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Göttingen Stadt will Fahrrad-Chaos am Bahnhof ordnen
Die Region Göttingen Stadt will Fahrrad-Chaos am Bahnhof ordnen
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18:11 13.04.2012
„Desolates Erscheinungsbild“: Rund 2000 Fahrräder stehen derzeit im Bereich des Göttinger Bahnhofes. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Die Verwaltung hat nachgezählt. Mehr als 2000 Räder stehen im Bereich zwischen Busbahnhof, Post und Berliner Straße. Zu viele für die 670 offiziellen Abstellplätze. Die Kapazität sei „bei weitem nicht ausreichend“, folgert die Verwaltung. Durch diese Überfüllung und umgestürzte Räder entstehe „ein desolates Erscheinungsbild im Bereich des zentralen Eingangsbereiches der Stadt Göttingen“. Mehr als 300 „Schrotträder“ hat der Baubetriebshof etwa 2009 entfernt.

Abhilfe gegen den Radwildwuchs am Bahnhof soll nun ein neues Abstellsystem schaffen. 1585 neue Stellplätze im Prinzip der „Hoch-Tief-Aufstellung“ soll es künftig im Bereich des Bahnhofes geben, so dass dort dann 1619 Plätze zur Verfügung stehen. Mehr Plätze seien, so Verwaltungssprecher Hartmut Kaiser, auf der begrenzten Fläche nicht möglich.

„Wir sind auch davon überzeugt, dass wir mit den knapp 1600 Fahrradstellplätzen ein ausreichendes Angebot schaffen, da vermutlich mehr als 300 Schrotträder am Bahnhof abgestellt sind“, erläutert Kaiser. Zusätzlich wolle die Stadt durch verstärkte Werbung für das Fahrradparkhaus die Radfahrer ermuntern, das nicht ausgelastete Fahrradparkhaus zu benutzen. Um Ordnung zu halten, kündigt die Stadt an, die „Schrotträder“ regelmäßig zu entfernen.

Förderung

Die neuen Abstellanlagen sollen rund 245 000 Euro kosten. Die Stadt geht dabei von einer Förderung durch die Landesnahverkehrsgesellschaft aus. Der städtische Eigenanteil läge dann bei rund 61 000 Euro.

Auch in der Innenstadt soll die Zahl der Fahrradstellplätze deutlich erhöht werden, rund 450 sollen noch in diesem Jahr entstehen. Nach einer Bestandsaufnahme am 6. Dezember waren 1522 Fahrräder in der Innenstadt abgestellt – 788 (52 Prozent) in festen Anlagen, 734 seien „lose“ abgestellt gewesen.

Derzeit gibt es 1065 Stellplätze innerhalb des Walls. Als nicht ausreichend wertet die Stadt die Stellplätze unter anderem in der Kurzen-Geismar-Straße vor Kaufland, am Kornmarkt, in der Zindelstraße im Bereich der Deutschen Bank oder am Carré in der Weender Straße.

Die Verwaltung ist sich bewusst, eine Zählung bei angenehmeren Temperaturen als im Dezember möglicherweise einen höheren Bedarf an Stellplätzen ergeben hätte. Da aber „zügig mit der Umsetzung des Projektes begonnen werden sollte“, sagt Kaiser, wurde die Verschiebung der Zählung auf Frühjahr oder Sommer verworfen. „Es ist aber selbstverständlich, dass wir nach der Umsetzung das Projekt evaluieren und neue Zählungen durchführen werden.“

So seien in dem Konzept weitere Prüfflächen vorgesehen hat, „die in 2013 bei Bedarf zu einer weiteren Kapazitätserhöhung genutzt werden könnten“. 15 000 bis 20 000 Euro sollen die neuen Fahrradständer in diesem Jahr kosten.

Parkplätze weichen Fahrradstellplätzen

Um Platz für neue Fahrradstellplätze in der Innenstadt zu schaffen, sollen zwölf gebührenpflichtige Parkplätze verschwinden – jeweils zwei Plätze im Papendiek, Theaterstraße, Friedrichstraße und Rote Straße, vier weitere in der Kurzen-Geismar-Straße.

„Die Prüfung neuer Flächen für Fahrradabstellanlagen hat eindeutig ergeben, dass aufgrund der begrenzten Flächenverfügbarkeit das Fahrradabstellanlagenangebot in der Innenstadt entsprechend der heutigen Nachfrage nur dann nennenswert zu steigern ist, wenn bestehende gebührenpflichtige Kfz-Stellplätze in Flächen für Fahrradabstellanlagen umgewandelt werden“, erläutert Kaiser die Entscheidung.

Die Verwaltung sehe die Aufgabe der gebührenpflichtigen Stellplätze als „vertretbare Maßnahme“ an, da in den innerstädtischen Parkhäusern ausreichend Kapazitäten vorhanden sind.

Mit der Umwandlung der zwölf Kfz-Plätze verzichtet die Stadt jährlich auf rund 24 000 Euro Einnahmen aus Parkgebühren. Allerdings würden die dort vorher parkenden Autofahrer auf andere gebührenpflichtige Stellplätze ausweichen, so dass die Mindereinnahmen aufgefangen würden, heißt es im Konzept. Diese seien aber mit Blick auf „ehrgeizigen Klimaschutzziele“ und einer angestrebten Erhöhung des Radverkehrsanteil „kompensierbar“.

City-Managerin Beate Behrens, die das Gesamtkonzept zwar begrüßt, fordert von der Stadt, dass für die wegfallenden Kfz-Parkplätze Ersatz geschaffen wird. „Wir werden uns nicht mit einem Wegfall begnügen“, sagt Behrens. Sie bemängelt, dass das Konzept bisher nicht im Arbeitskreis Innenstadt vorgestellt worden ist. Kaiser kündigt nun ein Gespräch zwischen Pro City und Verwaltung nach der kommenden Bauausschusssitzung an.

Von Michael Brakemeier