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Göttingen Sparkasse Göttingen: AsF und Grüne fordern Frau an der Spitze
Die Region Göttingen Sparkasse Göttingen: AsF und Grüne fordern Frau an der Spitze
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21:52 23.03.2018
Wie wird der frei werdende Posten im Göttinger Sparkassenvorstand besetzt?
Wie wird der frei werdende Posten im Göttinger Sparkassenvorstand besetzt? Quelle: Hinzmann
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Göttingen

„Wir Grüne erwarten, dass die durch den Weggang von Herrn Schüller freiwerdende Position eines stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden bei der Sparkasse Göttingen mit einer Frau besetzt wird“, äußert der Vorsitzende der Grünen-Ratsfraktion, Rolf Becker, in einer Pressenotiz. Weiter heißt es dort: „Die bloße Bemerkung, man habe keine Frau finden können, darf heute nicht mehr gelten! Wer meint, keine geeignete Frau zu finden, hat nicht richtig gesucht. Wir erwarten von der Auswahlkommission und insbesondere den Vorsitzenden des Verwaltungsrates Herrn Landrat Reuter und Herrn Oberbürgermeister Köhler sowie dem Vorstandvorsitzenden der Sparkasse Herrn Hald, dass sie intensive Anstrengungen unternehmen, um qualifizierte Frauen dafür zu gewinnen, sich auf diese Position zu bewerben.“

Fachliche Eignung

Das „Gesetz über das Kreditwesen“ (KWG) regelt in Paragraf 25c Fragen zum Stichwort „Geschäftsleiter“. Dort heißt es unter: „Die Geschäftsleiter eines Instituts müssen für die Leitung eines Instituts fachlich geeignet und zuverlässig sein und der Wahrnehmung ihrer Aufgaben ausreichend Zeit widmen. Die fachliche Eignung setzt voraus, dass die Geschäftsleiter in ausreichendem Maß theoretische und praktische Kenntnisse in den betreffenden Geschäften sowie Leitungserfahrung haben. Das Vorliegen der fachlichen Eignung ist regelmäßig anzunehmen, wenn eine dreijährige leitende Tätigkeit bei einem Institut von vergleichbarer Größe und Geschäftsart nachgewiesen wird.“

Eine ähnliche Stoßrichtung hat eine Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) im Unterbezirk Göttingen, die von Katja Grothe, Dagmar Schlapeit-Beck und Amina Yousaf unterschrieben ist. Darin fordert Schlapeit-Beck: „Der Vorstand einer Sparkasse, im weitesten Sinne, eines kommunalen Unternehmens, darf nicht länger mit einer Quote 0 durchgehen. Jetzt besteht die überfällige Gelegenheit, eine Frau für den Vorstand zu gewinnen. Unternehmen mit öffentlicher Beteiligung haben eine Vorbildfunktion für die freie Wirtschaft. Wir fordern von den Privatunternehmen eine Quotierung bei Vorständen, das muss auch bei unserer Sparkasse möglich sein, zumal Frauen im Finanzsektor die Mehrzahl der Beschäftigten stellen. Die ASF erwartet von den Kommunalvertretern und -vertreterinnen im Verwaltungsrat die aktive Suche nach einer Frau für den Göttinger Sparkassenvorstand.“

Kommentar: Nicht nur fordern, auch fördern!

Christoph Oppermann Quelle: Christina Hinzmann

von Christoph Opperman

Schlimm genug, dass knapp 70 Jahre nach Verabschiedung des Grundgesetzes solche Forderungen wie die der Grünen und der AsF noch nötig sind. Bereits in der Urfassung heißt es in Artikel 3: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Dass das längst noch nicht Realität ist, weiß jeder. Aber statt zu fordern, was eigentlich längst Lebenswirklichkeit sein sollte, wäre es angezeigt, daran zu arbeiten, zügig Grundlagen zu schaffen und zielgerichtet zu fördern.

Kommunalpolitiker haben in der Regel keinen institutionellen Einfluss auf börsennotierte Unternehmen, sehr wohl aber auf Betriebe und Institutionen, denen die Kommunen als Anteilseigner oder Gewährsträger verbunden sind. Die Sparkassen gehören dazu. Es ist müßig, darüber zu diskutieren, warum bislang Frauenförderung in den Göttinger Sparkassen keine Rolle gespielt hat. Jetzt wäre ein hervorragender Zeitpunkt, damit zu beginnen. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt für ein Förderprogramm, um Frauen zu qualifizieren und zu ermuntern, sich für die erste und zweite Reihe zu bewerben. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt für eine politische Initiative, die aus dem Göttinger Rat und dem Kreistag kommen müsste. Wie das funktionieren kann, hat die Landessparkasse zu Oldenburg gezeigt. Bei der Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger für André Schüller wird das vermutlich keine Effekte mehr zeigen können, aber der Zeitpunkt ist bereits jetzt deutlich absehbar, wann die nächste Leitungsposition bei der Göttinger Sparkasse zu besetzen ist. Bis dahin muss für alle politischen Akteure in dieser Frage gelten: Nicht nur fordern, auch fördern!

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Interview: Frauen an der Sparkassen-Spitze? „Der Wunsch ist berechtigt.“

Wie wird die freiwerdende Stelle im Vorstand der Sparkasse Göttingen besetzt? Darüber sprach Christoph Oppermann mit Bernhard Reuter. Der Landrat des Kreises Göttingen ist derzeit auch Vorsitzender des Verwaltungsrates der Sparkasse Göttingen

Aktuell ist der Vorstand der Sparkasse Göttingen mit zwei Vorstandsmitgliedern besetzt. Einer davon geht spätestens zum 1. Oktober. Wie geht es mit dem Besetzungsverfahren weiter?

Der Verwaltungsrat hat am Montag (12. März 2018) mich als Vorsitzenden beauftragt, die Stelle eines Vorstandsmitgliedes auszuschreiben. Zugleich ist eine Personalkommission gebildet worden, die die Auswahlentscheidung nach Sichtung der Bewerbungen für den Verwaltungsrat vorbereitet.

Bleibt es bei einem Zweiervorstand?

In Absprache mit Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler habe ich der Verbandsversammlung einen Beschlussvorschlag für den 6. April unterbreitet, nach dem der Vorstand durch Satzungsbeschluss auf zwei Vorstandsmitglieder verkleinert wird. Der Kreistag hat die Mitglieder der Verbandsversammlung, die vom Landkreis delegiert sind, angewiesen, dieser Vorlage zuzustimmen. Meines Wissens liegt ein analoger Beschluss der städtischen Gremien vor, so dass ich davon ausgehe, dass die Satzungsänderung „Reduzierung auf 2 Vorstandsmitglieder“ beschlossen wird. Dies führt zu einer Kosteneinsparung von jährlich mehreren hunderttausend Euro, die ich vor dem Hintergrund Niedrigzinsen und steigendem regulatorischem Aufwand für geboten erachte.

Die Göttinger AsF sowie die Grünen im Rat der Stadt Göttingen fordern, den bei der Sparkasse Göttingen freiwerdenden Stellvertreterposten mit einer Frau zu besetzen. Will der Verwaltungsrat dem nachkommen?

Der Wunsch ist berechtigt, denn leider gibt es bundesweit nur sehr wenige weibliche Vorstandsmitglieder. Dabei hat beispielsweise Sparkassendirektorin Silke Korthals als Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Verden ihr Haus als eines der erfolgreichsten in Niedersachsen aufgestellt und ist als stellvertretende Landesobfrau eine herausragende Repräsentantin der Sparkassenorganisation. Deshalb würde ich mich über Bewerbungen von geeigneten Frauen sehr freuen. Gleichermaßen für Frauen wie Männer gilt § 25c KWG, der die Eignung von Geschäftsleiter*innen von Banken oder Sparkassen abschließend normiert.

Von Christoph Oppermann

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