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Göttingen Sprechtag in der Verwaltungsstelle Grone: Heizkosten und gelbe Säcke
Die Region Göttingen Sprechtag in der Verwaltungsstelle Grone: Heizkosten und gelbe Säcke
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18:38 11.10.2013
Noch nicht lange in Grone: Hanna Röttscher erledigt ihre Einwohnermeldeangelegenheiten. Quelle: Heller
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Göttingen

 „Um Heizkosten zu sparen, decke ich mich für mein Nachmittagsschläfchen immer mit einer dicken Wolldecke zu“, sagt die Rentnerin. Egger, Mitarbeiter in der Verwaltungsstelle Grone, rät der Dame, „ganz normal zu heizen“.

Er schickt die Seniorin mit einem Formular nach Hause, das sie nach dem Ausfüllen wieder mitbringen soll. „Das war so in etwa die fünfzehnte Kundin heute“, berichtet Eggers.

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Mittwochmorgen um kurz nach zehn geben sich die Kunden der Groner Verwaltungsstelle die Klinke in die Hand. Schon klopft es wieder, und Eggers kümmert sich um ein Anliegen, das diskret behandelt werden soll.

Kein typischer Rathausarbeitsplatz

Im Nebenzimmer sitzt Birgit Pietsch am Schreibtisch. Die 52-jährige Verwaltungsstellenleiterin teilt sich die vielfältigen Aufgaben in der Außenstelle mit ihrem Kollegen. „Das ist kein typischer Rathausarbeitsplatz“, sagt Pietsch. Ihr Büro – vor dem Umzug der Verwaltungsstelle in die Martin-Luther-Straße 10 diente es als Abstellraum – unterscheidet sich auch in der Einrichtung von einer durchschnittlichen Amtsstube. Bilder und Postkarten sind im Raum verteilt, die Fensterbänke liebevoll dekoriert, an der rot gestrichenen Wand hängen selbstgemalte Bilder.

„Wir kümmern uns hier um alles. Egal, ob wir Auskünfte für jemanden einholen, der wissen möchte, ob selbstgemachter Saft aus Holunderbeeren von einem bestimmten Grundstück gefahrlos getrunken werden kann, ob wir Pässe ausstellen oder mit Anträgen helfen“, sagt Pietsch.

Neben der Hilfe und Beratung in Verwaltungsangelegenheiten gehörten der Sitzungsdienst in den Ortsräten Grone, Groß Ellershausen und Holtensen sowie die Vermietung und Verwaltung von sieben Veranstaltungsräumen zu den Aufgaben der Außenstelle.  „Wenn mal jemand krank ist, muss ein Kollege aus einer der beiden anderen Verwaltungsstellen aushelfen – allein schafft man das nicht“, sagt die Diplom-Verwaltungswirtin.

Gelbe Säcke zum Mitnehmen

Es klopft – ein junger Mann fragt, ob es gelbe Säcke zum Mitnehmen gebe. „Die bekommen Sie bei meinem Kollegen nebenan, einen Moment“, antwortet Pietsch und besorgt die Beutel aus dem Nebenraum, in dem der Kollege gerade einen Antrag von Hanna Röttscher bearbeitet. Röttscher wohnt noch nicht lange in Grone, sie ist aus Göttingen in den Ortsteil gezogen.

Heute ist sie in der Außenstelle, „weil der Herr Eggers die Ummeldung für meine kleine Schwester machen soll“. Die jüngere Schwester ist bettlägerig: Röttscher ist 90 Jahre alt, ihre „kleine Schwester“ wird 85. Sehr zufrieden sei die Seniorin mit dem Service. „Immer freundlich, und alles ist schnell erledigt“, sagt die 90-Jährige.

Carmen Mathias ist zum ersten Mal in der Verwaltungsstelle. Sie möchte sich ummelden. „Ich bin zu meinem Freund nach Grone gezogen – der hat die größere Wohnung“, sagt die junge Frau und deutet auf ihren Babybauch. In drei Wochen soll das Kind zur Welt kommen, nun informiert sich die werdende Mutter, was es im Vorhinein behördlich zu regeln gibt. „Keine Sorge, Ihr Kind wird automatisch angemeldet“, erklärt Eggers.

Herzlich Willkommen in Grone

Nach einer Unterschrift bekommt Mathias ihre Formulare ausgehändigt. Mit einem „Herzlich Willkommen in Grone“ verabschiedet Eggers die junge Frau.

Der nächste Kunde steht schon vor der Tür. Es ist kurz vor zwölf. Auf dem Parkplatz vor der Verwaltungsstelle steigt ein Portier vom Freizeit In in einen Minibus des Hotels, ein paar Rollen gelber Säcke unter dem Arm. Und die Dame mit dem Heizkostenproblem ist schon wieder zurück, um ihren Antrag abzugeben.

Von Nina Winter