Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Statt Erpressung nur Betrug: Angeklagte kommen glimpflich davon
Die Region Göttingen Statt Erpressung nur Betrug: Angeklagte kommen glimpflich davon
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:45 21.06.2013
Von Matthias Heinzel
Heiß begehrt – und gern auch Objekt krimineller Geschäfte: I-Phone von Apple.
Heiß begehrt – und gern auch Objekt krimineller Geschäfte: I-Phone von Apple. Quelle: Hinzmann
Anzeige
Göttingen

Die Angeklagten, beide Anfang 20, hatten einen jüngeren Bekannten dazu überredet, Mobilfunkverträge über zwei Apple-Smartphones abzuschließen. Der Heranwachsende tat, wie ihm geheißen, und übergab die je 800 Euro teuren I-Phones 4S seinen Auftraggebern. Die hatten erklärt, die Vertragskosten übernehmen zu wollen.

Nicht im Drehbuch

Was danach geschah, stand nicht im Drehbuch: Der Polizei berichtete der Jüngere, die beiden Älteren hätten ihn, der gar keine Geschäfte abschließen darf, mit Gewalt zum Abschluss der Verträge genötigt und ihm angedroht, er werde „totgeschlagen“, sollte er dies nicht tun.

Teure Streichelbildschirme zu Geld gemacht

Während die Ermittlungen in Gang kamen, machten die beiden Männer die teuren Streichelbildschirme zu Geld, was sie gut brauchen konnten: arbeitslos und Hartz-IV-Empfänger beide, der eine dazu spielsüchtig. Kurze Zeit später stand die Polizei vor der Tür. Was die Angeklagten laut Staatsanwaltschaft dazu brachte, ihrem Helfershelfer ein weiteres Mal den Totschlag anzudrohen – diesmal für den Fall, solle er im Prozess verraten, was gelaufen sei.

Mit ängstlichem Blick

Also fragte der Richter den als Zeugen geladenen Heranwachsenden, ob er unter Druck gesetzt worden sei. Unter den Argusaugen der Großfamilie der Angeklagten wand sich der schmächtige I-Phone-Beschaffer auf dem Zeugenstuhl, immer mit ängstlichem Blick auf die beiden stämmigen Angeklagten: Nein, bedroht worden sei er nicht. Ja, er habe keinen Ärger haben wollen. Und eigentlich habe er schon vergessen, was überhaupt geschehen sei.

Mit Zähneknirschen

Die Folge: Mit Zähneknirschen sahen Staatsanwältin und Richter zu, wie sich der Vorwurf der Erpressung zumindest juristisch in Schall und Rauch auflöste. Plötzliche Gelassenheit auf der Anklagebank – aber nur kurz: Dann sei es wohl Betrug zu Lasten des Telefonanbieters gewesen, weil von vornherein klar gewesen sei, dass niemand gezahlt hätte, so das Gericht. Also: 800 Euro Geldstrafe für jeden – aber keine Haft.