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Göttingen Spaziergang durch die Dorfgeschichte
Die Region Göttingen Spaziergang durch die Dorfgeschichte
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19:27 19.03.2012
Von Jürgen Gückel
Spaziergang auch in die Gärten: Wolfgang Greber informiert über das Herrenhaus des ehemaligen Rittergutes.
Spaziergang auch in die Gärten: Wolfgang Greber informiert über das Herrenhaus des ehemaligen Rittergutes. Quelle: Gückel
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Groß Schneen/Friedland

Ein Spaziergang durch die Geschichte des Dorfes Groß Schneen war es. Solche Spaziergänge soll es, ginge es nach den Initiatioren, bald in allen Dörfern der Gemeinde mit den jeweiligen Heimatpflegern geben.

Die Idee ist einfach: Da treffen sich alle, die ihr oder das Nachbardorf kennen lernen wollen oder selbst über die Geschichte ihrer Heimat etwas beizusteuern haben, mit dem Ortsheimatpfleger zum Spaziergang. Dann geht es – wie jetzt in Groß Schneen – schlendernd durchs Dorf, und jeder berichtet, was ihm zu dieser oder jener Straße, den alten Häusern oder Höfen, dem Teich, dem Denkmal oder dem Thie so einfällt. Der Heimatpfleger informiert über den historischen Hintergrund, und wenn es gut geht, dürfen die Spaziergänger auch in private Gärten und an jene Orte, die nicht immer öffentlich sind.

Barocker Fachwerkbau saniert

So wie jetzt in Groß Schneen im Garten der Familie von Hugo. Sie haben das Herrenhaus des ehemaligen Rittergutes, ein barocker Fachwerkbau aus dem 18. Jahrhundert, saniert. Gleich nebenan steht das wohl älteste Gebäude des Dorfes, das alte Pfarrhaus der einstigen Oberkirche. Wo diese Nikolaikirche stand, von der nur die Grundmauern blieben, lernen die Spaziergänger auch: dort, wo heute das Kinderhaus steht. Und wo die Zehntscheune einst ihren Standort hatte, das hat der, der eigentlich selbst am meisten informieren wollte, auch gelernt: in Höhe des heutigen Feuerwehrhauses.

„Ich wusste doch, ich kann mehr lernen, als ich hinbringe“, kommentiert Greber die Beiträge der Älteren. Sie erinnern sich, wie sie als Kinder auf heute verschwundenen Höfen spielten oder wie die Patronatskirche, die seit den 30er Jahren nicht mehr genutzt wurde, etwa um 1970 abgerissen wurde. Und sie denken mit Grausen an den Splitterbunker in von Hugos Garten, wo das ganze Dorf im Krieg Schutz suchte.

Erste Flurbereinigung

Dass es nicht nur Erinnerungen sein müssen, die man beisteuert, zeigte beim ersten Dorfspaziergang Fritz Grewe. Er hatte Pläne von 1856 mitgebracht, Aufzeichnungen der ersten Flurbereinigung. Sie markieren den Übergang von der strikten Drei-Felder-Wirtschaft mit Flurzwang, wegen der sich alljährlich alle Bauern auf dem Thie über die Erntereihenfolge einigen mussten, zur modernen Landwirtschaft mit „verkoppelten“ Feldern. Wie wichtig dieser Übergang von kleinen Ackerstreifen zu großen Feldern war, das konnte Grebe mit Verweis auf die riesigen Scheunen im Dorf demonstrieren, die alle nach 1880 entstanden sind.