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Göttingen Natur durch die Brille des Jägers betrachten
Die Region Göttingen Natur durch die Brille des Jägers betrachten
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17:00 27.04.2019
Jäger Thilo Immel (2.v.r.) spricht über Wildschweine. Quelle: Böhm
Esebeck

Natur und Kulturlandschaft „durch die Brille des Jägers“ betrachten war das Motto des Spaziergangs, zu dem sich am Sonnabendvormittag rund 40 Neugierige ausgestattet mit festem Schuhwerk einfanden. Bereits im vergangenen Jahr hatten Michael Corsmann von der Göttinger Jägerschaft, Thilo Immel, Pächter der Jagd in Esebeck, und Ursula Fünfschilling, die ebenfalls in Esebeck jagt, eine solche Tour organisiert.

Vor einigen Jahren habe er so eine Art Initialzündung gehabt, berichtet Immel. Er sei mit seinem Gewehr unterwegs gewesen zu seinem Hochsitz. Zwei junge Leute hätten ihn auf das Gewehr angesprochen. Im Gespräch mit den beiden –für das er das abendliche Ansitzen sausen ließ –habe er gemerkt, wie wenig „die Menschen eigentlich über uns Jäger wissen“. Irgendwie sei der Kenntnisstand in den 1970ern Jahren stehen geblieben, als der Journalist Horst Stern die Jäger wegen des Kultes um das Geweih angeprangert hatte. Seitdem bemühe er sich, möglichst vielen Menschen nahe zubringen, was Jäger eigentlich machen.

Proteine als Nachspeise

Die kleine Gruppe läuft zunächst ein Stück durch die Feldmark, erste Anmerkungen gibt es zu den Hecken und den Vögeln, die hier drin stecken könnten. Der Biologe und Obmann für Naturschutz der Jägerschaft Göttingen, Corsmann, assistiert. Goldammer und Dorngrasmücke seien typisch in solchen Hecken. „Und der Zaunkönig?“, fragt jemand. Eher nicht, der brauche „auch Totholz in seinem Lebensraum“ und der habe es gern unaufgeräumt. Macht ihn sympathisch, findet Corsmann.

Ein Stück weiter wachsen auf den Feldern Weizen und Grünfutter heran. Immel zeigt Dellen und flache Stellen. „Hier waren Schweine“ sagt er, Wildschweine natürlich. „Die liegen auch jetzt dort im Wald“. Die Wildschweine suchen unter dem Gras nach Engerlingen und Insekten. Diese Proteine seien sozusagen ihre „Nachspeise“, wenn sie sich an Bucheckern und Eicheln satt gefressen haben.

Revier markieren

Die Suche nach den Leckerbissen hinterlässt Schäden in den Feldern, auf die der Jagdpächter achten muss. Zunächst könne Getreide wieder aufgestellt werden, herausgerissene Grassoden wieder eingetreten. Werden die Schäden für die Landwirte zu groß, muss der Jagdpächter einige Wildschweine schießen. Vertreiben lassen sie sich zeitweilig. „Wie?“ Beispielsweise energisch drauf zu gehen, so Immel. Auch wenn einige ungläubig schauen, „das Wildschwein hat Angst vor dem Menschen“ versichert der Jäger.

Bis zu 20 Rehe darf Immel pro Jahr in seinem Jagdrevier schießen, auch damit es nicht zu viel Wildverbiss gibt. Momentan sind die Rehböcke damit beschäftigt, ihr Revier zu markieren. Sie „plätzen“ , ein freigeschobener Bereich werde markiert, durch das Reiben der Stirnlocken werden Duftstoffe freigesetzt. Einen Platz zeigt Immel der Gruppe am Waldrand, in der Nähe auch die typischen Abreibspuren an einigen Zweigen.

Kolkraben und Wildkatzen

Bevor der informative Rundgang bei Wildgulasch und Suppe im Hause Immel endet, geht es noch an Wasserlöchern und Standorten von Türkenbundlilien vorbei, spricht der Jagdpächter über Feldhasen, Kolkraben, Wildkatzen und den Luchs, der inzwischen wieder häufig in der Region gesichtet wird.

Von Christiane Böhm

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