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Göttingen Sitzflächen der neuen Bänke in Göttingens Innenstadt aus Tropenholz
Die Region Göttingen Sitzflächen der neuen Bänke in Göttingens Innenstadt aus Tropenholz
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19:24 12.07.2013
Von Matthias Heinzel
Neue Sitzgelegenheiten mit Tropenholz statt Esche am Göttinger Leinekanal: Unten steht eine Bank, oben zwei.
Neue Sitzgelegenheiten mit Tropenholz statt Esche am Göttinger Leinekanal: Unten steht eine Bank, oben zwei. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Die Bänke waren nahe des Robert-Gernhardt-Platzes aufgestellt worden – zwei am Weg von der Reitstallstraße zum Platz, eine an der Sitztreppe zum Leinekanal.

Dass es sich bei dem verwendeten Material um Tropenholz handelt, entdeckte Öko-Aktivist und Anti-Tropenholz-Streiter Ludwig Pape. Aufgeschreckt durch eine entsprechende Tageblatt-Anfrage, forschte die Stadtverwaltung nach – und musste einräumen, gegen das Verbot verstoßen zu haben.

Allerdings unwissentlich, versichert Stadtsprecher Detlef Johannson. Die drei im Bereich des Leinekanals aufgestellten Bänke, sagt Johannson, „entsprechen dem Modell, das wir seit 2005 in den Seitenstraßen einsetzen“. Diese Bänke – immer das gleiche Modell vom gleichen Hersteller – seien in den Jahren 2005 bis 2007 für die Groner Straße, die Prinzenstraße und den Albanikirchhof in sogenannter Thermo-Esche, also wärmebehandelter Esche ausgeliefert worden.

Bei den städtischen Nachforschungen nach der Tageblatt-Anfrage sei nun herausgekommen, dass der Lieferant im Jahr 2009 das Material für Sitz- und Lehnflächen gewechselt habe, da sich das bisher verwandte Holz nicht bewährt hatte und schnell verwitterte. Johannson: „Dem Umstand wurde in der Fachverwaltung leider hinsichtlich der Beschlusslage in Sachen Tropenholz nicht ausreichend Aufmerksamkeit geschenkt.

Weitere 16 Bänke

Seitdem wurden die insgesamt 16 Bänke für weitere Innenstadtbaumaßnahmen in der Theaterstraße, in der Burgstraße, in der Barfüßerstraße und aktuell am Leinekanal in Jatoba beziehungsweise Kambala hergestellt. Dabei handelt es sich um FSC-zertifiziertes Tropenholz.“ FSC steht für Forest Stewardship Council, eine internationale Non-Profit-Organisation, deren Abkürzung als Siegel zur Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft dient.

Für die Umstellung hat die Stadt deshalb Verständnis, weil sich die zuvor verwendete Thermo-Esche als wenig witterungsresistent erwiesen habe. Johannson: „Dass der Lieferant die Umstellung wegen der besonders guten Qualität der Hölzer vorgenommen hat, ist nicht überraschend.

Die Stadtverwaltung hat mit der Verwendung zertifizierten Tropenholzes kein Problem, sieht allerdings natürlich auch, dass erstens eine solche Verwendung mit der Beschlusslage des Rates nicht in Einklang steht und zweitens deshalb Gesprächsbedarf über den künftigen Umgang mit zertifiziertem Tropenholz besteht.“

Nach Ende der Ferien, wenn ohnehin abschließende Beratungen über neue Sitzbänke für die Weender Straße nötig seien, so der Wunsch der Stadt, solle diese Diskussion neu geführt werden.

Greenpeace-Anfrage

„Auf keinen Fall Tropenholz“

Auf eine Anfrage von Greenpeace Göttingen zu der Probebank aus Tropenholz in der Weender Straße hatte der Fachdienst Stadt- und Verkehrsplanung der Stadt noch anders geantwortet:

Es werde für die Bestellung der Bänke auf keinen Fall Tropenholz zugelassen, wurde der Umweltschutzorganisation mitgeteilt.

Cornelia Harries von Greenpeace zeigte sich „erfreut“ über die Entwicklung, aber: „Wir werden gespannt beobachten, was nun weiter geschieht und sichergehen, dass sich die Stadt an ihre Versprechen hält.“