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Göttingen „Sie beschließen das Ende der Boni II“
Die Region Göttingen „Sie beschließen das Ende der Boni II“
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18:06 18.03.2012
Von Ulrich Schubert
Herbststimmung: Boni II hat immer weniger Schüler.
Herbststimmung: Boni II hat immer weniger Schüler. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Zurzeit liegt die Quote an der konfessionellen Realschule des Bistums Hildesheim bei 50 zu 50. Göttinger Bildungspolitiker und die Kirche fürchten, dass die Anmeldezahlen unter diesen Bedingungen deutlich zurückgehen. Dann ließe sich die Schule kaum noch halten und müsste geschlossen werden.

„Sehr gut“, kommentierte der Grünen-Politiker Ulrich Holefleisch am Freitag im Rat der Stadt per Zwischenruf genau diese Sorge der Schule und der katholischen Kirche. Ein Zwischenruf mit heftiger Reaktion aus den CDU-Reihen, der nicht alleine zeigt, dass dieses Thema umstritten und emotional besetzt ist.

Ausnahmefrist läuft aus

Der Hintergrund: Seit über 200 Jahren gibt es die katholische Bonifatiusschule in Göttingen, seit 1982 hält sie einen eigenen Realschulzweig. Nach einer Vereinbarung zwischen Kirche und dem Land (Konkordat) darf sie neben katholischen Kindern und Jugendlichen bis zu 30 Prozent Schüler ohne oder mit anderer Konfession aufnehmen. Als 2006 die Orientierungsstufe abgeschafft wird und 2009 neue Gesamtschulen im Kreis die Göttinger Schullandschaft aufwirbelten, beantragte sie als Ausnahme eine Verteilungsquote von 50  zu  50. Die Stadt als eigentlicher Träger der weiterführenden Schulen stimmte zu. Jetzt läuft die Ausnahmefrist wieder ab und die Schule will mit Blick auf sinkende Schülerzahlen verlängern.

Das hat der Rat der Stadt auf Vorschlag der Verwaltung am Freitag abgelehnt. Und zwar alleine mit den Mehrheitsstimmen von SPD und Grünen. Damit die Schule jetzt so schnell wie möglich wieder über alle Jahrgänge auf die Normalqoute 70  zu  30 kommt, darf sie ab Sommer in den neuen fünften Klassen bis auf Weiteres „ausschließlich“ katholische Kinder aufnehmen. Ältere nicht katholische Schüler dürfen bleiben.

„Das überlebt die Schule nicht"

„Das überlebt die Schule nicht. Sie beschließen das Ende der Boni II“, bedauerte für die CDU Ratsherr Thomas Häntsch. Zuvor hatte der Vertreter der katholischen Gemeinden in Göttingen, Helmut Hanusch, bestätigt, dass das Bistum selbst eine Mindestanmeldezahl pro Jahr vorschreibe, um die Zukunft der Schule zu sichern. Rutschen die jährlichen Anmeldungen unter 54, müsse die Boni II aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden.

Um das zu verhindern, schlug die CDU/FDP-Fraktion eine Übergangregelung vor – unterstützt von den Linken und der Piratenpartei: Wenigstens im nächsten Schuljahr sollte die Schule in den neuen fünften Klassen die Quote von 70 zu 30 halten dürfen. Ein Vorschlag, den vorab auch Schuldezernent Siegfried Lieske schriftlich verteilt hatte, dann aber als „Denkanstoß“ wertete und während der Ratssitzung formal zurückzog. Darauf konterte Holger Welskop (CDU): „So kann man doch nicht mit der Schule und den Eltern umgehen.“ Zugleich räumte Lieske ein, dass Schule und Stadtverwaltung es versäumt hätten, rechtzeitig auf die übliche Quote hinzuarbeiten.

Sozialdemokrat Tom Wedrins hingegen betonte, dass die 70:30-Quote  keine willkürliche Ratsentscheidung sei, „sondern Gesetz“. Und wenn ein freier Schulträger unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten bestimmte Klassenstärken vorschreibe, „ist das seine Angelegenheit“, ergänzte Rolf Becker, Fraktionsvorsitzender der Grünen.