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Göttingen Stadt Göttingen räumt Flüchtlingsunterkünfte
Die Region Göttingen Stadt Göttingen räumt Flüchtlingsunterkünfte
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00:17 29.05.2016
Von Michael Caspar
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Göttingen

„Seit November 2015 ist die Schädlingsbekämpfungsfirma Ibo mehrfach mit achtstündigen Benebelungen sowie mit einem Gel- und Spritzverfahren an der Großen Breite gegen die Deutschen Schaben vorgegangen“, führte Stadtrat Siegfried Lieske (Grüne) am Donnerstag im Neuen Rathaus aus.

Weil das nicht geholfen habe, machten nun der Vermieter Tonollo sowie der andere Mieter, die Posttochter DHL, Druck. Um eine großangelegte Bekämpfungsaktion zu ermöglichen, müsse das Haus geräumt werden.

Grundlegende Reinigung

Die 46 betroffenen Flüchtlinge bekommen nun drei Tage Zeit, ihre Sachen zu packen. Die Firma Ibo benebelt diese Sachen. Anschließend müssen sich die Flüchtlinge bei der Firma umziehen. Ihre schmutzige Wäsche wird dann ebenfalls behandelt. Anschließend erhalten die Flüchtlinge ihre persönlichen Gegenstände zurück.

„Wir behalten auch keine Gebetsteppiche ein“, versicherte Lieske. Nur große Teppiche sowie Kühlschränke und Herde entsorge die Stadt. Die Kakerlakenbekämpfung im Gebäude selbst ziehe sich über zwei Monate hin. Die DHL verlasse die Immobilie dabei nur für einige Tage. Die Flüchtlinge könnten, wenn sie das wünschen, Anfang August zurückkehren.

Ausziehen müssen zudem die derzeit 44 Bewohner des Weißen Hauses. In ihrem Gebäude sollen Flüchtlingsfrauen untergebracht werden. Frauen erlebten derzeit in Gemeinschaftsunterkünften immer wieder „erniedrigende Situationen“, sagte Lieske. Eine Frau habe am Mittwoch einen Suizidversuch unternommen.

Nur eine Zwischenlösung

Mit Fertigstellung der Siekhöhen-Unterkunft könne die Stadt nun endlich reagieren. Das Weiße Haus sei dabei nur eine Zwischenlösung, sagte Lieske. Derzeit entstehe am Hagenweg ein Neubau, in den die Frauen Ende des Jahres umziehen würden. Das Weiße Haus werde dann das Familienzentrum der Weststadt beherbergen.

Kritik äußerte Lieske an Flüchtlingshelfern, die die Räumung des Weißen Hauses verhindern wollen. Eine der Beteiligten Anne Hein, nannte dafür Gründe: Die Flüchtlinge seien bereits mehrfach umgezogen. Sie empfänden den Neubau auf der Siekhöhe als „Kaserne“ und könnten sich dort nicht mehr selbst verpflegen.

Bau von Unterkünften

Die Stadt Göttingen bringt derzeit 1393 Flüchtlinge unter. Bis Juli erwartet sie weitere 940 Menschen. Da vorhandene Unterkünfte zum Teil überbelegt sind, baut die Stadt neu. Am Anna-Vandenhoeck-Ring auf der Siekhöhe ist eine Unterkunft mit 413 Plätze fertiggestellt worden, in der bisher 25 Menschen leben. Am Hagenweg entsteht ein Gebäude für 100 Frauen und Kinder. Bis Jahresende werden Unterkünfte für Familien auf dem Schützenanger für 200 Menschen und an der Europaallee für 300 Menschen fertig. 2017 ist der Bezug eines Neubaus am Albrecht-Thaer-Weg möglich. mic