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Göttingen Spechte schon aktiv, Zaunkönig ruft nicht mehr
Die Region Göttingen Spechte schon aktiv, Zaunkönig ruft nicht mehr
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20:33 29.03.2010
Opfer des kalten Winters: Viele Zaunkönige haben die harten Wintermonate nicht überlebt. Quelle: Beyer
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Einen Blick auf die Stadt aus der Vogelperspektive bietet Dörrie auf fast 180 Seiten. Mit 101 Vogelarten auf 116 Quadratkilometern Fläche liege Göttingen im Landesschnitt, sagt der Vogelkenner. Gegen Städte wie Osnabrück (93 Arten) und Hannover (95 Arten) schneide das südniedersächsische Mittelzentrum recht gut ab.

Dörries Beobachtungen der heimischen Vogelwelt stützen sich auf eigene Untersuchungen und Erfassung der Brutvogelarten aus dem Jahr 2006 durch Mitglieder des Arbeitskreises Göttinger Ornithologen, die Kartierung und Recherchen unterstützt und auch Fotografien zur Verfügung gestellt haben. Im Vergleich dazu stehen Erfassungen aus den Jahren 1948 und 1965. In einer Minibilanz stellt Dörrie fest, dass sich in Göttingen Aus- und Abwanderungen ungefähr die Waage hielten. Verschwunden sind Arten wie Zwergdommel, Kiebitz, Braunkehlchen und Dohle. Zugewandert sind unter anderem Haubentaucher, Graureiher, Wanderfalke, Türkentaube und Nilgans. Letztere lebt unter anderem im Levin-Park und bringt einen Hauch Exotik mit nach Südniedersachsen. Der große Vogel stammt ursprünglich aus Afrika.
Dörrie stellt die Stadtvögel in ihren Lebensräumen vor, die sich im Frühjahr nach und nach wieder bevölkern. In der Abteilung Wasser- und Feuchtgebiete-Vögel spielen am Kiessee beispielsweise Schnatter- und Löffelente sowie Lachmöwen Frühjahrsboten: „Die ziehen aus dem Rückflug von ihren Winterquartieren durch und machen dort Rast“, sagt der Ornithologe.
Auch kleinere Heimkehrer aus anderen Lebensbereichen zieht es zurzeit an die Göttinger Gewässer, „wegen der großen Ansammlungen von Insekten.“ So ist der Zilpzalp, der besonders gern auf dem Kerstlingeröder Feld brütet, dort anzutreffen. Auch die Rauchschwalbe als Mitglied der Interessengemeinschaft Höhlen-, Halbhöhlen- sowie Gebäudebrüter und Bewohner der ländlich geprägten Ortsteile geht am Kiessee auf Nahrungssuche. In den Waldgebieten habe die Balz von Kleibern und Spechten begonnen, im Stadtgebiet brüteten Amseln und Ringeltauben, „beides extrem angepasste Arten“.

Einigen Vögeln hat der kalte, schneereiche Winter heftig zugesetzt. Schlimm steht es laut Dörrie für die Schwanzmeisen, „da befürchten wir große Verluste“. Auch der normalerweise unüberhörbar laute Zaunkönig mache sich bislang rar, „wenn man den im Winter nicht hört, ist Schaden zu befürchten. Nur tote Zaunkönige singen nicht“. Wahrscheinlich, sorgt sich Dörrie, hätten im Stadtgebiet nur wenige Vögel überlebt.

Das Buch „Göttingens gefiederte Mitbürger – Streifzüge durch die Vogelwelt einer kleinen Großstadt“ (ISBN 978-3-924781-58-3) von Hans-Heinrich Dörrie ist im Buchverlag Göttinger Tageblatt erschienen. Es kostet 14,80 Euro.

Von Katharina Klocke

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