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Göttingen Stammzellen: Spender und Empfänger in Südniedersachsen
Die Region Göttingen Stammzellen: Spender und Empfänger in Südniedersachsen
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06:00 04.02.2019
Typisierungsaktion im Universitätsklinikum: So werden auch Stammzell-Spender gefunden. Quelle: Foto: Harald Wenzel
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Göttingen/Gittelde

18 Jahre alt war Jennifer T., als bei ihr schwere aplastische Anämie attestiert wurde, eine deutliche Verminderung der blutbildenen Stammzellen‎ im Knochenmark. Die Göttingerin war zu Besuch bei ihrem Freund in Hameln und wollte eigentlich nur ihre Ferien verlängern. Eine Ärztin nahm ihr Blut ab, die Werte waren katastrophal.

Die Medizinerin schickte sie umgehend ins Krankenhaus, erst in Hameln, später dann in die Universitätsmedizin Göttingen. Zwei Therapien schlugen nicht an. Anfang Mai fiel dann die Entscheidung für eine Stammzell-Transplantation. Die Vorbereitungen dafür inklusive einer hoch dosierten Chemotherapie hätten mehrere Wochen gedauert, erinnert sich Jennifer. Isoliert von der Außenwelt habe sie die Zeit alleine in einem Krankenzimmer im Klinikum verbrachte. Das Immunsystem war komplett heruntergefahren, jeder Mensch wäre hoch ansteckend gewesen, „ich wäre gestorben“. „Dass mir die Haare ausgefallen sind, war kein Problem“, sagt sie. „Aber du kommst aus dem Raum nicht heraus. Das ist das Allerschlimmste.“

Spender aus den USA

Mitte Mai dann die Stammzell-Transplantation. Ein Spender in der USA war gefunden worden. Dann wieder Isolation. Das Immunsystem musste „Schritt für Schritt wieder aufgebaut werden“, berichtet Tullmann. Nach zwei oder drei Wochen sei sie dann nach Hause entlassen worden – wo sie sich schnell eine schwere Lungenentzündung einfing.

Schon vor der Behandlung hätten ihr die Ärzte erklärt, dass sie danach nie Kinder bekommen könnte. Ein schwerer Schlag für die junge Frau, die unbedingt Mutter werden wollte. Eizellen habe sie daraufhin einfrieren lassen. Doch dann, Anfang 2012 die große Überraschung, die die Ärzte im Uniklinikum „ein Wunder“ genannt hätten, erzählt Jennifer. Sie war schwanger. „Als erstes habe ich im Klinikum angerufen und Rotz und Wasser geheult.“ Sie dachte, sie würde das Kind verlieren oder abtreiben müssen. Die Mediziner allerdings beruhigten sie. Noch heute erinnert sie sich an die tröstenden Worte: „Ach, machen Sie sich keine Sorgen. Wir schaffen das schon.“

„Ich habe meine Krankheit besiegt.“

Heute ist die 28-Jährige Mutter zweier Kinder. „Ich lebe mein Leben unbeschwert so, wie ich es vorher auch gelebt habe“, sagt Jennifer. Nach sieben Jahren gilt ein Erkrankter als geheilt. „Ich habe meine Krankheit besiegt.“ Leidensgenossen gibt sie mit auf den Weg: „Du musst stark bleiben und an dich glauben.“

Ihrem Spender habe sie einen sehr langen Brief geschrieben, berichtet Jennifer. „Ich bin ihm sehr, sehr dankbar. Er ist ein Teil von mir.“ Gemeldet hat er sich daraufhin allerdings nicht. Das sei wohl so üblich in den USA, hätten ihr die Göttinger Ärzte erzählt.

Dorfbewohnerin mit Krebs

Andreas Wiedemann hat sich im Juni 2003 als möglicher Stammzellspender registrieren lassen. Er lebt in Gittelde bei Bad Grund im Harz. Eine Dorfbewohnerin hatte Krebs, erinnert sich Wiedemann. Die Aktion „Helft Susanne“ wurde ausgerufen. „Hier im Ort hilft man sich.“ Und: „Wenn man ein Gesicht dazu hat, ist das eine ganz andere Nummer“, sagt Wiedemann.

Er ließ sich damals Blut abnehmen. Der Test sei kostenlos möglich gewesen, „aber dann zahlt man eben doch selber dafür“, sagt der Tischler. Während der Registrierung habe er erfahren, dass es sehr unwahrscheinlich sei, dass jemand gefunden wird, dessen Stammzellen der erkrankten Susanne helfen würden. Später wurde tatsächlich jemand gefunden, „Susanne lebte noch“.

Genetischer Zwilling

Im Januar 2010 erhielt Wiedemann dann die Nachricht, dass er ein genetischer Zwilling eines an Krebs erkrankten Patienten sei – „zu 100 Prozent“, sagt er. Er musste zur Gesundheitsuntersuchung ins Universitätsklinikum nach Göttingen. Die Spende sei geplatzt, weil bei ihm Toxoplasmoso festgestellt wurde, ein Katzenschnupfen. Er selbst habe davon nichts gemerkt, für den Empfänger der Spende sie das aber zu riskant gewesen. Man entschied sich für den zweiten auf der Liste, einen 99,9-prozentigen genetischen Zwilling.

Am 4. Januar 2018 kam dann die zweite Nachricht. Er sei einer von drei oder vier möglichen Spendern, habe man ihm mitgeteilt, sagt Wiedemann. Zur Vorsorgeuntersuchung ging es dann Anfang Februar wieder ins Klinikum. Beim ersten Mal hatte sein Arbeitgeber die verpasste Arbeitszeit finanziert, diesmal habe er es selbst getragen, obwohl auch das Knochemarkzentrum die Kosten übernehmen würde.

Spritze in die Bauchdecke

Die Untersuchung viel positiv aus. Für das Wochenende Anfang März habe er eine Mobilisierungsspritze mit nach Hause bekommen, die er sich in die Bauchdecke stechen musste, „ein kleiner Pieks“, meint Wiedemann. Schmerzmittel hatten ihm die Ärzte mitgegeben, denn es könnten Schmerzen wie bei einer heftigen Erkältung auftreten. Doch die Wirkung könne bei jedem anders ausfallen.

Am Montag, 5. März, habe er dann die Stammzellen gespendet. Angespannt sei er gewesen, erinnert sich Wiedemann. Fünf Stunden lag er im Krankenhaus, von einer weiteren Spenderin nur durch eine spanische Wand getrennt. Reden habe er nicht können, auch nicht fernsehen oder lesen. In beiden Armen steckten Nadeln. Sein Blut wurde auf der einen Seite aus dem Körper geleitet, auf der anderen wieder zugeführt. Dazwischen wurden die Stammzellen herausgefiltert. Eine anstrengende Prozedur, sagt Wiedemann. „Man wird x-mal gefragt: Wollen sie das wirklich machen. Das ist kein Spaziergang.“

Nach der Übertragung gestorben

Der Empfänger seiner Spende sei nur wenige Wochen nach der Übertragung gestorben, berichtet Wiedemann. Nach einem halben Jahr hätten sie Kontakt miteinander aufnehmen können. „Wenn’s geklappt hat, kann man sich abklatschen.“

Wiedemann, der in diesem Jahr 50 Jahre alt wird, würde wieder spenden. „Für einen selbst ist das nur ein Wochenende, für den anderen vielleicht schöne Jahre.“ Er ist Vater zweier Kinder, die älteste ist 18 Jahre alt. Jetzt will sie sich auch registrieren lassen, sagt Wiedemann.

Von Peter Krüger-Lenz

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