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Göttingen Das hat Schalke-Boss Tönnies in der Göttinger Innenstadt vor
Die Region Göttingen Das hat Schalke-Boss Tönnies in der Göttinger Innenstadt vor
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19:15 09.07.2018
Der Gebäudekomplex der Sparkasse an der Weender Straße wird von der HT-Group aus Hildesheim übernommen und entwickelt. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Der Verwaltungsrat der Sparkasse Göttingen hatte am 20. Juni einstimmig beschlossen, den Gebäudekomplex an die HT-Group zu verkaufen – dem Vernehmen nach für 31,5 Millionen Euro. Im Herbst soll die Zentrale der Sparkasse Göttingen in einen Neubau an der Groner Landstraße umziehen. Die HT-Group als neue Eigentümerin der City-Immobilie will nun die Entwicklung des neuen Quartieres angehen. Bei dem Unternehmen handelt es sich um eine Tochtergesellschaft der Hanseatic Group und der Asset Immobilien Group. Letztere gehört zum sogenannten „Family Office“ der Familie Clemens Tönnies. Mit diesem wiederum arbeitet Hanseatic auch zusammen, um gemeinsam mit der Lindner-Hotelgruppe eine neue Hotelmarke namens „me and all“ zu etablieren.

Erst Kassel, jetzt Göttingen

„Wir freuen uns, dass unser Vorschlag auf so viel positive Resonanz gestoßen ist und darauf, die Herausforderung gemeinsam mit der Stadtverwaltung, der Politik und den Bürgern zu meistern“, sagt Christian Beilicke, CEO der ebenfalls in Hildesheim sitzenden, inhabergeführten Hanseatic Holding GmbH. Diese ist seit 1993 im Immobiliengeschäft tätig und hat beispielsweise im Herbst 2017 das Einkaufszentrum Königs-Galerie in der Kasseler Innenstadt übernommen. Seit ihrer Gründung hat die Hanseatic Group nach eigenen Angaben bisher mehr als 330 Projekte mit einem Transaktionsvolumen von mehr als 2,5 Milliarden Euro verwirklicht. Sie setze dabei auf „innovative Immobilienkonzepte“ – unter anderem für die Bereiche Hotel, Wohnen und Handel.

„Viel Fingerspitzengefühl nötig“

Im Hinblick auf das bisherige Sparkassen-Areal in der Göttinger Innenstadt betont Beilicke: „Unser Ziel ist es, ein gut funktionierendes Quartier zu entwickeln und es in unserem Bestand zu halten.“ Es handele sich um ein „tolles Objekt in hervorragender Lage“. Die wichtigste Anforderung für den prominenten Standort in der Göttinger City sei es nun, die Belebung der Innenstadt durch einen guten Mix aus Einzelhandel, Gastronomie und Wohnen sicherzustellen. Die Entwicklung des Quartiers erfordere viel Fingerspitzengefühl – auch im Hinblick auf den teils denkmalgeschützten Immobilienbestand in der historischen Innenstadt. Über einen noch zu schaffenden Bebauungsplan werde eine städtebauliche Entwicklung des gesamten Areals möglich.

Übergangslösung angedacht

Bis zur Realisierung des neuen Standortkonzeptes, das nach Tageblatt-Informationen etwa 80 Wohneinheiten, einen kleinere Sparkassen-Filiale und mehrere Einzelhandelsflächen verschiedener Größe vorsieht, werde es laut Beilicke eine Übergangsnutzung geben. Dadurch soll gewährleistet werden, dass in der 1A-Lage kein vorübergehender Leerstand entsteht. Wie diese Übergangsnutzung genau aussehen könnte, verrieten die Investoren bisher allerdings nicht.

Zur Person: Clemens Tönnies

Der aus Rheda-Wiedenbrück (Landkreis Gütersloh) stammende Unternehmer Clemens Tönnies (62) ist Fußballfreunden vor allem als Aufsichtsratsvorsitzender des Bundesligisten FC Schalke 04 bekannt. Zusammen mit seinem Bruder Bernd, der sich als Präsident ebenfalls für die „Königsblauen“ engagierte, baute Tönnies in den 1970er-Jahren einen Fleisch- und Wurstwaren-Großhandel auf, der aus einem elterlichen Kleinbetrieb hervorgegangen war. Nach und nach wuchs das Unternehmen und wurde zu Deutschlands größtem Schweine-Schlachtbetrieb und zu einem der größten Fleischproduzenten Europas. Bernd Tönnies verstarb 1994 im Alter von 42 Jahren; fortan widmete sich Clemens Tönnies auch anderen Geschäftsfeldern. So führen er und seine Familie heute unter anderem die Asset Immobilien Group – eine der beiden Muttergesellschaften der Hildesheimer HT-Group, die das Areal der bisherigen Sparkassenzentrale in der Göttinger Innenstadt erworben hat. In die Schlagzeilen geriet der Selfmade-Milliardär mehrfach wegen vermeintlich schlechter Arbeitsbedingungen, der mutmaßlichen Videoüberwachung von Mitarbeitern und verschiedener Ermittlungsverfahren. 2016 konnte das Bundeskartellamt eine Strafe über 128 Millionen Euro wegen erwiesener Preisabsprachen nicht eintreiben, weil die beiden betroffenen Tönnies-Tochterfirmen vor der Zustellung der Bußgeldbescheide liquidiert worden waren.

Korrektur-Hinweis: In der ersten Fassung dieses Artikels war anstelle von „Ermittlungsverfahren“ der Begriff „Strafverfahren“ zu lesen. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Von Markus Riese

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