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Göttingen Stein-Preis geht an Henry G. Brandt
Die Region Göttingen Stein-Preis geht an Henry G. Brandt
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19:16 25.08.2011
Von Jörn Barke
Brückenbauer zwischen Religionen: Henry G. Brandt.
Brückenbauer zwischen Religionen: Henry G. Brandt. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Auch in schwierigen Zeiten – etwa bei der Debatte um die Neufassung der Karfreitagsfürbitte – habe er in seinen öffentlichen Ämtern den Gesprächsfaden zur katholischen Kirche nicht abreißen lassen. Als Landesrabbiner in Niedersachsen von 1983 bis 1995 habe er dazu beigetragen, dass die Jüdische Gemeinde Göttingen 1994 neu gegründet werden konnte.

In der Synagoge eben jener Gemeinde fand gestern Nachmittag die Vorstellung des Preisträgers statt. Der Ort war jedoch nicht nur im Hinblick auf ihn, sondern auch auf die Namensgeberin des Preises gewählt. Edith Stein (1891 bis 1942), die aus einem jüdischen Elternhaus stammte, konvertierte zum Katholizismus und wurde Ordensfrau. Sie blieb jedoch auch ihren jüdischen Wurzeln treu, indem sie schon zu Beginn des Nazi-Regimes die antijüdische Hetze anprangerte. Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft wurde sie 1942 in Auschwitz ermordet.

Die 1998 heilig gesprochene Stein sei wegen ihres Übertritts zum Katholizismus aus jüdischer Sicht nicht unumstritten, sagte Brandt. Er habe sich nach der Beratung mit Kollegen jedoch entschlossen, den Preis dankbar anzunehmen. Es sei wichtig, über religiöse Grenzen hinweg zu kommunizieren. Der 83-jährige Brandt wirkt noch immer als Rabbiner in Augsburg.