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Göttingen Stolpersteine in Göttingen: Kritik an Lösung
Die Region Göttingen Stolpersteine in Göttingen: Kritik an Lösung
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21:00 23.08.2013
Von Michael Brakemeier
Stolpersteine in der Duderstädter Fußgängerzone. Hier vor Bäckereifachgeschäft Bock. Quelle: EF
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Göttingen

Einzige Bedingung: Nachfahren und Angehörige der Opfer müssen der Verlegung der Stolpersteine zustimmen. So sieht es eine Lösung vor, die der Kulturausschuss des Rates am Donnerstag einstimmig verabschiedet hat.

Jüdische Kultusgemeinde lehnt Form des Gedenkens ab

Während die jüdische Gemeinde und die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit diese Lösung mittragen, lehnt die jüdische Kultusgemeinde diese Form des Gedenkens weiter ab. In einer Verwaltungsvorlage heißt es zwar, dass die Kultusgemeinde ihre bisherige ablehnende Haltung aufgegeben hätte, ihre Vorsitzende Eva Tichauer-Moritz machte in der Sitzung aber deutlich: „Wir haben uns geschlagen gegeben. Wir sind aber noch lange nicht dafür.“

Den Namen Gottes nicht mit Füßen betreten

Hauptgegenargument ist, dass die Namen vieler jüdischer Personen den Namen Gottes enthielten und dieser nicht mit Füßen betreten werden dürfe. Die Kultusgemeinde hatte ihrerseits Vorschläge gemacht, wie der Opfer angemessener gedacht werden kann, etwa durch Stelen vor den Häusern oder Tafeln an den Straßen.

Enttäuschung

Enttäuscht zeigt sich Tichauer-Moritz, dass diese Vorschläge „nicht interessierten“.In einem Brief appelliert sie an Politik, Verwaltung und die jüdischen Gemeinden, sich um „alle Juden“ aus Stadt und Kreis zu kümmern und nicht nur um ausgesuchte, weil das bequemer sei und das Gewissen beruhige.

Tichauer-Moritz: „Wir müssen – und wollen – ja auch mit Ihnen leben und akzeptieren Sie mit all Ihren Ecken und Kanten.“

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