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Göttingen Stockleffmühle: Arbeit an der Substanz
Die Region Göttingen Stockleffmühle: Arbeit an der Substanz
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20:48 02.01.2014
Von Michael Brakemeier
Lagebesprechung: Sonja Stadje und Klaus Oerten von der Städtischen Wohnungsbau vor freigelegtem Fachwerk.
Lagebesprechung: Sonja Stadje und Klaus Oerten von der Städtischen Wohnungsbau vor freigelegtem Fachwerk. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Die Wände sind bereits weitgehend vom Putz und Verkleidungen befreit. Mächtige Eichenbalken und Ziegelsteine sind freigelegt, dicke Stahltrosse ziehen sich vom Erdgeschoss in die darüberliegenden Stockwerke, um das Gebäude zu sichern. Vier bis fünf Helfer, die der Förderverein der Straßensozialarbeit engagiert hat, sind seit November mit den Freilegungsarbeiten beschäftigt.

„Die Mühle ist ein Überraschungsei“, sagt Sonja Stadje von der Firma Arcontor aus Wolfenbüttel, die die Arbeiten archäologisch begleitet. Unterlagen oder Baupläne zur Mühle gebe es nicht. Daher sei auch nicht immer klar, welche Wände original sind oder nachträglich – hauptsächlich in den 60er Jahren – eingezogen wurden.

Drei Dinge lassen sich schon jetzt sagen: Das Fachwerk der Fassade ist eine Attrappe. Balken eines anderen Fachwerkbaus – vermutlich die der 1492 abgerissenen Weender Mühle – sind im Innern der Stockleffmühle verbaut worden. Schnitzereien deuten darauf hin. Der riesige, zweigeschossige Dachboden weist an einigen Stellen stärkere Schäden auf als vermutet. Einige Balken sind morsch und durchgefault.

Am Leinekanal in Göttingen steht die Stockleffmühle.Seit 1305 ist die Mühle bekannt, 1882 wurde der Betrieb eingestellt. 1924 ließ die Stadt Wohnungen einbauen. Jetzt wird das Denkmal feeigelegt. Hintergrund der Arbeiten ist das Ziel, ein Konzept für die Nachnutzung des denkmalgeschützten Gebäudes zu erarbeiten.

Hintergrund der Arbeiten ist das Ziel bis zum Frühjahr ein Konzept für die Nachnutzung des denkmalgeschützten Gebäudes zu erarbeiten, mögliche Gebäudeschäden zu sichten und den Sanierungsbedarf zu ermitteln. Nachdem kein privater Investor Interesse an dem Mühlengebäude gezeigt hatte, ist nun die Städtische Wohnungsbaugesellschaft damit beauftragt, dieses Nutzungskonzept zu erarbeiten. Der Stadt als Eigentümerin der Mühle schwebt eine gastronomische Nutzung vor.

Ursprünglich war geplant, dass die Freilegungsarbeiten bis Ende Januar abgeschlossen sind. Rolf-Georg Köhler, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft, sieht allerdings „schwarz“, dass dieser Termin eingehalten werden kann. Die Arbeiten seien doch sehr zeitaufwändig. „Es ist ein komplizierter Prozess.“

Stadtsprecher Detlef Johannson ergänzt: „Erst anschließend und in Kenntnis der Ergebnisse können wir dann etwas zum weiteren Vorgehen sagen.“ Er betont, dass die Arbeiten „in engster Abstimmung“ mit der Unteren Denkmalschutzbehörde und der Stadtarchäologie erfolgen und von einem Statiker begleitet werden. Sie seien von der Denkmalschutzbehörde vorab genehmigt worden.

Geschichte der Großen Mühle

Benannt ist die Stockleffmühle nach einem Göttinger Bürgergeschlecht. Seit 1305 ist die Mühle durch die verliehene „Mehlmetze“ (Mahlzwang) bekannt, wie Helga-Maria Kühn in dem Buch „Hundert Häuser, hundert Tafeln“ schreibt. Nach dem Abriss der Weender Mühle 1492 wurde die Stockleffmühle um 1500 erweitert, die seitdem auch Große Mühle genannt wird. Sie besaß acht Mahlwerke und ein Schlagwerk. Aus dieser Zeit stammt vermutlich die bis heute erhaltene Mauer am Leinekanal. Das heutige Mühlengebäude stammt vom Beginn des 17. Jahrhunderts, wie der Diplom-Geograf Jan Wilhelm 2007 in einem Kurzgutachten feststellte. 1882 wurde der Mühlenbetrieb eingestellt, das Gebäude als Lagerraum verpachtet. 1924 ließ die Stadt Wohnungen einbauen. Für den Bau der beiden Stadtbäder wurde zunächst 1906 und dann 1967 der nördliche Teil des Mühlengebäudes abgerissen.

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