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Göttingen Streit um Boni II in Göttingen: Wie viel Einfluss darf Kirche auf Schule haben?
Die Region Göttingen Streit um Boni II in Göttingen: Wie viel Einfluss darf Kirche auf Schule haben?
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23:17 24.10.2019
Die erste Weiche ist gestellt: Die Stadt Göttingen soll über eine Öffnung der Boni II für alle Schüler verhandeln. Quelle: Foto: Heller
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Göttingen

Die Stadt Göttingen wird mit der katholischen Kirche über eine Öffnung der Bonifatiusschule II für alle Kinder – unabhängig von der Konfession – verhandeln. Das Bistum Hildesheim soll dabei Träger der Oberschule bleiben, die Stadt aber starken Einfluss bekommen. Für diesen Weg hat sich am Donnerstagabend nach langer, kontroverser, aber überraschend sachlicher Diskussion eine große Mehrheit im Schulausschuss des Rates ausgesprochen. Einzig die SPD und der Vertreter der Lehrerschaft stimmten dagegen. Die SPD scheiterte zugleich mit ihrem Vorschlag, die Boni II komplett in die Trägerschaft der Stadt zu überführen. Abschließend muss noch der Rat entscheiden.

Mit ihrem kurzfristig eingebrachten Antrag hatten die Sozialdemokraten die anderen Parteien und Mitglieder des Ausschusses überrascht – und kassierten dafür reichlich Kritik und Unverständnis. Denn eigentlich schien der Königsweg nach monatelangen Vorgesprächen gefunden: Die bisher überwiegend katholische Oberschule Bonifatius II soll eine offene Schule für alle Kinder und Jugendlichen werden – konfessionsunabhängig. Den Vorschlag hatte das Bistum selbst ins Spiel gebracht. Damit sollen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Die Kirche will ihre Schule besser auslasten und sich generell zeitgemäß öffnen. Denn zurzeit darf sie als Konkordatsschule nur einen bestimmten Anteil nicht katholischer Schüler aufnehmen. Dadurch fehlen ihr Schüler für optimale Klassengrößen.

Stadt braucht neue Schulplätze

Die Stadt wiederum muss und will ihr Schulangebot in der Lücke zwischen Gesamtschulen und Gymnasien erweitern. Ihr Problem: Zugezogene Schüler und Kinder, die an einem Gymnasium überfordert sind, finden an den Gesamtschulen keinen Platz. Real- und Hauptschulen gibt es nicht mehr. An einer offenen Boni II könnten sie sofort in allen Jahrgängen von Klasse 5 bis 10 aufgenommen werden.

Eine Idee, die fast alle Parteien und beratenden Mitglieder im Schulausschuss überzeugt – auch die Linken. „Wir brauchen für bestimmte Schüler mehr und vor allem geeignete Schulplätze“, sagte ihr Fraktionsvorsitzender Rolf Ralle, „und dies ist ein guter Weg“.

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Das sieht die SPD anders. Nach ihrer Auffassung könnten die Schulplatz-Probleme nur wirklich gelöst werden, wenn die Stadt Göttingen hundertprozentigen Einfluss auf die Schulen hat. Das sieht sie gefährdet, wenn die Kirche weiterhin Träger der Schule bleibt. Zudem seien viele Fragen im Verhandlungsauftrag an die Stadtverwaltung vage. „Die Stadt kauft die Katze im Sack und muss dafür auch noch viel Geld bezahlen“, beklagte Ratsfrau Frauke Bury.

Rückendeckung bekam die SPD von Lehrern der Göttinger Gesamtschulen. Sie fürchten, dass eine künftig offene Boni II in kirchlicher Trägerschaft als sogenannte Angebotsschule auch Kinder ablehnen könne. „Wir können das nicht“, beklagte ein Gesamtschullehrer.

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Vertreter der anderen Parteien äußerten großes Unverständnis für den Vorstoß der SPD. „Wir haben monatelang über die Probleme und diese mögliche Lösung diskutiert – einen anderen Weg gibt es nicht“, sagte Thomas Häntsch (CDU). „Und der Vertreter des Bistums habe unmissverständlich erklärt, dass die Kirche die Boni II öffnen, aber in ihrer Trägerschaft behalten will“, ergänzte Wibke Güntzler (CDU). Vor diesem Hintergrund sei der offensichtliche Verhinderungsantrag der SPD schon jetzt zum Scheitern verurteilt, kritisierte Mehmet Tugcu (Grüne). Zudem gehe es um einen Verhandlungsauftrag, konterte Suse Stobbe (Grüne) zur Kritik, viele Fragen seien noch offen: „Ich gehe davon aus, dass wir das Ergebnis abschließend noch einmal im Rat zur Abstimmung vorgelegt bekommen.“

Die Kritik an der Glaubwürdigkeit der Kirche wies vor allem die Elternvertreterin der Boni II, Cindy Heine, zurück: „Wir sind schon jetzt eine sehr offene und interreligiöse Schule mit vielen evangelischen und auch muslimischen Schülern. Und wir wollen uns noch weiter öffnen. Ich verstehe nicht, warum die SPD solche Angst vor der Kirche hat.“

Von Ulrich Schubert

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