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Göttingen Was passiert mit den Trümmern der Gründerzeit-Villa?
Die Region Göttingen Was passiert mit den Trümmern der Gründerzeit-Villa?
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10:00 25.10.2019
Der acht Monate nach dem Villen-Abriss am Friedländer Weg noch nicht beseitigte Trümmerhaufen zeugt von den verhärteten Fronten zwischen Investor und Stadtverwaltung. Quelle: Kuno Mahnkopf
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Göttingen

Acht Monate nach dem zum Politikum gewordenen Abriss der Unternehmervilla aus der Gründerzeit am Friedländer Weg 4 liegt auf dem Grundstück immer noch ein Trümmerhaufen. Das könnte auch noch längere Zeit so bleiben. Zurzeit herrscht Funkstille zwischen Investor und Stadtverwaltung.

„Das stört sehr, zumal man nicht weiß, wie es weitergehen soll“, sagt Nachbar Burkhard Kühn und hegt weiterhin Befürchtungen wegen der möglichen Dimension der neuen Bebauung, da ursprünglich 20 Wohneinheiten inklusive Tiefgarage angedacht waren. Die Situation ist nicht nur für die Nachbarn, die ständig den Schuttberg vor Augen haben, unbefriedigend.

„Unbefriedigende Situation“

Auch der Göttinger Rechtsanwalt Hannes Joachim Synofzik, der den Grundstückseigentümer – die Cityinvest Berlin GmbH mit Geschäftsführerin Lilly Franke – vertritt, spricht von einer „total unbefriedigenden Situation“. Seit Monaten habe er nichts von der Stadt gehört, die sich offenbar in den Schmollwinkel zurückgezogen habe: „Die lassen uns am ausgestreckten Arm verhungern.“ Die Stadtverwaltung habe eine Veränderungssperre verhängt, um einen neuen Bebauungsplan zu erarbeiten. Bis dahin wisse der Eigentümer nicht, wie es weitergeht und was er dort planen könne. Immerhin sei in den nächsten Wochen ein Gespräch mit dem Bauamt in Aussicht gestellt worden.

Stadtbaurat Thomas Dienberg hatte vor Ort den umstrittenen Abriss zunächst stoppen lassen. Die Bagger waren am frühen Sonnabendmorgen angerückt – einen Tag nach dem Beschluss im Rat der Stadt, im Zusammenhang mit der Aufstellung des Bebauungsplanes „Westlich Friedländer Weg“ eine Veränderungssperre zu verhängen. Bislang gibt es für diesen von Altbauten geprägten Bereich keinen Bebauungsplan, damit auch keinen Bestandsschutz und kein planungsrechtliches Instrument, den Charakter des unteren Ostviertels zu bewahren. Rechtswirksam war die Veränderungssperre zum Zeitpunkt des Abrisses allerdings noch nicht.

Die Fronten sind verhärtet

Nach dem Teilabriss schaltete die Stadt einen Statiker ein, zur Gefahrenabwehr wurden auch die noch stehenden Gebäudereste abgerissen. Seitdem hat sich nichts getan. Die Ostviertel-Villa, die nicht unter Denkmalschutz stand, sei nach einem Wasserschaden marode gewesen, der Abrissstopp ohne Rechtsgrundlage erfolgte, bemängelte Synofzik. Die Fronten sind verhärtet. Auch der Investor stellt sich stur, indem er den Bauschutt vorerst liegen lässt. „Wir dürften die Trümmer beseitigen, wollen vor Start des Neubaus aber auch aus Kostengründen nicht noch einmal eine Baufirma anrücken lassen“, sagt Synofzik. Zurzeit gebe es keinen Rechtsstreit mit der Stadt, die geplanten 20 Wohneinheiten seien Verhandlungssache: „Wir wären zu Abstrichen bereit. Es muss aber doch möglich sein, eine Aussage zu treffen.“

Verwaltung hüllt sich in Schweigen

Während der Anwalt deutliche Worte findet, hält sich die Stadtverwaltung komplett bedeckt. „Auf dem Grundstück befinden sich keine Bauteile mehr, die einstürzen können“, sagt Verwaltungssprecher Dominik Kimyon: „Insoweit ist das Gefahrenpotenzial beseitigt, zudem ist das Grundstück umzäunt.“ Zu weiteren Nachfragen hüllt sich Kimyon in Schweigen: „Weitere Angaben zu etwaigen Bauantragsverfahren etc. sind aus Gründen des Datenschutzes nicht möglich.“

Fraktionsübergreifend war der Abriss der quartierstypischen Villa auf scharfe Kritik gestoßen. Unter anderem hatte Bauausschussvorsitzender Hans Otto Arnold (CDU) von „einem dumm-dreisten Versuch“ gesprochen, „in einer Nacht- und Nebelaktion Profitinteressen zu wahren“. Der erklärte Wille von Fachausschuss, Rat und Verwaltung sei mutwillig niedergewalzt worden.

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Von Kuno Mahnkopf

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