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Göttingen Mehr Sicherheit für Blinde, aber nicht für alle
Die Region Göttingen Mehr Sicherheit für Blinde, aber nicht für alle
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00:17 01.06.2017
Von Michael Brakemeier
Quelle: Wenzel
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Göttingen

Auf der Nordwest-Ecke des großen Kreuzungsbereiches liegen die Platten inzwischen. Künftig zeigen sie hier Blinden und Sehbehinderten die sichere Straßenüberquerung an. Als gesamte Bauzeit gibt die Stadtverwaltung zwei Wochen an. In dieser Zeit könne es zu Einschränkungen für Verkehrsteilnehmer kommen. Für kurze Zeit müsse der Linksabbiegerfahrstreifen in der Berliner Straße gesperrt werden.

Ein unnötiges Hindernis

Die Piraten, die Partei und die FDP warnen unterdessen vor den Blindenleitsystemen. Für blinde und sehbehinderte Menschen lieferten diese "zwar ein optimales Ergebnis", für "rollradgestützte mobilitätseingeschränkte" Menschen sowie Menschen mit Rollrädern an Kinderwagen, Handkarren oder Ziehkoffern stellten diese Leitsysteme aus  "taktilen Bordsteinkanten und Rillenpflastern"  jedoch eine Gefahr beziehungsweise "ein unnötiges Hindernis" dar, heißt es in einem gemeinsamen Antrag zur Sitzung des Bauausschusses am Donnerstag, 8. Juli.

Die drei Parteien wollen erreichen, dass in Göttingen die Übergänge zwischen Gehweg und Fahrbahn in Zukunft "generell anders" zu gestalten und vor allem das in der Kritik stehende Rillenpflaster nicht mehr so zu verlegen wie bisher. Sie schlagen stattdessen vor, einen Leitfaden der Bamberger Stadtverwaltung von 2014 anzuwenden. Danach sollen solche Übergänge auf der halben Breite mit einer "taktilen Bordsteinkante und längst verlegtem Rillenpflaster für Blinde und Sehbehinderte" ausgestattet sein, auf der anderen Hälfte jedoch barrierefrei und mit quer ausgerichtetem Rillenpflaster für "rollradgestützte" Fußgänger.

Unprofessionell und wenig bedarfsgerecht

"Wir Piraten haben bereits beim Umbau der Weender Tor-Kreuzung Ende 2014 die flächige Verlegung von Rillenpflaster auf Verkehrsinseln als gefährlich kritisiert", sagt Francisco Welter-Schultes, verkehrspolitischer Sprecher der Piraten-und-Partei-Ratsgruppe. "Wir haben außerdem an der vielbefahrenen Kreuzung beobachtet, dass Radfahrer bei hohem Verkehrsaufkommendie Rillenbereiche diagonal überfahren, um nicht ins Schlingern zu geraten, und dadurch noch mehr Gefahren erzeugen."

Auch die FDP habe mehrmals im Bauausschuss die neue Verkehrsführung als "unprofessionell und wenig bedarfsgerecht" kritisiert, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung.Die Piraten berufen sich auf eigenen Erhebungen im Mai. Dabei fanden die heraus, "dass nicht nur Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollatoren, sondern auch viele Fußgänger mit Rollkoffern und Kinderwagen die Längsrillen mieden und stattdessen auf den Radschnellweg auswichen, um dort von der Nullabsenkung zu profitieren", heißt es.

Antrag Piraten/Partei/FDP:

37083_NI_Antrag_Rillenpflaster-2-1 (1,5 MB)

Bamberger Leitfaden:

1829_9371_1 (3 MB)