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23:23 22.07.2016
Die Familie von Tarek A. (Mitte) harrt immer noch in einem Flüchtlingslager in der Türkei aus.
Die Familie von Tarek A. (Mitte) harrt immer noch in einem Flüchtlingslager in der Türkei aus. Quelle: r
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Göttingen

Eine Übersetzerin hilft bei der Verständigung. 3000 Euro benötige die Organisation für eine Zusammenführung, sagt Sascha Schießl, Mitglied der Flüchtlingshilfe. Zwei Familien haben die Helfer auf diesem Weg bereits wieder vereint. Die jüngste Zusammenführung gelang am vergangenen Sonntag: „Wir hatten alle Freudentränen, da konnten wir uns auch nicht zurückhalten“, sagt Schießls Kollegin und ehrenamtliche Helferin Lena Hennig. Das gleiche wollen sie nun für Tarek A. erreichen.

Dem Erdboden gleich

Sie hätten in Aleppo „mit der ganzen Familie“ in einem Haus gelebt, erzählt der 39-Jährige. „Es war alles sicher“, erinnert er sich und sagt: „Wir haben uns wohl gefühlt.“ Im Sommer 2013 stand Aleppo durch Raketenangriffe der Syrische Armee jedoch so stark unter Beschuss, dass Tarek A. die Angst seiner Kinder nicht mehr ertrug. Die Familie floh in die Türkei. Die syrische Stadt sei heute dem Erdboden gleich gemacht, sagt er.

„Ich dachte, die Flucht dauert sechs bis sieben Monate, vielleicht ein Jahr“, erzählt der 39-Jährige und ergänzt: „Ich habe nie gedacht, dass es dreieinhalb Jahre dauert.“ Seine Familie und er retteten sich zunächst in ein Flüchtlingslager nahe der syrischen Grenze. In dem Lager leben rund 20 000 Menschen, es gibt ein Zelt pro Familie. In den Zelten herrschten teils Temperaturen von weit mehr als 46 Grad, erzählt Tarek. Anfangs seien sie „glücklich und traurig zugleich“ gewesen. „Glücklich zu leben, traurig das Land verlassen haben zu müssen“, erzählt der Vater von vier Kindern.

Da die Familie nicht viel Geld hatte, beschlossen sie, dass Tarek vorerst alleine weiterziehen solle. „Es ist nicht so einfach, die Reise ist gefährlich“, sagt der 39-Jährige. Aus der türkischen Stadt Izmir sei er mit einem Boot über das Mittelmeer nach Griechenland gelangt. Von dort aus schaffte er letztendlich die Flucht nach Deutschland. Seit mehr als einem Jahr lebt er nun im ehemaligen Gebäude der Voigtschule an der Bürgerstraße in Göttingen. „Es ist besser als nichts“, sagt er und ist froh über die sichere Unterkunft. Seine Frau und seine Kinder hat er seit mehr als einem Jahr nicht gesehen.

Termine nur gegen Geld

„Man kann nicht schlafen, es geht einem schlecht und man ist niedergeschlagen“, antwortet Tarek A. auf die Frage, wie es ihm ohne seine Familie gehe. Seine Hoffnung sei „nicht so groß“, dass die Überführung seiner Familie nach Deutschland klappt. Aber wenn doch, dann möchte er „auf jeden Fall in Deutschland bleiben, damit meine Kinder eine richtige Bildung bekommen“.

Schießl erklärt, das Spendengeld würde vor allem für die Beschaffung der Dokumente benötigt. In vielen Fällen bekomme man Botschaftstermine nur gegen Geld. Wer kein Geld habe, der warte bis zu 17 Monaten auf einen Termin und damit auf die wichtigen Dokumente, sagt Schießl. 3000 Euro für ein ganzes Familienglück, der monetäre Wert erscheint dagegen verschwindend gering.

Wer für Tarek A. und seine Familie spenden möchte, kann dies auf der Internetseite betterplace.org tun oder sich per E-Mail an fhvoigtschule@gmx.de bei der Gruppe der Flüchtlingshilfe melden.

Von Yannick Höppner