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Göttingen Bahnreisende fühlen sich überwiegend gut informiert
Die Region Göttingen Bahnreisende fühlen sich überwiegend gut informiert
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20:26 11.06.2019
Reisende steigen in einen ICE in Richtung Hannover ein, dessen Fahrt derzeit länger als sonst dauert. Quelle: Hinzmann
Göttingen

 Seit Dienstag wird die ICE-Strecke zwischen Göttingen und Hannover erneuert. In den kommenden sechs Monaten bis Sonnabend, 14. Dezember, müssen sich Pendler auf der Strecke auf Behinderungen einstellen. In diesem Zeitraum sollen Gleise, Weichen und Schwellen erneuert werden. Da die Züge während der Bauarbeiten über die sogenannte Leinetalstrecke umgeleitet werden, verlängert sich die Fahrzeit um 30 bis 45 Minuten.

Blick auf die Anzeigetafel im Göttinger Bahnhof. Quelle: Hinzmann

Am Bahnhof Göttingen finden Reisende, die bislang noch nicht über die Arbeiten auf der ICE Strecke informiert sind, nur wenig Informationen, darüber, dass es Veränderungen gibt. Auf den großen Informationstafeln am Eingang können Sie aber sehen, dass die ICEs in Richtung Norden nicht wie sonst üblich auf Gleis zehn, sondern auf Gleis vier abfahren. „Ich habe mich vorher informiert, welche Auswirkungen die Sperrung für mich hat“, berichtet Gisela von Oertzen aus Celle, die ihre Schwester in Göttingen besucht hat. Die Verlängerung der Fahrzeit sei für sie kein Problem, da sie keinen Zeitdruck habe. „Hauptsache der Zug hält in Celle“, sagt sie. Helga Kruse ist nach eigenen Angaben bereits beim Fahrkartenkauf darauf aufmerksam gemacht worden, dass es bei der Fahrt aufgrund von Bauarbeiten eine Verlängerung der Fahrzeit gebe. „Das steht sogar direkt auf der Fahrkarte“, sagt die Wunstorferin.

Früh genug informiert

Gisela von Oertzen Quelle: Hinzmann

Aus ihrer Sicht sei häufig genug über die bevorstehenden Arbeiten informiert worden, sodass jeder, der mit der Bahn reise, darüber Bescheid wissen müsse. „Wer von nichts weiß, der ist selbst schuld“, findet sie. Bei von Oertzen hingegen findet sich auf der Fahrkarte kein Hinweis auf die verlängerte Fahrzeit. Sie vermutet, dass dies damit zusammenhängt, dass sie für die länger geplante Fahrt ein Sparangebot mit Zugbindung gebucht hat.

Ein Fahrgast, der zwar nicht von der Sperrung betroffen war, hatte sich nach eigenen Angaben bereits vergangene Woche erkundigt, ob die Arbeiten auch auf seine Linie, den RB 85, Auswirkungen hat. „Nach Angaben einer Schaffnerin soll es hier keine Probleme geben“, sagt der Reisende, der nicht namentlich genannt werden möchte. Dennoch gebe es auch für Bahnreisende, die nicht mit dem ICE, aber auf der jetzigen Ausweichstrecke unterwegs seien, einiges zu bedenken. „Die Regionalzüge fahren ja jetzt auch zum Teil anders, und da muss man schon gucken, ob man dann einen direkten Anschluss hat oder wie lang eventuelle Wartezeiten sind“, sagte er. Doch aus seiner Sicht habe die Bahn die Arbeiten früh genug angekündigt, sodass jeder Reise die Möglichkeit gehabt habe sich entsprechend darauf vorzubereiten.

Komplizierte Fahrt nach Hamburg

11.06.2019 Ab dem 11. Juni wird die Bahnstrecke Hannover-Würzburg erneuert. Wie stellen sich Pendler und Reisende darauf ein? Quelle: Christina Hinzmann

Dass man trotz dessen, dass man sich im Vorfeld seiner Reise informiert hat, plötzlich vor Problemen steht, das erlebte Johannes Schwenk, der am Dienstag von Hamburg aus nach Schweden fliegen wollte. Zunächst wurde er von einem ICE auf einen IC umgebucht und hatte dann am Schalter der Bahn im Göttinger Bahnhof noch Probleme sein Anliegen vorzutragen. „Am Serviceschalter war es, den Mitarbeitern nicht möglich meine Zugbindung aufzuheben. Dafür musste ich mich dann noch einmal am Infoschalter anstellen“, berichtete er. Besonders verärgert war er darüber, dass er über die App der Bahn keine Benachrichtigungen zu den Veränderungen erhalten hat. „Das finde ich echt ärgerlich, ich habe die Benachrichtigungen extra eingeschaltet, um informiert zu sein“, berichtet Schwenk. Verbunden mit der Aufhebung der Zugbindung war auch der Wegfall der Sitzplatzreservierung. „Der nächste Zug ist jetzt ausgebucht. Ich bin gespannt, ob ich jetzt die ganze Zeit stehen muss“, sagt er. Er geht trotz allen Ärgers davon aus, dass er den Flug bekommt.

Informationen über die Verspätungen und Änderungen erhalten Kunden über die Bahn App DB Navigator.

Für Apple-Geräte ist sie hier und für Android-Geräte hier erhältlich.

Änderungen im Regionalverkehr

Züge im Nahverkehr sind in den nächsten sechs Monaten ebenfalls von der Sperrung betroffen. Nach Auskunft der Bahn ergeben sich für die Linien RB 80 (GöttingenNordhausen) und RB 86 (Einbeck Mitte-Northeim-Göttingen) Fahrplan- und Anschlussänderungen. Auf der Linie RB 82 (GöttingenBad Harzburg) kommt es zu abweichenden Fahrzeiten und zwischen Kreiensen und Northeim entfallen. Nach Mitteilung der Bahn sollen Fahrgäste hier den Metoronom nutzen. Zwischen Göttingen udn Northeim werde zusätzlich ein Schienersatzverkehr eingerichtet.

Rückgang der Fahrgastzahlen befürchtet

Die Initiative Höchste Eisenbahn kritisiert die während der Arbeit entfallenden Züge zwischen Kreiensen, Northeim und Göttingen. „Man hat sich sichtlich bemüht, die Auswirkungen für die Kunden in Grenzen zu halten“, erklärt dazu Michael Reinboth von Höchste Eisenbahn. Die Initiative ist ob des enorm langen Zeitraums von sechs Monaten und der trotz der anzuerkennenden zusätzlichen Züge erheblichen Beeinträchtigung sehr besorgt, was die Entwicklung der Fahrgastzahlen im Südharz betrifft. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Einschränkungen im Nahverkehr Kunden kosten werden, zumal wir im letzten Jahr schon einmal drei Monate in ähnlicher Weise beglückt worden sind. Neun von 24 Monaten lang verkehren unsere Züge nicht so wie bestellt und von den Kunden gewünscht. Wir setzen darauf, dass es nach Abschluss der Arbeiten endlich im Nah- und Fernverkehr pünktlicher läuft, die Fahrpläne zuverlässig eingehalten werden, keine Züge mehr ausfallen und derartig lange und massive Beeinträchtigungen der Vergangenheit angehören“, so Reinboth. Er nehme zwar die wenigen Zusatzzüge positiv wahr, jedoch: „Sie bringen nur etwas für Herzberg. Osterode und der östliche Kreis Göttingen haben nichts davon. Im Gegenteil: Die Leute werden geradezu ermuntert, mit dem Auto bis Herzberg zu fahren.“

Falle für Kunden eingebaut

Die Initiative habe nach wie vor anders als der Kreistag die gesamte Strecke bis Nordhausen im Blick und könne der einseitigen Bevorzugung des Abschnitts Northeim/ Herzberg nichts abgewinnen. Die Deutsche Bahn bleibe sich insoweit treu, als sie auch in diesen Fahrplan eine kleine Falle für ihre Kunden eingebaut hat. „Der Ersatzbus zum Zug 13.06 ab Northeim fährt um 12.21 Uhr in Göttingen, Bahnhofsvorplatz, Steig H ab – aber nicht freitags. Da gibt es einen Zug von Göttingen nach Einbeck, der Göttingen um 12.25 Uhr verlässt und den Anschluss herstellt. 4 Minuten gespart also – aber wer im Alltagstrott zum Bussteig geht, bemerkt die kleine Quizaufgabe erst, wenn er vergeblich nach dem 12.21-Bus Ausschau hält. Man muss sich fragen, was das soll. Es ist für die Kunden schon schwer genug. Warum baut man dann zusätzlichen Hürden ein?“ fragt sich die Initiative.

Die DB Regio hat einen Flyer herausgebracht, der alle wesentlichen Angaben enthält und unter anderem in den Zügen des Harz-Weser-Netzes ausliegt.

Von Vera Wölk und Michael Paetzold

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