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Göttingen Startschuss für ersten Radschnellweg in Deutschland
Die Region Göttingen Startschuss für ersten Radschnellweg in Deutschland
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13:12 27.03.2014
Von Gerald Kräft
Die ersten 20 Pedelecs für den Feldversuch der Uni werden jetzt getestet.
Die ersten 20 Pedelecs für den Feldversuch der Uni werden jetzt getestet. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Am Mittwoch stellten Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) und Forscher Details des Vorhabens im Ratssaal vor.

Mit dem Bau des „E-Radschnellwegs Göttingen“ wird in diesem Jahr nördlich des Kreuzbergrings in der Goßlerstraße begonnen, die Fahrradstraße werden soll. Über den Christophorusweg führt der Schnellweg auf der Robert-Koch-Straße bis zur Otto-Hahn-Straße.

Der verbreiterte Radweg soll mindestens vier Meter breit werden.

Radfahrer und E-Bike-Fahrer sollen an Kreuzungen möglichst Vorrang bekommen. Geplant sind dazu „Radzählmessstellen“, die Signale an Ampeln senden. An sechs Knotenpunkten soll es zu möglichst kurzen Wartezeiten für die Schnellwegbenutzer kommen.

Der Bund fördert das Projekt mit einer Million Euro, davon rund 500 000 Euro für den Bau, die Stadt will 660 000 Euro aufbringen. Die Uni untersucht das Nutzerverhalten und stellt Arbeitnehmern ab Juni kostenlos 25 Pedelecs mit Batterieunterstützung zur Verfügung.

„Vielleicht wird Göttingen einmal das neue Kopenhagen“

Daten von Teilnehmern des Feldversuchs werden über einen GPS-Sender am Rad gesammelt. Sebastian Busse, Leiter der „Sustainable Mobility Research Group“ (Gruppe nachhaltige Mobilitätsforschung) sucht noch Arbeitgeber, die mitmachen.

Mit dem regnerischen Mittwoch sei zwar ein schlechter Tag erwischt worden, sagte Busse im Ratssaal, aber die Vorreiterstädte Kopenhagen und London seien auch nicht für die Zahl der Sonnenstunden bekannt. „Vielleicht wird Göttingen einmal das neue Kopenhagen.“

Das Göttingen die Trägerschaft des bundesweit einmaligen Vorhabens übernommen habe, sei kein Zufall, sagte der Oberbürgermeister. Es gebe eine spannende Verknüpfung mit der E-Mobilität. Richtig Sinn ergebe der Schnellweg erst, wenn er wie geplant von Bovenden bis Rosdorf führe.

Schaufenster Elektro-Mobilität

Der Göttinger E-Radschnellweg ist ein Teil des Projektes „Schaufenster Elektro-Mobilität“ der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Wolfsburg-Göttingen. In bundesweit vier Schaufenstern soll Elektro-Mobilität gefördert und demonstriert werden.

In der Metropolregion geht es um rund 40 Einzelprojekte mit einem Volumen von rund 130 Millionen Euro. Das Teilprojekt des Kreises Göttingen steht kurz vor der Bewilligung.

► Kommentar: Freie Fahrt für Pedelecs

Langsam wird es offenbar was, mit dem „Schaufenster Elektromobilität“ für Deutschland. Mit dem ersten Radschnellweg Deutschlands wird es auch langsam Zeit. Andere Städte sind da längst weiter.

Mit Ladestationen, Unterstellmöglichkeiten und Werkstätten am Schnellweg könnte das Vorhaben nicht nur ein Gewinn für die 28 000 Studenten in Göttingen werden. Immerhin werden laut Umfragen schon jetzt knapp 30 Prozent aller Wege in der Stadt mit dem Rad zurückgelegt.

Wenn noch Berufspendler mit Pedelecs über weite Strecken hinzukommen, kommt die Stadt ihren ehrgeizigen Klimaschutz-Zielen ein bisschen näher.

Das eins von vier Schaufenstern in Deutschland an die Metropolregion mit VW im Rücken ging, ist eine große Chance, um die Infrastruktur mit Geld aus Berlin zu verbessern. Immerhin sollen allein 2,675 Millionen Euro Bundesförderung in Stadt und Landkreis Göttingen fließen.

Eigentlich sollte es schon voriges Jahr losgehen. Komplizierte Anträge an diverse Ministerien stellen, dauert aber offenbar. Der Landkreis, federführend für Stadt-Umland-Projekte unter anderem mit E-Cars am Friedländer Bahnhof, wartet noch auf die Bewilligung seines Antrags. Elektro-Autos überzeugen immer noch nicht wirklich.

Dafür gehen die Elektro-Fahrräder mittlerweile auch ohne Förderung weg wie warme Semmel. Deshalb ist es wohl gut, mit solchen Projekten  anzufangen – auch wenn VW davon vielleicht nichts haben wird.

Gerald Kräft