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Göttingen Staatsanwalt will fünf Jahre Haft
Die Region Göttingen Staatsanwalt will fünf Jahre Haft
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19:59 30.08.2011
Von Jürgen Gückel
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Göttingen / Obernfeld

Angeklagt war der Mann ursprünglich der gefährlichen Körperverletzung und Freiheitsberaubung (Tageblatt berichtete). Das Gericht ließ die Anklage aber nur mit dem Hinweis zu, dass auch der Straftatbestand des versuchten Totschlags erfüllt sein könnte. Deshalb wird vor dem Schwurgericht verhandelt. Oberstaatsanwalt Jürgen Meyer-Borgstaedt hält freilich weiter „nur“ gefährliche Körperverletzung für erfüllt. Der Angeklagte habe jeweils einmal zugestochen. Hätte er töten wollen, so käme bei versuchtem Totschlag Rücktritt vom Versuch infrage.

Viel wichtiger: Der Angeklagte gehöre in den Maßregelvollzug, er sei eine Gefahr für die Allgemeinheit, denn er handelte im Zustand verminderter Schuldfähigkeit. Über seine Persönlichkeitsstruktur hatte bereits ein psychiatrischer Sachverständiger unter Ausschluss der Öffentlichkeit berichtet. Doch jeder Zuhörer, so der Staatsanwalt, habe sich im Prozess vom Verhalten des dauernd brabbelnden Angeklagten ein Bild machen können – „da hätte es keines Sachverständigen bedurft“. Mosernd, nörgelnd, motzend und schimpfend hatte der 57-Jährige jede Sprechpause genutzt, um sich über alles und jeden zu beschweren. Im Psychiaterbericht, betont er, habe er alles angestrichen, was ihm nicht gefalle.

Der Staatsanwalt hingegen lenkte den Blick zu den physisch, vor allem aber psychisch verletzten Opfern, die über Monate nicht arbeiten konnten und die unter Qualen ausgesagt hätten. Bis heute begreife der Angeklagte nicht, was er ihnen angetan habe.