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Göttingen Winkelgasse, Atzenhausen: Die Halbwertzeit von Straßenschildern
Die Region Göttingen Winkelgasse, Atzenhausen: Die Halbwertzeit von Straßenschildern
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15:41 24.09.2019
Ortsschilder von Atzenhausen sind schon mehrfach gestohlen worden. Zu verdanken hat der Ort dies wahrscheinlich seiner Namensverwandtschaft mit der Berliner Partyband „Die Atzen“. Foto: dpa
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Frisch geprägte Straßenschilder liegen auf dem Schreibtisch von Bürgermeister Johann-Karl Vietor (CDU). Oben auf liegt die „Winkelgasse“. Der Gemeindechef von Waake muss ein bisschen schmunzeln, als er danach befragt wird. Das Winkelgassen-Schild verschwindet in Waake nämlich hin und wieder spurlos. Oft komme das nicht vor, winkt Vietor ab, geschätzt vielleicht drei- bis viermal in den vergangenen zehn Jahren.

Der Bürgermeister vermutet, dass sich Fans der Harry-Potter-Geschichten bedienen, Souvenir-Jäger also. Ansonsten haben Waake und der Ortsteil Bösinghausen keine größeren Probleme mit dem Straßenschilderklau. Vietor berichtet lediglich noch von einem Vorfall, den er mit „nächtlichem Randalieren“ in Verbindung bringt. Ein Straßenschild ist kürzlich von Unbekannten ausgegraben worden. Der Sachschaden habe maximal 150 Euro betragen.

Wie sieht es in anderen Gemeinden aus? Ist das Thema von Bedeutung und wenn ja, welche Halbwertzeit haben welche Straßenschilder?

Ludolfshausen-Schild war 2011 begehrt

Ortsschild von Ludolfshausen fiel auch schon Dieben zum Opfer. Quelle: Christina Hinzmann

„In der Gemeinde Friedland werden keine Straßennamensschilder entwendet“, winkt Johann Schustek ab. Jedenfalls nicht aktuell. Der Diebstahl von derartigen Gegenständen komme aber immer mal wieder in unbestimmten Zyklen vor, „nicht wirklich erklärbar“, wie der Leiter des Fachbereiches Ordnungswesen hinzufügt. Es ist schon eine Weile her, da hatte die Gemeinde Friedland ein echtes Problem mit dem Diebstahl von Ortsschildern. Die gelben Ortsschilder des Ortsteiles Ludolfshausen sind im Jahr 2011 mehrfach abgebaut und entwendet worden. Hier sei ein deutlicher Bezug zu der Fernsehserie „Die Ludolfs“ zu sehen, meint Schustek. Auch das Ortsschild des Friedländer Ortsteiles Mollenfelde musste schon ersetzt werden.

„Dafür gibt es keine Ausrede“

Ebenfalls vor gut acht Jahren sind offenbar vermehrt Freunde der Berliner Partyband „Die Atzen“ ins Göttinger Land gereist, um in Atzenhausen, einem Ortsteil von Rosdorf, die Ortsschilder zu klauen. Die Sprecherin der Polizeiinspektion Göttingen, Jasmin Kaatz, kann sich daran gut erinnern. Die Frage, ob so eine Tat von der Polizei wegen der dahinter steckenden ideellen Leidenschaft eher milde beurteilt wird, verneint sie vehement. „Das ist Diebstahl! Dafür gibt es keine Ausrede“, betont sie.

Auch Schustek will kein Auge zudrücken: „Meine persönliche Meinung: Das als Trophäe präsentierte Schild sollte von dritten Personen nicht bestaunt und ‚anerkannt‘, sondern angesprochen und angeprangert werden. Es sind Steuermittel die hier verbrannt werden, weil andere meinen es handele sich um einen hinnehmbaren Streich oder Schabernack.“

In Hardegsen gibt es „generell“ keine Probleme mit dem Entwenden von Verkehrsschildern durch Souvenirjäger, hält Bürgermeister Michael Kaiser (parteilos) fest. Lediglich temporär für Veranstaltungen aufgestellte Schilder seien in zwei Fällen („Absolutes Haltverbot“) entwendet worden, auch ein 10-km/h-Schild an einer Brückenbaustelle in Hettensen verschwand. Kaiser: „Die Kosten wurden nicht ermittelt.“ Sie dürften sich jedoch noch in einem „überschaubaren“ Rahmen bewegen.

Inoffizielles Piktogramm fand Liebhaber

In Hann. Münden erkundigt sich Pressesprecherin Julia Bytom bei den Verwaltungsmitarbeitern des Bereiches Sicherheit und Ordnung und kann dann vermelden: „keine Vorkommnisse“. Allerdings kam im vergangenen Jahr ein nicht offizielles Hinweisschild abhanden, dass Michael Merle vom Fachbereich Kommunale Dienste sozusagen aus Nächstenliebe kreiert hatte. Auf einer Gefällestrecke zwischen Hemeln und Glashütte war zuvor ein Radfahrer verunfallt. Deshalb schuf Merle ein Schild mit einem Piktogramm, das zeigte, wie ein Radler kopfüber über den Lenker fliegt. „Es sollte für jeden verständlich sein, dass es hier eine gefährliche Strecke zu passieren gilt“, erläutert Merle. Dieses Schild fand recht schnell einen Liebhaber, eines Tages war es nicht mehr da.

Und in Göttingen? Was kommt dort so abhanden? „Straßenschilder nicht, eher ist mal das Ortsschild Nikolausberg weg. Das wird in etwa einmal im Jahr gestohlen“, informiert der Sprecher der Stadtverwaltung, Dominik Kimyon. Die Kosten für ein neues Schild liegen bei etwa 200 Euro, zuzüglich Montage.

Schilderklau kann sogar mit Freiheitsstrafe geahndet werden

Ein Einbahnstraßenschild, ein Stoppschild oder ein Ortseingangsschild scheinen für manchen Zeitgenossen die perfekte Zimmer- oder Gartendekoration zu sein. So mancher Eisenbahnerfreund würde sich über ein Andreaskreuz als Blickfang über seiner Modelleisenbahn wahrscheinlich freuen. Wer sich seinen Traum allerdings mit dem Diebstahl von Verkehrsschildern erfüllt, begeht in vielen Fällen nicht nur einen einfachen Diebstahl, sondern einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr. Der kann mit empfindlichen Geldstrafen und sogar Freiheitsentzug geahndet werden.

Der Diebstahl eines Verkehrsschilds kann unter Paragraph 315 b des Strafgesetzbuchs fallen, denn darin wurde festgehalten, dass die Sicherheit des Straßenverkehrs durch die Beschädigung oder Beseitigung von Anlagen gefährdet wird. Zudem steht bereits der Versuch des Diebstahls unter Strafe und wer vorsätzlich handelt, kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren bestraft werden. Bei Fahrlässigkeit sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren vor und in minderschweren Fällen kann auch eine Geldstrafe verhängt werden. (Quelle: www.zurecht.de)

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Von Ulrich Meinhard

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