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Göttingen Sparkasse Münden kündigt zugesicherten Millionen-Kredit
Die Region Göttingen Sparkasse Münden kündigt zugesicherten Millionen-Kredit
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15:41 24.03.2014
Von Jürgen Gückel
Grundsolides Geschäft in Not: Svenja und Riccardo Jahn in ihrer halbfertigen Produktionshalle am Werrahof in Hann. Münden.
Grundsolides Geschäft in Not: Svenja und Riccardo Jahn in ihrer halbfertigen Produktionshalle am Werrahof in Hann. Münden. Quelle: Hinzmann
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Hann Münden

Den Lieferanten einer Fertigunganlage können sie nicht bezahlen, die Anlage kann nicht fertiggestellt werden und produziert nicht. Aufträge brechen deshalb weg und Jobs sind gefährdet.

Die Sparkasse Münden hat ein zugesagtes, bereits rechtskräftig unterschriebenes Millionen-Euro-Darlehen ohne stichhaltige Begründung gekündigt. Deshalb kann eine Fertigungsanlage für Solarpaneele seit Monaten nicht produzieren. 15 eigens dafür eingestellten Mitarbeitern fehlt die Beschäftigung.

Klage gegen Sparkasse Münden

Vor dem Landgericht Göttingen ist eine Klage gegen die Sparkasse Münden wegen mutmaßlich rechtswidriger Nichtauszahlung des Darlehens anhängig. Weil das kommunale Kreditinstitut zwar den Kreditvertrag nicht erfüllt, andererseits aber die dafür gegebene Sicherungsübereignung in Anspruch nimmt und damit nicht nur den Ruf der Unternehmensgruppe schädigt, sondern mutmaßlich auch Untreue begeht, hat der Anwalt der Jahns, Reiner Füllmich aus Göttingen, Strafanzeige gegen den Vorstand der Sparkasse Münden erstattet.

Riccardo Jahns Holding mit den Töchtern Jahn Solar, Bax-thor und Werrahof, jeweils eine GmbH, ist ursprünglich in Reinhardshagen gewachsen. Dort wurde der Platz zu eng. 2011 zog das Unternehmen in den Werrahof, wo im November 2011 eine 999-kW-Fotovoltaikanlage in Betrieb ging, deren Ertrag als Sicherheit für den umstrittenen Kredit übereignet wurde. Jahn baut solche Anlagen ausschließlich aus deutschen Komponenten. Seit 2009 plant er eine eigene Produktion von Solarmodulen. Denn die Billig-Paneele aus China, so sagt er, seien zu 80, 90 Prozent bereits defekt, wenn sie aufs Dach kommen. Sie bringen, sagt er, nur einen Teil der möglichen Leistung.

Vertrag über eine Million Euro

Als dann sein Paneele-Lieferant in Erfurt ausfiel und ihm ein Unternehmen aus der Schweiz eine ursprünglich drei Millionen Euro teure Fertigungsanlage für ein Drittel des Preises anbot, suchte er eine Finanzierungsmöglichkeit. Bei der Sparkasse Münden waren die Jahns nach dem Umzug in die Stadt Kunden geworden, „weil wir lokal verbunden sein wollten“. Dort bot man ihnen auch das Darlehen an: erst einen Kontokorrentkredit, dann einen Vertrag über eine Million Euro.

Alle Details wurden besprochen, alle Sicherheiten vorgelegt. Ehe die Jahns am 7. Februar in der Schweiz den Kaufvertrag unterschrieben, sicherte ihnen ihr Bankberater telefonisch das Darlehen zu. Tage später wurde der Vertrag schriftlich beurkundet, die Sparkasse überwies die ersten 226 000 Euro.

Keine Begründung für Sinneswandel

Mitte Februar wurden weitere 520 000 Euro fällig. Doch plötzlich, der Bankberater war im Urlaub, behauptete die Sparkasse, der Vertrag sei gar nicht zustande gekommen. Das ist nachweislich falsch. Deshalb kündigte die Sparkasse nun mit der Behauptung, die Sicherheiten reichten nicht. Dabei waren die vorher geprüft. Eine Begründung, warum der Sinneswandel, haben die Jahns bis heute nicht – und erfuhr auch das Tageblatt nicht.

Immerhin wollen nun andere Banken einspringen. Der Lieferant zeigt Geduld. Der Schaden durch Produktionsausfall, geplatzte Aufträge und Rufschaden, so rechnet Füllmich vor, gehe in die Hunderttausende – er werde bei der Sparkasse eingeklagt.

► Kommentar: Schatten auf Solarbranche

Die EU bremst China durch Strafzölle auf Solarpaneele zu Dumpingpreisen. Deutschland setzt für die Energiewende weiter auf Fotovoltaik.

Niedersachsen unterstützt die kriselnde Branche, wo es nur kann. Der Landkreis hat die Sonne in seinem Klimaschutzkonzept fest eingeplant. Und die Sparkasse Münden? Sie stellt einem grundsoliden Unternehmen der Branche ein Bein und verhindert neue Arbeitsplätze, künftige Gewerbesteuereinnahmen für Münden und die Chance, dass sich ein auf deutsche Qualitätsarbeit spezialisiertes Unternehmen seine Nische im weltweiten Kampf um Fotovoltaik-Anteile sichert.

Dabei sind doch gerade die kommunalen Kreditinstitute so stolz darauf, dass sie die heimische Wirtschaft unterstützen.

Gewiss: Niemandem wäre gedient, wenn die Investition in den Ruin führt, weil die Branche zusammenbricht. Dieses Risiko aber trägt zuerst der Unternehmer. Wenn die Sparkasse es nicht hätte mittragen wollen, hätte sie den Vertrag nie eingehen dürfen.

Am Kreditausschuss, der bei der unter scharfer Beobachtung stehenden Mündener Sparkasse mitentscheidet, hat es diesmal nach Tageblattinformationen nicht gelegen.

Woran dann? Wenigstens dem Unternehmer sollte man das sagen, ehe man ihn durch zugedrehten Geldhahn ruiniert.

Jürgen Gückel