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Göttingen Spender für zwei krebskranke Väter gefunden
Die Region Göttingen Spender für zwei krebskranke Väter gefunden
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19:11 05.01.2011
Von Kuno Mahnkopf
Quelle: Tietzek/EF
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„Mehr als erleichtert“ über gleich zwei Spender mit 100-prozentiger Übereinstimmung ist Dirk Engelke. Obwohl es noch Unwägbarkeiten gibt, blickt der 41-Jährige im Göttinger Klinikum ebenso wie seine Frau Nelli optimistisch nach vorne. „Wir sind total glücklich“, freut sich Astrid Rakebrand von der Eichsfelder Initiativgruppe, die mit der Knochenmark- und Stammzellenspenderdatei Göttingen (KMSG) die Typisierungsaktion am 12. Dezember im Dorfgemeinschaftshaus Wollbrandshausen organisiert hat.

Bei der Typisierung der dort abgegebenen 1211 Blutproben hatte sich ebenso wie bei den mehr als 100 via Post eingegangenen Proben zunächst ein möglicher Spender gefunden. Bei der weiteren Untersuchung stellte sich aber heraus, dass beide Ergebnisse nicht zu Engelke passten. „Für die Blutstammzelltransplantation muss alles passen, die HLA-Klasse-1 (Human Leukocyte Antigen) und bei der Nachuntersuchung die HLA-Klasse-2“, sagt KMSG-Leiter Hans Neumeyer. Seine Erwartung, dass nach zwei Erst-Übereinstimmungen bereits bei der regionalen Typisierungsaktion weitere passende Spender unter den vier Millionen im deutschen Zentralregister gefunden werden können, hat sich jetzt bestätigt. Parallel zur Typisierungsaktion war die Suche im Zentralregister angelaufen. Nachdem dort zwei in allen Punkten passende Spender gefunden wurden, geht es jetzt um den Spender, dessen Immunsystem für den Patienten am besten geeignet erscheint.

Das Bangen geht aber noch weiter. Das weitere Vorgehen hängt von den Blutwerten ab, vor der Transplantation erfolgt möglicherweise eine weitere Chemotherapie. Wenn keine Infektion dazwischenkommt, kann in wenigen Wochen transplantiert werden – voraussichtlich Anfang Februar. Dabei wird das gesamte blutbildende System des Patienten durch das des Spenders ersetzt, selbst die Blutgruppe kann wechseln. Ob der Körper das Transplantat annimmt, steht wiederum erst nach mehreren Wochen fest. Wer der Lebensspender ist, bleibt anonym. Ein persönlicher Kontakt zwischen Spender und Patient ist in Deutschland frühestens nach zwei Jahren möglich. Aus Datenschutzgründen wird der Austausch über das zentrale Knochenmarkspender-Register und die Kliniken vermittelt. Voraussetzung für einen Direktkontakt ist das schriftliche Einverständnis beider Beteiligter.

Zur Abdeckung der Kosten für die Typisierungsaktion im Eichsfeld, deren Ergebnisse jetzt anderen Betroffenen helfen können, ist bereits eine große Summe zusammengekommen. Dankbar sind Familie Engelke und die Initiativgruppe über die breite Unterstützung aus der Region. Besonders erfreut ist Christian Kohlrautz von der Initiativgruppe über die Bereitschaft gerade vieler junger Leute, sich nicht nur typisieren zu lassen, sondern auch Geld zu spenden.

Wie erst gestern Abend bekannt wurde, ist offenbar auch für den an Leukämie erkrankten Familienvater und Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt Rosdorf, Dirk K. (43), ein potenzieller Knochenmark-Spender gefunden worden. Nähere Einzelheiten waren gestern noch nicht bekannt.