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Göttingen Stockleffmühle Göttingen: Gutachten soll Zukunft klären
Die Region Göttingen Stockleffmühle Göttingen: Gutachten soll Zukunft klären
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00:17 03.06.2013
Von Michael Brakemeier
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Göttingen

Das Fachwerkgebäude ist in keinem guten Zustand. Eine im November begonnene Freilegung der originalen Gebäudestruktur hat Bauschäden und massive Umgestaltungen an der Hausstruktur offenbart.

Nur noch wenig, so zumindest der erste Eindruck, den die mit der Freilegung betreute Städtische Wohnungsbau gewonnen hat, ist vom Originalhaus erhalten geblieben. Balken des Dachstuhls und der Fassade sind durchgefault. Die ursprünglichen Fachwerkbalken des um 1600 gebauten Hauses sind im Zuge jahrhundertelanger Umbauten durchgesägt worden – teilweise tragende Balken.

Das Fachwerk der Fassade ist eine darauf genagelte Attrappe. Dahinter faulen die Balken. Ursprüngliche Fachwerkstrukturen sind außen grob durch Ziegel oder Glasbausteine ersetzt worden. Im Innern sind die Eichenbalken durch Fichte ersetzt worden.

„Die Mühle ist ein Überraschungsei“, hatte Sonja Stadje von der Firma Arcontor, die die Arbeiten archäologisch begleitete, im Dezember gesagt. Unterlagen oder Baupläne zur Mühle hat es nicht gegeben. Selten sei klar gewesen, welche Wände original sind oder nachträglich – hauptsächlich in den 60er Jahren – eingezogen wurden.

Massive Umgestaltungen des Originalgebäudes aus dem 17. Jahrhundert.

Die Kosten für die Freilegung beziffert Wohnungsbau-Geschäftsführer Rolf-Georg Köhler zwischen 50 000 und 60 000 Euro. Hätte man nicht den Verein Förderer der Straßensozialarbeit damit beauftragt, hätte die Freilegung, so Köhler, „locker“ das Vierfache gekostet.

Inzwischen hat die Stadt Angebote für ein Denkmalschutzgutachten eingeholt, einen Auftrag dafür aber noch nicht vergeben. Das Gutachten soll Erkenntnisse liefern, was und wie viel von der Mühle schützenswert ist. „Nach Vorlage des Gutachtens werden die städtische Immobilienverwaltung und die Städtische Wohnungsbau das Ergebnis gemeinsam auswerten und einen Verfahrensvorschlag machen“, kündigt Verwaltungssprecher Detlef Johannson an.

Die jetzt erfolgte Freilegung der Mühle habe die Erkenntnis gebracht, dass der Dachstuhl aus der Zeit um 1600 stamme. „Wir haben aber leider sehen müssen, dass die alte Bausubstanz zum Teil bereits stark angegriffen worden ist, weil in der Vergangenheit dem Denkmalschutz offenbar zu lange zu wenig Rechnung getragen wurde“, sagt Johannson. Die Mühle befindet sich seit mindestens 1924 im Besitz der Stadt, seit Jahren ist sie ungenutzt.

Trotz aller Schäden und angegriffener Bausubstanz: „Abrissüberlegungen bestehen nicht“, macht Johannson klar. Stattdessen bevorzugt die Stadt für das Gebäude eine gastronomische Nutzung. Andere Nutzungen, wie etwa Galerie oder Büros, seien aber auch nicht ausgeschlossen, sagt Johannson.

Vom Ergebnis des Gutachtens und den sich daraus ergebenen Auflagen des Denkmalschutzes erwüchsen die „Verpflichtungen für den neuen Eigentümer“. Diese könnten sich „durchaus auf die Preisgestaltung“ auswirken. Derzeit gibt es keinen konkreten Interessenten für die Mühle. Derweil reißt Fortuna weiter an dem Haus.