geismar diese Strecken als Schleichweg zu den Uni-Einrichtungen und Kliniken im Norden der Stadt nutzen würden. Das gefährliche Nachsehen hätten Radfahrer, die die Fahrbahnen ebenfalls nutzen wollen und müssen, denn Radwege gebe es nicht.

Busse sollen in die Nebenstraßen

Die Verkehrszahlen seien so hoch, dass nach den bestehenden Richtlinien Radfahren auf den beiden Straßen eigentlich verboten werden müsste, ergänzt Welter Schultes. Sein Vorschlag: Beide Straßen werden als Einbahnstraßen ausgewiesen. Richtung Süden wird der Verkehr ab Eichendorffplatz über den Friedländer Weg geführt, Richtung Norden durch die Merkelstraße.

Auch an den Busverkehr auf dem Friedländer Weg hat Welter-Schultes gedacht: „Sie brauche ein eigenes Konzept und könnten durch parallele Nebenstraßen geführt werden, die dann für Pkw gesperrt werden.“

Welter-Schultes Hauptmotivation nach seinen Angaben: Für mehr Klimaschutz müsse der Kfz-Verkehr reduziert werden. Zugleich müssten mehr Radfahrer auf die Straßen geholt werden. Zumal nach seinen eigenen Zählungen vor allem innerstädtischer Verkehr die Straßen belaste. Der Fahrradanteil hingegen mache an der Merkelstraße / Ecke Calsowstraße nur vier bis 13 Prozent aus (Stichtag 26. Februar), am Friedländer Weg / Ecke Hainholzweg nur acht bis 14 Prozent. „Dieser Anteil müsste sich doch steigern lassen“, sagt Welter-Schultes. Erst Recht, wenn in absehbarer zeit an der Geismar Landstraße im Gothaer-Komplex Wohnungen für etwa 500 Studenten geschaffen werden.

Das sagen die anderen Parteien

Andere Ratsmitglieder und Fraktionen lehnen die Einbahnstraßen-Idee allerdings ab. „Absoluter Blödsinn“, kommentiert für die CDU Hans Otto Arnold den Vorschlag. Das würde wieder andere Umgehungsverkehre erzwingen. Und auf einer Einbahnstraße würden Autos häufig schneller Fahren. Leidtragende wären wieder Radfahrer und Fußgänger.

Ganz ähnlich sieht das die FDP. „Das widerspricht wesentlichen Verkehrsbedürfnissen und führt zu massiven Belastungen auf Ausweichstrecken“, fürchtet Ratsfrau Felicitas Oldenburg.

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Neu sei der Vorschlag nicht, das mache ihn aber auch nicht besser, erklärt für die Rats-Grünen Ulrich Holefleisch. Er wirke auf den ersten Blick sympathisch, aber es sei falsch, übersprunghaft aktiv zu werden, um Probleme an ein oder zwei Straßen lösen zu wollen. „Wir brauchen ein Gesamtkonzept, um den Verkehr in Göttingen im Sinne unserer Klimaschutzziele zu ändern“, fügt er an.

Ganz ähnlich argumentieren die Linken mit ihrem Gruppenpartner von der ALG. Auch sie setzt auf ein Gesamtkonzept. „Keinesfalls dürfen wir die unterschiedlichen Verkehre geneinander ausspielen“, sagt ihr Fraktions-Geschäftsführer Udo Trost. Die zweite Piratin im Rat, Dana Rotter, und ihre Gruppenpartnerin von der Partei „Die Partei“ wollten Welter-Schultes Idee nicht kommentieren.

SPD will Folgen prüfen lassen

Auch die Merkelstraße will Welter-Schultes als Einbahnstraße ausweisen. Quelle: Christina Hinzmann

 

Die SPD im Rat ist grundsätzlich dafür, den Radverkehr sicherer zu machen“, sagt ihr verkehrspolitischer Sprecher Volker Grothey. Der Vorschlag von Welter-Schultes könnte dabei ein richtiger Weg sein. Dabei müssten aber die Auswirkungen und vor allem Folge-Belastungen für andere Straßen berücksichtigt werden. Das müssten die Experten in der Verwaltung erst einmal untersuchen.

Die Welter-Schultes-Messung:

Für seinen Antrag hat Welter-Schultes an einem Stichtag jeweils morgens und nachmittags an beiden Straßen die Verkehre gezählt. Anders als von der Stadtverwaltung bisher angegeben, sei der Fahrradverkehr hier deutlich geringer, so sein Fazit. Nach offiziellen Angaben betrage der Fahrradanteil am innerstädtischen Verkehr 28 Prozent. Er selbst habe aber nur sieben Prozent Fahrradanteil auf der Merkelstraße und zehn Prozent auf dem Friedländer Weg gemessen.

Welter-Schultes-Messung Friedländer Weg Quelle: R
Welter-Schultes-Messung Merkelstraße Quelle: R

Andere Modelle gehen noch viel weiter:

Shared Space – geteilter Raum auf Augenhöhe

Eine noch weitreichendere Idee als Fahrradstraßen, Spielstraßen, Einbahnstraßen und andere bekannte Möglichkeiten zur Verkehrsharmonsierung kommt aus den Niederlanden: Shared Space – gemeinsamer Raum. Sie beruht nach Angaben des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) auf der absoluten Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer.

Entscheidend ist dabei gegenseitige Rücksichtnahme im Verkehr jenseits von ausgewiesenen Wegen und Regeln. Fußgänger, Radfahrer und motorisierte Teilnehmer bewegen sich auch räumlich im gemeinsam genutzten Bereich (ohne Fußwege, Radwege und ähnliches) auf Augenhöhe. Es gibt keine Ampeln, Verkehrszeichen und Fahrbahnmarkierungen. Das funktioniert nur, wenn alle bereit sind, ihr Verhalten in diesem Sinne wirklich zu verändern.

Erste Modellprojekte gab es in Holland. Dort sind inzwischen mehr als 100 Shared-Space-Räume umgesetzt. Aber auch in Deutschland gibt es Versuche, unter anderem in Bohmte. Nach Angaben verschiedener Medien hat es in der Folge mehr Unfälle gegeben als zuvor in diesem Bereich, allerdings ausschließlich mit geringem Schaden.

Frühere Pläne

Um die Merkelstraße wird bereits seit vergangenem Jahr erbittert gerungen. Die Göttinger Entsorgungsbetriebe wollen dort neue Kanäle für Abwasser und Regenwasser einbauen. Andere Versorger und die Stadt wollen sich einklinken und die Straße komplett sanieren. Rund 2,6 Millionen Euro soll der Straßenbau kosten. Etwa eine Million Euro davon sollen die Anlieger tragen. Dagegen haben sie auf Bürgerversammlungen bereits heftig kritisiert. 

In den 1970er-Jahren hat es schon einmal eine große Debatte um die beiden Nord-Süd-Achsen durch das Göttinger Ostviertel gegeben. Damals gab es Überlegungen eine der Straßen als mehrspurige Umgehung auszubauen – tatsächlich als eine Hauptverbindung zwischen dem Süden der Stadt und dem wachsenden Uni-Nordbereich. Die Pläne verliefen im Sande.

Von Ulrich Schubert

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