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Göttingen Göttinger Waldorfschule unterhält Solidarfonds für Eltern
Die Region Göttingen Göttinger Waldorfschule unterhält Solidarfonds für Eltern
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15:30 05.07.2019
Die Präsentation ihrer selbst hergestellten Cajóns war am Mittwoch für diese Schüler der Freien Waldorfschule die letzte schulische Aktion, bevor es in die Sommerferien ging. Quelle: R
Göttingen

Lernen in einer Schularchitektur, die auf das Wohlbefinden von Kindern abzielt – das klingt interessant. Für die Eltern von 350 Kindern und Jugendlichen in und um Göttingen ist dieses Angebot so interessant, dass sie ihre Kinder in der Freien Waldorfschule Göttingen am Standort in Weende angemeldet haben, obwohl für den Lernort eine Gebühr fällig wird. In den folgenden Zeilen geht es noch einmal um die Frage, ob private Schulen in Deutschland elitäre Bildungsstätten sind, weil sich nur gut verdienende Eltern einen Schulplatz für ihr Kind leisten könnten. Das Tageblatt hatte das Thema in der Ausgabe vom 26. Juni aufgegriffen.

Solidarfonds für Eltern eingerichtet

Auch die Leitung der Freien Waldorfschule möchte sich zum Thema äußern. Auf die Frage, wie eine Bewerbung von Eltern abläuft, die ihr Kind an der Schule anmelden wollen, erläutert Schulleiter Christoph Hecht: „Zuerst gibt es einen Termin im Schulbüro.“ Hier werde das Thema Schulgeld selbstverständlich angesprochen und darüber eine Vereinbarung getroffen. Die Höhe variiere je nach dem Bruttoeinkommen der Eltern. Außerdem gebe es eine Geschwisterregelung. Das Schulgeld sinke entsprechend der Kinder, die ein Elternpaar beschulen lässt, sagt Hecht.

Durchschnittlich betrage das Schulgeld 220 Euro im Monat, der Mindestbeitrag liegt bei 60 Euro. Für einkommensschwache Eltern sei ein Solidarfonds eingerichtet worden. „Wir haben sogar einen eigenen Verein gegründet, um Eltern zu unterstützen. Auf das Konto dieses Vereins darf übrigens jeder gerne einzahlen“, macht Elternvertreterin Katharina Wyss gleich ein wenig Werbung in eigener Sache.

Bis zu 20 Prozent Gehaltsverzicht bei Pädagogen

Das Land Niedersachsen, hält der Schulleiter fest, gehöre zu den Bundesländern, die in Deutschland die niedrigsten Zuschüsse an freie Schulen zahlen. Zwischen 60 bis 65 Prozent der für den Betrieb der Waldorfschule anfallenden Kosten würden über staatliche Gelder gedeckt. Trotz des Schulgeldes der Eltern sei der Schulbetrieb nur möglich, „weil die Kollegen, verglichen mit dem Gehalt von Lehrern an staatlichen Schulen, auf Geld verzichten“. Auf wie viel? „Bis zu 20 Prozent“, sagt Hecht.

„Jede Waldorfschule“, betont Wyss, „ist von Eltern gegründet worden.“ Die Mutter von zwei Töchtern sagt, dass die vom anthroposophischen Menschenbild geprägten Waldorfschulen sich der Frage stellen, was die junge Generation angesichts der gesellschaftlichen Probleme in der Welt, wie etwa dem Klimawandel, braucht, um Antworten zu finden, um darauf vorbereitet zu werden. Waldorf sei wie ein Netzwerk, wie ein „warmer Bienenstock“, in dem versucht werde, „einer gewissen gesellschaftlichen Kälte“ ein Miteinander entgegenzusetzen. „Wir versuchen, es anders zu machen. Aber wird sind nicht elitär“, betont Wyss.

Rückkehr des Sachkostenzuschusses wäre hilfreich

Ein ganzes Schülerleben bleiben die Mädchen und Jungen in der Waldorfschule zusammen, das heißt von der 1. bis zur 13. Klasse. Alle staatlichen Schulabschlüsse sind möglich.

Übrigens: Die Freie Waldorfschule Göttingen besteht seit 40 Jahren. Zum runden Geburtstag ist am 21. September ein Festakt vorgesehen. Welchen Wunsch hat der Schulleiter für die Zukunft? „Wenn ich einen frei hätte, dann die 100-prozentige Finanzierung durch das Land. Dann bräuchten wir kein Schulgeld erheben. Wenn die Stadt Göttingen den vor 15 Jahren gestrichenen Sachkostenzuschuss wieder gewähren würde, wäre das auch schon sehr hilfreich.“

Von Ulrich Meinhard

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