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Göttingen Stadtverwaltung Göttingen legt geplante Flüchtlingsunterkunft Schützenanger auf Eis
Die Region Göttingen Stadtverwaltung Göttingen legt geplante Flüchtlingsunterkunft Schützenanger auf Eis
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00:22 18.05.2019
Ruinen des Flüchtlingswohnheims am Schützenplatz, Quelle: Niklas Richter
Göttingen

Der umstrittene geplante Neubau einer Flüchtlingsunterkunft mit 200 Plätzen auf dem Göttinger Schützenanger ist vorerst vom Tisch. Die Stadtverwaltung sieht dafür angesichts der aktuellen Entwicklung der Flüchtlingszahlen derzeit keinen Bedarf.

„Die Ausschreibungen für den Neubau sind zurückgezogen“, sagte Göttingens Sozialdezernentin Petra Broistedt in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses. Bereits eingegangene Angebote lägen zudem auch deutlich über den von der Verwaltung knapp kalkulierten Preis von 6 Millionen Euro.

Ruinen des Flüchtlingswohnheims am Schützenplatz. Quelle: Niklas Richter

„Die Fläche wird aber weiterhin als Reservefläche für den Fall, dass zusätzliche Bedarfe entstehen, vorgehalten“, heißt es in einer Antwort Broistedts auf eine Anfrage der Ratsgruppe von Göttinger Linke und ALG. Sollte die Zahl ankommender Flüchtlinge in Göttingen wieder stark steigen, könne die so Stadt schnell reagieren. Als Alternative zu einem teuren Neubau hält Broistedt die Nutzung von gebrauchten und damit deutlich günstigeren Containeranlagen für möglich. Im November hatte sie eine Containerlösung allerdings noch abgelehnt.

Unbewohnbar durch Schimmel und Wasser

Der Neubau hätte ein Ersatzbau für eine dort bereits aus Wohncontainern bestehende Unterkunft werden sollen. Wegen Wasser-, Schimmel- und Feuchteschäden war der Containerbau im vergangenen Jahr unbewohnbar geworden. Rund 3,2 Millionen Euro hatte die Unterkunft, die ursprünglich für rund 200 Bewohner geplant war, gekostet. Derzeit laufen die Abrissarbeiten auf dem Schützenanger. Vor allem die CDU im Rat hatte die Neubau-Pläne der Verwaltung kritisiert.

Habseligkeiten der früheren Bewohner. Quelle: Niklas Richter

War die Stadtverwaltung noch im November davon ausgegangen, dass in Göttingen 347 Plätze für geflüchtete Menschen fehlen, gibt es nach den von Broistedt vorgelegten Zahlen jetzt 83 freie Plätze. Gründe dafür sieht Broistedt in der „hohen Zahl“ an Vermittlungen in den ersten Wohnungsmarkt und den „gesicherten“ Ankauf von Belegungsrechten. So seien seit Oktober 2018 bis Mitte Mai 209 Personen in Wohnungen vermittelt worden. „Das geht zur Zeit deutlich besser als noch 2018“, sagte Broistedt.

Von Göttingen nach Hameln-Pyrmont

Weiter habe die Stadt Belegungsrechte bei der Städtischen Wohnungsbau gekauft. Mehr als 20 weitere verhandele sie gerade mit der Volksheimstätte. Zudem hätten sich die Landkreise Göttingen und Hameln-Pyrmont bereit erklärt, Flüchtlinge von Göttingen zu übernehmen. Inzwischen ist die Lage in Göttingen so entspannt, dass Göttingen nach einem beim Land erwirkten Zuweisungsstopp seit März wieder geflüchtete Menschen aufnehme, erklärte Broistedt. „Neu zugewiesene Flüchtlinge werden überwiegend in den bekannten Unterkünften in der Europaallee, Albrecht-Thaer-Weg, Hannah-Vogt-Straße, und Carl-Giesecke-Straße untergebracht“, erläuterte sie.

Petra Broistedt Quelle: Christina Hinzmann

Wichtiger Baustein im künftigen Konzept zur Unterbringung von Geflüchteten in Göttingen ist die Unterkunft an der Hannah-Vogt-Straße auf den Zietenterrassen. Ihr Betrieb mit 180 möglichen Plätzen soll über das Jahr 2020 um weitere fünf Jahre verlängert werden. Nach einer Info-Veranstaltung zu den Plänen Ende April seien inzwischen auch die Haushalte per Anschreiben informiert worden, sagte Broistedt.

Die Unterkunft war 2015 eröffnet worden. Von anfänglich rund 200 aktiven ehrenamtlichen Helfern sind derzeit noch 20 bis 30 tätig. Der SC Hainberg, der mit dem ASC viel Integrationsarbeit leistet, hatte sich für die Zietenterrassen ein Stadtteilzentrum gewünscht. Broistedt sieht das positiv und stellte im Sozialausschuss in Aussicht, eine entsprechende Stelle aus dem „Flüchtlingssammeltopf“ im städtischen Haushalt finanzieren zu können.

Fünf Bewohner in Unterkunft Siekhöhe

Die umstrittene Flüchtlingsunterkunft auf der Groner Siekhöhe ist inzwischen fast unbewohnt. Nur noch fünf Menschen wohnten derzeit dort. Bis zum 30. Mai sollen auch sie, so Broistedt, anderweitig untergebracht sein. Am 30. Juni soll die Unterkunft dann endgültig schließen. Der Mietvertrag für die Halle endet aber erst im Oktober 2021. 37.300 Euro Miete zahlt die Stadt Monat für Monat.

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Von Michael Brakemeier

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