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Göttingen Statt 55 Kilo Marihuana nur Streusalz und Taschentücher
Die Region Göttingen Statt 55 Kilo Marihuana nur Streusalz und Taschentücher
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17:00 12.08.2019
Um Rauschgifthandel geht es derzeit in einem Prozess vor dem Göttinger Landgericht. Quelle: dpa
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Göttingen /  Barbis

Am 22. Februar 2019 gibt ein 38-jähriger Italiener bei einer Spedition in Rom zwei Pakete auf. Die Pakete mit einem Gesamtgewicht von 55 Kilo sollen an eine Adresse unter seinem Namen im Bad Lauterberger Ortsteil Barbis gehen. Der 38-Jährige wird bei der Aufgabe des Frachtguts von einem 31-jährigen Albaner begleitet. Zwei Tage später fliegen die beiden Männer gemeinsam von Rom über Barcelona nach Hannover, von dort geht es weiter in den Südharz. Am 4. März nehmen sie in dem Haus in Barbis die Pakete in Empfang.

Kurz darauf klicken die Handschellen: Die Polizei hat vorher davon Wind bekommen, dass sich in den Paketen Rauschgift befindet. Die Fahnder fangen die Fracht ab, stellen die 55 Kilo Marihuana sicher, füllen die Pakete mit Streusalz und Papiertaschentüchern auf und nehmen die Empfänger unmittelbar nach der Zustellung fest.

So soll laut der Anklage der Staatsanwaltschaft ein vereiteltes Drogengeschäft abgelaufen sein, für das sich die beiden Festgenommenen seit Montag vor dem Landgericht Göttingen verantworten müssen. Die Strafverfolgungsbehörde hat die 38 und 31 Jahre alten Männer wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge sowie Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge angeklagt. Das beschlagnahmte Marihuana hat nach Angaben der Polizei einen geschätzten Straßenverkaufswert von 480.000 Euro.

Öffentliche Angaben im Saal

Zu Beginn der Verhandlung erklärten die Verteidiger, dass ihre Mandanten grundsätzlich Angaben zur Sache machen würden. Ihrer Anregung, zuvor ein Rechtsgespräch in nichtöffentlicher Verhandlung zu führen, kam die Kammer nicht nach. Es gebe keine Veranlassung und keine Rechtsgrundlage für den Ausschluss der Öffentlichkeit. Außerdem wolle man nicht über die Köpfe der Angeklagten hinweg etwas besprechen, erklärte die Vorsitzende Richterin Natascha Czetto.

Der 38-jährige Italiener gab an, dass er aufgrund seines massiven Kokain- und Crack-Konsums große Erinnerungslücken habe. Seinen Angaben zufolge hatte er in Rom von Gelegenheitsjobs gelebt und häufig in einer Bar in der Nähe einer Flüchtlingsunterkunft verkehrt. Dort habe ihn ein Schwarzafrikaner angesprochen, ob er für diesen einen Job erledigen und ein Paket nach Deutschland bringen könne. Der Bekannte habe angegeben, dass er dies nicht selbst übernehmen könne, da er keine Papiere habe. Irgendwann sei er dann in Bad Lauterberg gestrandet, sagte der Angeklagte.

In Deutschland vom Inhalt der Pakete erfahren

Die Verteidigerin des 31-Jährigen verlas eine schriftliche Einlassung für ihren Mandanten. Demnach hatte dieser zuletzt in einer Pizzeria in Rom als Aushilfe gearbeitet. Ein Bekannter habe ihn dort angesprochen und gefragt, ob er Zeit habe, einen Freund nach Deutschland zu begleiten. Man habe für diesen dort bereits eine Wohnung klar gemacht. Da der Freund kein Deutsch spreche, solle er diesen mit seinen Sprachkenntnissen unterstützen und darauf achten, „dass er klar kommt“ und in Deutschland „die Pakete bekommt“. Er selbst habe erst in Deutschland erfahren, dass sich in den Paketen Marihuana befand, erklärte der Angeklagte. Der 38-Jährige habe ihm erzählt, dass das Marihuana für einen Deutschen aus Dortmund bestimmt sei.

Der Bekannte habe ihm vor der Abreise 500 Euro sowie den Flug bezahlt. Der Aufenthalt habe eine Woche dauern sollen, insgesamt sollte er dafür 1000 Euro erhalten. Der Bekannte habe außerdem ein Handy sowie eine Chipkarte mit Telefonnummern übergeben. Nach der Ankunft in Hannover habe der Mitangeklagte eine abgespeicherte Kontaktnummer angerufen. Danach hätten sie sich in der Nähe des Flughafens mit einem Albaner getroffen. Dieser habe sie dann zu der angemieteten Wohnung in Bad Lauterberg gebracht und dem 38-Jährigen den Schlüssel übergeben. Als der Paketzusteller kam, habe er geholfen, ein Paket in das Ladenlokal zu tragen. „Es tut mir leid, dass ich so eine Dummheit gemacht habe“, erklärte der 31-Jährige.

Seine Verteidigerin beantragte, den Haftbefehl gegen ihren Mandanten aufzuheben. Dieser sei nur der Begleiter des 38-jährigen Angeklagten gewesen. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass er in den Ankauf, die Preisverhandlungen, die Qualitätsprüfung oder die Verpackung des Rauschgifts eingebunden gewesen wie. Er habe lediglich am Auslieferungsort ein Paket getragen, in dem sich zudem gar kein Rauschgift mehr befunden habe. Das Gericht lehnte den Antrag auf Aufhebung des Haftbefehls ab. Der Prozess wird voraussichtlich bis Ende September dauern. Das Gericht hat insgesamt sechs Verhandlungstage angesetzt.

Von Heidi Niemann

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