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Göttingen Trockenheit: Bäume an der B3 werden gefällt
Die Region Göttingen Trockenheit: Bäume an der B3 werden gefällt
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09:17 12.09.2019
Eiche mit Baumpilz: Feldmann, Weber, Fürsten, Hluschi, Bartens, Steinmetz und Grabe. Quelle: Niklas Richter
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Groß Ellershausen

Bis zu 180 Jahre alt sind die Laubbäume, die im Groner Holz wachsen. Etliche haben die beiden trockenen Sommer 2018 und 2019 nicht oder mit massiven Schäden überlebt. Um zu verhindern, dass die Stämme auf die Straße krachen, werden die Bäume gefällt. Ab Dienstag, 17. September, müssen Autofahrer auf der Bundesstraße 3 zwischen Groß Ellershausen und Dransfeld deshalb mit Verkehrsbehinderungen rechnen.

Blick in zwei Baumkronen nahe der B3: Die linke Buche ist abgestorben und könnte bei einem Sturm auf die Straße fallen. Quelle: Niklas Richter

Das Groner Holz, der Wald, der an Groß Ellershausen, Ossenfeld und Klein Wiershausen grenzt, ist ein Genossenschaftwald, zuständig dafür sind die Realgemeinden der umliegenden Orte. Es ist ein alter Wald. Ein Mischwald, keine Monokultur. Auf den flachgründigen Kalkböden oberhalb des Leinetals wachsen Buchen, Eichen, Ahorn, Eschen. Nun müssen etliche von ihnen gefällt werden. „Wir müssen die Bäume entlang der Straße aus Sicherheitsgründen entfernen“, sagt Ralf Bartens von der Realgemeinde Groß Ellershausen. Gemeinsam mit seinen Kollegen Jan Hendrik Hluschi, Jens Steinmetz und Burkhard Grabe von der Realgemeinde Grone, den Vertretern der Forstämter Barterode und Dransfeld sowie Stephan Fürsten von der Landesbehörde für Straßenbau macht er sich ein Bild vom Ausmaß der Schäden. „Wie viele Bäume wir entnehmen müssen, ist schwer zu beziffern“, sagt Raimund Weber, Förster in Barterode. Sicher ist, dass etwa auf zwei Kilometern Länge entlang der Bundesstraße im Wald viele Stämme abgeholzt werden. Und zwar auf beiden Straßenseiten auf einem etwa 50 Meter breiten Streifen entlang der Fahrbahn.

Berufsverkehr: Fällarbeiten zwischen 9 und 15 Uhr

Das geht natürlich kaum, wenn Auto dort entlang fahren. „Während der Fällarbeiten werden wir Ampeln aufstellen“, erklärt Fürsten. „Mit Rücksicht auf den Berufsverkehr gilt das ab 9 und etwa bis 15 Uhr“, erklärt er. In dieser Zeit kann es dann zu Verkehrsbehinderungen kommen. „Es kann schon mal sein, dass Autofahrer einige Minuten vor der roten Ampel warten müssen“, sagt der Leiter der Straßenmeisterei. Der Verkehr werde dann gestoppt, wenn ein Baum auf die Straße zu fallen droht.

Vor allem viele der Buchen im Groner Holz sind vertrocknet. Nur noch wenige, braune und welke Blätter hängen an den Ästen mancher Bäume. „Vor allem an den Kronen erkennt man die Schäden“, sagt Förster Alexander Feldmann aus Dransfeld. Dort, wo kaum noch grün zu erkennen ist, ist der Baum geschädigt. Auch wenn sich derzeit auch an gesunden Bäumen das Laub gelblich verfärbt, der Unterschied ist deutlich sichtbar.

Auf den ersten Blick vital, auf den zweiten nicht

Die Fachleute haben bereits seit Juli immer wieder Kontrollen unternommen. Selbst einige Bäume, die auf den ersten Blick grün und kerngesund wirken, sind auf den zweiten Blick morbide. „Hier dieser schwarze Baumpilz“, sagt Weber. Am Stamm einer majestätischen Eiche wuchert knapp über dem Boden ein schwarzer Schwamm. Das sei ein Zeichen dafür, dass der Baum stirbt. Oberhalb des Pilzes ein weiteres Zeichen: „Schleimfluss“, so Weber. Diese Eiche muss weichen. Der Großteil der maroden Bäume sind allerdings Rotbuchen. Die Eichen und die Eschen im Wald der Realgemeinden haben die Trockenheit besser verkraftet, so Hluschi.

Gewinn machen die Realgemeinden mit dem Holz vermutlich nicht. Schadholz bringt wenig ein, die Fällarbeiten kosten Geld. Und: „Dieser Wald ist die Arbeit von Generationen“, sagt Grabe. Ein Teil davon ist bald Geschichte.

Interview mit Forstamtsleiter Axel Pampe:

Jeder fünfte Baum in der Region stirbt

Axel Pampe, Leiter Forstamt Reinhausen. Quelle: Christina Hinzmann

Mehr als 10.000 Hektar Wald in Südniedersachsen werden vom Landesforstamt Reinhausen betreut. Leiter Axel Pampe schätzt, das bis zu 20 Prozent des Waldes in der Region geschädigt sind.

Wie groß ist die Fläche, die das Forstamt Reinhausen betreut? Und: wie groß ist der Anteil der geschädigten Wälder?

Wir bewirtschaften rund 7.100 Hektar Landeswald und betreuen etwa 10.600 Hektar Wald von Forstgenossenschaften und Realgemeinden. Aktuelle Zahlen zum Flächenausmaß der Schäden gibt es nicht. Gutachtlich geschätzt würde ich sagen, dass rund 15 bis 20 Prozent der Wälder in der Region Göttingen stark geschädigt sind – bis hin zum Totalverlust – meist durch Sturm und Borkenkäfer. Weitere 30 Prozent zeigen deutliche Stresssymptome. Der Rest, meist jüngere Bestände, ist aktuell noch einigermaßen gesund.

Ist es die Trockenheit oder spielen andere Faktoren, wie Schädlinge, beim Waldsterben in der Region eine Rolle?

Der erste große Schaden trat durch den Sturm Friederike im Januar 2018 auf. Danach folgte monatelange Dürre. In Göttingen fielen 2018 nur zwei Drittel des langjährigen mittleren Niederschlags. Beides zusammen begünstigte die Ausbreitung des Borkenkäfers. Deshalb lag der Schaden zunächst vor allem in der Fichte. Inzwischen machen sich aber Dürreschäden zunehmend auch bei anderen Baumarten bemerkbar. Bei Buchen, die sich im Trockenstress befinden, kann es in der Folge zur Ausbreitung von Pilzen kommen, die sich am Stamm als schwarze Flecken, dem Schleimfluss bemerkbar machen. Diese Bäume haben meist keine günstige Prognose.

Im vergangenen Jahr waren es bereits die Nadelbäume, welche Arten sterben jetzt?

Die Buche macht uns am meisten Sorgen. Schon im Frühjahr fiel auf, dass einzelne Buchen nur noch spärlich oder gar nicht mehr austrieben. Inzwischen sind viele ältere Buchenbestände schwach belaubt oder bilden Totäste aus. Aber auch andere heimische Laubbaumarten, wie der Bergahorn oder die Hainbuche sehen teilweise bedenklich aus. Viele Exemplare tragen mehr Früchte als Blätter, was als Stresssymptom zu deuten ist.

An welchen Standorten im Landkreis ist das Waldsterben besonders schlimm?

Mein Eindruck ist, dass die trockeneren Kalkböden, wie im Plessewald, aber auch zur Wechselfeuchte neigende Tonstandorte wie bei Holzerode besonders betroffen sind. Die Schäden an exponierten sonnseitigen Hängen sind stärker als an geschützten Schatthängen. Auffällig ist, dass unsere dicht geschlossenen Naturwaldreservate, wie der seit 50 Jahren nicht mehr forstlich genutzte Naturwald Hünstollen, offenbar genauso stark betroffen sind wie die umgebenden Wirtschaftswälder.

Gibt es Bäume, die die Trockenheit gut – oder zumindest besser vertragen?

Aktuell scheinen die an Trockenheit oder Witterungsschwankungen besser angepassten Baumarten wie Eiche, Kiefer oder Douglasie aber auch Spitzahorn und Elsbeere etwas besser zurechtzukommen.

Welche Konsequenzen müssen Waldbesitzer und Verantwortliche ziehen, wie sieht der Wald der Zukunft aus?

Wir müssen zunächst die Anbaueignung unserer Baumarten unter sich ändernden Klimabedingungen überprüfen. Das ist für die Landesforsten bereits geschehen. Daraus ergeben sich neue waldbauliche Ziele. Wo früher Fichte oder Buche verjüngt wurden, wird es auf manchen Standorten morgen Eiche, Douglasie oder sogar Kiefer sein. Der Wald muss gemischt aufgebaut werden, um das Risiko zu streuen. Wir geben dabei aber unsere Buchen und Fichten noch nicht auf, sondern integrieren sie, vor allem dann, wenn sie sich natürlich verjüngen. Der Waldumbau vollzieht sich allmählich, er ist ein Generationenprojekt. Die wichtigste Aufgabe für uns alle liegt aber in der Bekämpfung des Klimawandels auf allen Ebenen.

Können Waldbesitzer überhaupt noch so wirtschaften, dass der Wald Geld einbringt?

Das ist eine schwere Frage. Aktuell wird es für viele Waldbesitzer trotz staatlicher Förderung schwer sein, die anstehenden Kulturen zu finanzieren, da der Verkauf des Schadholzes kaum mehr die Kosten für die Ernte deckt. Wir sind aber zuversichtlich, dass mittelfristig der wertvolle Rohstoff Holz wieder seinen Preis haben wird. Hoffen wir, dass sich unsere Wälder dann wieder stabilisiert haben.

Weitere Sperrungen wegen Fällarbeiten

Nicht nur die Bundesstraße 3 zwischen Groß Ellershausen und Dransfeld wird gesperrt, auch weitere Bundes- und Landesstraßen im Landkreis sind betroffen. Wie der Leiter der Straßenmeisterin Göttingen, Stephan Fürsten, mitteilt, werden folgende Straßen wegen der Baumfällungen zeitweise oder ganz gesperrt:

Bundesstraße 3, zwischen Groß Ellershausen und Dransfeld: Die Arbeiten im Groner Wald starten in der 38. Kalenderwoche, am Dienstag, 197. September, 9 Uhr.

Sperrung B 446 bei Billingshausen. Quelle: Landesbehörde für Straßenbau

Bundesstraße B446 zwischen Billingshausen und Holzerode: Diese Arbeiten sollen zeitgleich mit der Sperrung der Ortsdurchfahrt Reyershausen erfolgen. Während der Arbeiten soll Fürsten zufolge eine Umleitungsstrecke ausgewiesen werden. Die genaue Abstimmung stehe aber noch aus, als Zeitraum wird Mitte Oktober genannt. Auch dort müssen die Niedersächsischen Landesforsten Bäume fällen.

Sperrung B3 Hann.Münden. Quelle: Landesbehörde für Straßenbau

Bundesstraße 3 und Bundesstraße 80 im Bereich Hann. Münden: Dort sollen die Arbeiten in der 44. Kalenderwoche, also in der letzten Oktoberwoche beginnen. Fürsten rechnet mit etwa zwei bis drei Wochen mit Verkehrsbehinderungen. Betroffen sind die B3 ab Ortsausgang Hann. Münden in Richtung Kassel und die B 80 ab Ortsausgang in Richtung Norden. Dort ist die Hessische Forstverwaltung tätig.

Sperrung Ischenrode. Quelle: Landesbehörde für Straßenbau

 Landesstraße 567 bei Ischenrode: Zwischen Lichtenhagen und Ischenrode wird die Straße ebenfalls gesperrt, wann, das sei aber noch unklar. Dort sei ein privates Forsthaus tätig.

Sperrung B561 bei Hemeln. Quelle: Landesbehörde für Straßenbau

Landesstraße 561 zwischen Hemeln und bis hinter BursfeldeDort sollen die Arbeiten voraussichtlich in den Herbstferien erfolgen, allerdings unter einer Vollsperrung mit Umleitungsverkehr. Dort, so Fürsten, komme man um eine Vollsperrung nicht umhin.

Bei allen Sperrungen – mit Ausnahme der L561 – müssen die Verkehrsteilnehmer im Zeitraum 9 bis 15 Uhr mit Wartezeiten vor Baustellenampeln rechnen. Für die Arbeiten im kritischen Bereich werden diese zeitweise auf Dauerrot gestellt.

Der Zeitplan könne sich noch ändern.

Von Britta Bielefeld

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