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Göttingen Strafanzeigen gegen Polizisten
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00:18 21.12.2017
Nach Razzia: Strafanzeigen gegen Polizisten Quelle: Brakemeier
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Göttingen

Adam hegt Zweifel an den Darstellungen der Polizei nach den Durchsuchungen am 5. Dezember in Göttingen: „Die mir gegenüber abgegebenen Schilderungen der Ereignisse haben jedenfalls mit der offiziellen Schilderung durch die Polizei von angeblichen Straftaten ausgerechnet der Verletzten nichts zu tun.“ Ein Ermittlungsverfahren durch die Staatsanwaltschaft werde zur Aufklärung beitragen, wenn die an der Gewalt beteiligten und bislang unbekannten Beamten ebenfalls Rede und Antwort stünden, erklärte Adam.

Auffliegende Tür, „rabiate“ Polizei

Nach Schilderungen Adams sollen vermummte und bewaffnete Bereitschaftspolizisten einen unbeteiligten Bewohner am Kopf und Brustkorbs verletzt haben. Trotz eines Angebotes an die Polizei, die Wohnungstür aufzuschließen, um ein Aufbrechen der Tür zu verhindern, habe die Polizei die Tür aufgebrochen. Die auffliegende Tür habe seinen Mandanten, der sich hinter der Tür in der Wohnung aufhielt, am Kopf getroffen. Anschließend sei er von den Polizisten „derart rabiat“ auf dem Bauch fixiert worden, dass der 27-Jährige eine Brustkorbprellung erlitt, zeitweise kaum atmen konnte und mit dem Rettungswagen ins Klinikum gebracht werden musste. Der Mann, so Adam, habe nach seinen Angaben weder Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte geleistet noch sich anderweitig strafbar gemacht oder sich unkooperativ verhalten.

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Prellung, Schürfwunde, geschwollenes Auge

Der 30-jährige Bruder des Verletzten, der in einer anderen Wohnung in dem Haus wohnt, habe sich nach dem Zustand seines Bruders erkundigen wollen. Dabei sei er von vier vermummten Polizeibeamten ebenfalls so zu Boden gebracht geworden, dass er sich eine Prellung und Schürfwunde am Kopf und ein geschwollenes Auge zuzog. Auch er habe seinen Angaben zufolge keinerlei Widerstand gegen Beamte geleistet oder überhaupt körperlich gegen Polizeibeamte gewirkt, schildert Adam.

Die federführende Polizei in Hamburg hatten diesen Hergang schon am 5. Dezember gegenüber dem Tageblatt nicht bestätigt. Eine Person sei ins Krankenhaus gebracht worden, sagte Polizeisprecher Ulf Wundrack. Er widersprach der Aussage, dass sie durch den Polizeieinsatz verletzt worden sei. „Die Person hat über Atemnot geklagt und ist mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht worden.“ Nach seinen Angaben hatte sich ein Hausbewohner der Polizei widersetzt.

Polizei sucht mit Fotos und Videos nach G20-Tätern

Gut fünf Monate nach den G20-Krawallen haben die Hamburger Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag mit einer umfangreichen Öffentlichkeitsfahndung nach 104 noch nicht identifizierten Tatverdächtigen begonnen. Sie veröffentlichten Fotos und Videosequenzen, auf denen die mutmaßlichen Gewalttäter zu erkennen sind.

Die Antifaschistische Linke International aus Göttingen kritisiert sowohl das Vorgehen der Polizei bei den Hausdurchsuchungen in Göttingen als auch die begonnene Öffentlichkeitsfahndung der Hamburger Polizei.

So behauptete die Polizei sofort, es sei bei der Hausdurchsuchung niemand durch Einsatzkräfte verletzt und nur eine Person wegen Atemnot im Krankenhaus behandelt worden. Der zweite Verletzte sei ganz unterschlagen worden. Ähnlich sei das Vorgehen bei der anschließenden Demo gewesen. Ein Video zeigt, wie ein Ordner mehrmals mit Fäusten und Schlagstöcken geschlagen wird und das Bewusstsein verliert. Zunächst berichtet die Polizei von keinem Verletzten. Bei Demo und Hausdurchsuchungen lautet der Vorwurf gegen die Verletzten jedoch „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“. Zu sehen sei das auf dem Demo-Video nicht.

Erst prügele die Polizei, dann wurden die Zusammengeschlagenen kriminalisiert, sagte eine Ali-Sprecherin. Das sei die gleiche Strategie wie schon beim G-20-Gipfel in Hamburg.

Von Michael Brakemeier