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Göttingen Sparkasse stoppt Betrug mit Kartenlesegeräten
Die Region Göttingen Sparkasse stoppt Betrug mit Kartenlesegeräten
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20:07 08.11.2011
Von Jürgen Gückel
Nicht ungefährlicher Bezahlvorgang: Mit EC-Karte und Pin an der Kasse im Super- oder Baumarkt. Quelle: Martensteiner
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Göttingen

Allein bei der Sparkasse Göttingen konnten binnen eineinhalb Tagen 120 Opfer identifiziert werden. Der Schaden beträgt etliche zehntausend Euro. Durch manipulierte Kartenlesegeräte an den Kassen des Marktes gelangten die Gangster sowohl in den Besitz der Kundendaten als auch der persönlichen Identifikationsnummern (Pin).

Dass der Schaden nicht noch höher ausfällt, ist der sorgfältigen Überwachung von Bankabhebungen im Ausland durch die Sparkasse zu verdanken. Dort war am Montagmorgen aufgefallen, so Vorstand Michael Rappe, dass gehäuft Geldabhebungen aus Mexiko und den USA erfolgten. Sofort seien Konten überprüft und Kunden befragt worden. Bereits drei Stunden später war klar: ein riesiger Betrugsfall, der sofort dem zentralen Sicherungsinstitut der Kreditwirtschaft gemeldet wurde. Ab 13 Uhr, so Sparkassen-Direktionsleiter Stefan Ehmer, seien betroffene Kundenkonten gesperrt worden. Bis zu diesem Zeitpunkt waren von Konten von 80 Kunden Barauszahlungen von jeweils bis zu 500 Euro erfolgt. Dienstagmittag waren es 120 Konten. Alle Betroffenen, so Rappe, würden von der Sparkasse entschädigt.

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Opfer sind Kunden, die im Edekamarkt an der Weender Landstraße in der Zeit zwischen 10. Oktober und 4. November mit EC-Karte bezahlt haben. Mehrere Kartenlesegeräte müssen in dieser Zeit manipuliert worden sein, so dass sie Bankdaten und Pin speicherten. In der Nacht zum 5. November wurden die Geräte bei einem Einbruch gestohlen. Nur eineinhalb Tage später begannen Abhebungen mit Kartendoubletten in USA und Mexiko.

Die Polizei meldete den Betrugsfall gestern und empfahl, sich Datenlesegeräte vor Nutzung genau anzusehen. Das allerdings dürfte in den aktuellen Fällen Aufgabe der Märkte sein, in denen Geräte manipuliert wurden. Alle Fälle – Parallelen soll es in Kassel, Osnabrück, Lübeck geben – betrafen Edeka-Filialen. Eine Stellungnahme der Zentrale Melsungen gibt es trotz Anfrage nicht.

Skimming-Technik nun auch im Supermarkt

Das so genannte Skimming, die Manipulation von Bankautomaten durch aufgesetzte Tastaturen, die Kartendaten und Pin speichern, ist von Gaunern fortentwickelt worden. Weil Banken ihre Geldautomaten weiter gesichert haben, weichen die Täter an die Supermarkt-Kasse aus. Dort manipulieren sie die EC-Terminals durch Zusatz von Speichergeräten. Später werden die Kartenlesegeräte gestohlen und die Daten zur Geldabhebung eingesetzt. Die von der Polizei herausgegebenen Hinweise, wie Manipulationen zu erkennen sind, helfen wenig, denn an der Supermarktkasse bekommt kaum ein Kunde die Chance, die Bezahlgeräte zu inspizieren.