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Göttingen So wird das neue Kino in der Baptistenkirche in Göttingen heißen
Die Region Göttingen So wird das neue Kino in der Baptistenkirche in Göttingen heißen
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13:26 07.12.2019
Ein Kino in der Kirche: Lumière-Geschäftsführerin Telke Reeck auf der Empore des künftigen Arthouse-Kinos. „Méliès“ wird es heißen. Wie schon das Lumière nach einem französischen Filmpionier benannt. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Noch wird in dem ehemaligen Kirchengebäude gesägt, gehämmert und gebohrt, Stromleitungen gezogen, Podeste und Bühnen gezimmert. Aber Telke Reeck ist sehr zuversichtlich. Für März, so die Geschäftsführerin des Kinos Lumière, ist die erste Filmvorführung geplant. Wenn alles nach Plan läuft, sollen die Bauarbeiten im Februar abgeschlossen sein. Die Gewerke seien bestellt, sagt Reeck. Die Kino-Technik soll im Januar einziehen.

„Es soll ein komfortables Kino sein“

Dann werden etwas mehr als 100 Zuschauer im Saal und auf der Empore bei Kinovorführungen und anderen Veranstaltungen Platz finden. „Es soll ein komfortables Kino sein, in dem man sich wohlfühlen kann“, sagt Reeck. Die dafür auf den ein oder anderen Sitzplatz verzichtet hat, damit die Besucher nicht allzu dicht sitzen müssen.

Außer der Erneuerung von Leitungen für Heizung, Lüftung, Sanitär, Strom und Internet ist es die Raumakustik im neuen Kinosaal, die die Handwerker beschäftigt hat. Die „Gott anbetende“ Akustik einer Kirche mit all ihrem Hall, sei für ein Kino völlig ungeeignet. „Kino braucht es trocken“, sagt Reeck. Keinesfalls Hall. Inzwischen sind Wände und Balustrade abgedämmt. Ziel ist es, die historische, hölzerne Kastendecke, die inzwischen in den neuen Kinofarben Rot und Grau glänzt, ohne weitere Schalldämmung zu lassen.

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Französischer Filmpionier als Namenspate

Das neue Kino soll das zweite Standbein für das Göttinger Traditionskino Lumière an der Geismar Landstraße werden. Und weil schon das Lumière nach französischen Filmpionieren benannt worden ist, lag es für das neue Kino nahe, es dem Lumière gleichzutun. „Méliès“ soll es heißen.

Baustelle Baptistenkirche: In einem Anbau ist künftig das neue Kino-Foyer untergebracht. Quelle: Niklas Richter

Der Namenspate Georges Méliès gilt als Erfinder des „narrativen Films“ und der Stop-Motion-Filmtechnik. Mit „Die Reise zum Mond“ schuf er in Anlehnung an Jules Verne seinen bekanntesten Film und damit den ersten Science-Fiction-Film. 1902 drehte Méliès in Paris die Reise zum Mond. 1902 wurde in Göttingen die Baptistenkirche gebaut, die als Kino bald Méliès Namen trägt.

Und das ist nicht die einzige Zufälligkeit, die Reeck inzwischen entdeckt hat. So gibt es in Göttingens französischer Partnerstadt Pau mit dem „Cinéma Le Méliès ebenfalls ein nach dem Filmpionier benanntes Kino. Und: Auch dieses ist in einer ehemaligen Kirche untergebracht.

„Die Reise zum Mond“ von Georges Méliès

„Das Lumière soll etwas experimenteller werden“

Für beide Göttinger Kinos soll es „zwei klare Konzepte“ geben, sagt Reeck. Am neuen Standort werde es ein „gehobenes Arthouse-Kino“ geben, das gezielt Programm-Kino-Fans ansprechen soll. Deutlich alternativer soll es am alten Standort zugehen. „Das Lumière soll etwas experimenteller werden“, sagt Reeck. Über verschiedene Themen sollen vermehrt wieder Studierende angesprochen werden. „Wir wollen uns zusätzliches Publikum erarbeiten“, sagt Reeck.

30 Zuschauer pro Vorstellung benötige das Kino nach Reecks Angaben, um wirtschaftlich zu arbeiten. Das sei das Ziel für den neuen Kinostandort, um nicht auf Förderungen angewiesen zu sein. Für den Betrieb sollen „Synergiergieeffekte“ mit dem Lumière genutzt werden. Derzeit erhält das Lumière jährlich 180.000 Euro von der Stadt Göttingen

Große Spendenbereitschaft

200.000 Euro will das Lumière in das Méliès investieren. Die Hälfte sei gedeckt durch öffentliche Förderungen – etwa durch die Nordmedia und einen einmaligen Investitionszuschuss der Stadt Göttingen. Die andere Hälfte muss das Lumière stemmen – teils aus Eigenmitteln, teils aus Spenden. Die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung sei groß, sagt Reeck. „Der Zuspruch hat mich aus den Socken gehauen“, sagt sie. Außer vielen Kleinspendern habe es einen Göttinger Spender gegeben, der 20.000 Euro gegeben hat. Auch von der Volksbank sei ein großer Betrag geflossen.

Reeck hofft, dass mit dem neuen Kino und dem KAZ und dem Jungen Theater in der Nachbarschaft, die in der benachbarten ehemaligen Voigtschule Exil gefunden haben, eine „Kulturinsel“ entsteht. „Ein Kleinod, das die Stadt nicht wieder hergeben will“, sagt Reeck.

Geschichte und Pläne für die Kirche

1902 wurde mit dem Bau der Baptistenkirche an der Bürgerstraße begonnen. 425 Personen fanden darin einst Platz. 1984 zogen die Göttinger Baptisten in ihr neues Gemeindezentrum auf der gegenüberliegenden Straßenseite um. Die alte Kirche ging in den Besitz der Stadt über – im Tausch für das Grundstück. Einige Jahre war das Jugendzentrum in der maroden Kirche untergebracht. Viele Jahre bemühten sich die Filmkunstfreunde darum, das Gebäude zu übernehmen und als Programmkino herrichten zu können.

Im September 2017 beschloss der Rat der Stadt Göttingen den Verkauf an den Investor Gerhard Rocznik. Außer dem Kino wird es künftig in der ehemaligen Kirche ein Bistro und Café mit Blick auf den Göttinger Innenstadtwall geben – inklusive Küche und Außengastronomie. Darüber will Rocznik auf einer Gesamtfläche von etwa 350 Quadratmetern Wohnungen für Studenten integrieren. Der Kino- und Bistro-Zugang ist inzwischen an die rechte Südseite des Gebäudes verlegt worden. In einem 15 Meter langen und drei Meter breiten Anbau ist das Eingangsfoyer untergebracht. Parkplätze wollen Investor und Betreiber hinter der alten Kirche zum Wall hin anlegen.

 Etwa 1,2 Millionen Euro investiert Rocznik nach eigenen Angaben in das Projekt.

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Von Michael Brakemeier

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