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Göttingen Staatsanwaltschaft fordert viereinhalb Jahre Haft für Schützen
Die Region Göttingen Staatsanwaltschaft fordert viereinhalb Jahre Haft für Schützen
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18:11 09.10.2013
Wegen versuchten Totschlags vor Gericht: der 44 Jahre alte Angeklagte und sein Verteidiger Johannes Mann. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Der mehrfach vorbestrafte 44-Jährige habe im März bei einer erkennungsdienstlichen Behandlung einem Beamten, der ihm gerade die Fingerabdrücke abnehmen wollte, die Dienstwaffe entrissen und zwei Polizisten ins Bein geschossen. Die beiden 59 und 49 Jahre alten Beamten wurden schwer verletzt und sind seitdem dienstunfähig. Ein dritter Schuss verfehlte eine Polizistin nur knapp am Kopf.

Nebenklagevertreter Stefan Hörning, der die beiden verletzten Polizisten vertritt, bewertete die Schüsse dagegen als versuchten Totschlag. Er plädierte auf eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Nebenklage gehen davon aus, dass der Angeklagte zur Tatzeit nur vermindert schuldfähig war, weil er unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln stand.

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Der 44-Jährige solle daher in einer Entziehungsanstalt untergebracht werden. Dass er sich angeblich nicht mehr an die Tat erinnern kann, nahmen sie ihm allerdings nicht ab.

Keine Zweifel

Es bestehe kein Zweifel, dass der Angeklagte alle drei Schüsse abgegeben habe, sagte Staatsanwalt Mahlmann. Auch nachdem der erste Schuss gefallen war, habe er die Waffe weiter fest im Anschlag gehalten und vehement darum gekämpft, die Kontrolle über die Pistole zu behalten. Erst nach einem Tritt aufs Handgelenk habe er sie fallen lassen.

Die Ermittler waren zunächst davon ausgegangen, dass der erste Schuss einem Polizisten den Oberschenkel durchschlagen und dann einen weiteren Beamten im Unterschenkel getroffen hatte. Experten des Landeskriminalamtes kamen jedoch nach Untersuchungen von DNA-Spuren an den Projektilen zu dem Schluss, dass die Verletzungen von zwei unterschiedlichen Schüssen stammten.

Nach Ansicht der Staatanwaltschaft war dem Angeklagten die äußerste Gefährlichkeit der Situation stets klar gewesen, er habe dies jedoch bewusst in Kauf genommen.

Hilfe gesucht

Bei der Strafzumessung seien auch generalpräventive Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Polizisten seien immer häufiger gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt.

Rechtsanwalt Hörning verwies auf die erheblichen physischen und psychischen Auswirkungen der Tat. Die beiden erfahrenen Polizisten – einer von ihnen ist seit 1970 im Dienst, einer war mehrere Jahre bei Auslandseinsätzen in Krisengebieten tätig – hätten immer noch stark unter den Folgen der Tat zu leiden.

Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Johannes Mann, nannte den Vorfall eine „völlig sinnlose Aktion“. Sein Mandant habe wenige Tage zuvor Hilfe in einer psychiatrischen Klinik gesucht. Diese habe ihn, nachdem man ihn einer Entgiftung unterzogen und ihn mit Medikamenten stabilisiert hatte, dann gegen seinen Willen wieder entlassen. Es habe sich im Prozess nicht klären lassen, ob er die Schüsse abgegeben habe oder sich diese im Handgemenge gelöst hätten. Das Gericht will sein Urteil am Freitag verkünden.

Von Heidi Niemann

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