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Göttingen Erhalt oder Neubau: Was wird aus dem Städtischen Museum?
Die Region Göttingen Erhalt oder Neubau: Was wird aus dem Städtischen Museum?
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00:21 16.02.2019
Harrt immer noch der Sanierung: der Gebäudekomplex des Städtischen Museums im Jahr 2009. Im Hintergrund die BBSII am Ritterplan. Quelle: Christina Hinzmann / GT
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Göttingen

Erhaltung oder Neubau? Erhitzte Diskussionen gibt es derzeit ums Städtische Museum. Auch außerhalb der Region blickt man auf den Umgang der Stadt mit ihrer renommierten Einrichtung.

Erwähnt wird das Göttinger Museum jetzt in dem gerade erschienenen „Jahrbuch für Hausforschung“ des Arbeitskreises für Hausforschung – just zu dem Zeitpunkt, an dem die Parteien um die Zukunft des Museums ringen. Die CDU beispielsweise will das Museum in seiner jetzigen Form erhalten und sanieren, die SPD hat sich für einen Neubau an anderer Stelle ausgesprochen.

In dem Jahrbuch, einer der führenden Publikation für alle, die sich mit den Themen Historische Architektur, Baukunst und Ähnlichem beschäftigen, hat der Wissenschaftler Ulrich Klein jetzt einen Beitrag über den Gründer des Museums veröffentlicht, „Moriz Heyne und die germanistische Herausforderung“ betitelt. Heyne (1837 bis 1906) gründete nicht nur das Museum, sondern auch den bis heute bestehenden Verein für die Geschichte Göttingens.

„Durchweg ungeeignete“ Standorte

Vor einigen Jahren, so schreibt Klein in seinem Beitrag für das Jahrbuch, meinten „einige Göttinger Stadtpolitiker“, das altehrwürdige Museumsgebäude sei heute nicht mehr geeignet. Stattdessen hätten sie „nach neuen, praktisch durchweg ungeeigneten Lokalitäten“ Ausschau gehalten. „Tatsächlich“, meint Klein, hatten offenbar die hohen Sanierungskosten des lange in der Bauunterhaltung vernachlässigten Museumsgebäudes Begehrlichkeiten auf eine anderweitige Vermarktung geweckt“. Die aber hätten jedoch mittlerweile offenbar abgewehrt werden können.

Klein, Mitherausgeber des „Jahrbuchs für Hausforschung“ und als Mitbegründer leitend tätig im Freien Institut für Baforschung und Dokumentation“, verweist auch auf die Büste Heynes im Eingangsbereich des von ihm gegründeten Museums, „das hoffentlich noch lange an dem von ihm gewählten und ausgestaltetem Ort verbleiben wird“. Ein zweiter Beitrag im „Jahrbuch für Hausforschung“ befasst sich ebenfalls mit Heyne – allerdings mit dessen Wirken in Basel, wo er die Mittelalterliche Sammlung leitete und die Gründung des dortigen Historischen Museums vorbereitete.

Prof. Peter Aufgebauer wird in seiner Kritik viel deutlicher. Der Vorsitzende des Geschichtsvereins für Göttingen und Umgebung erinnert in einer ausführlichen Mitteilung an ein besonders Jubiläum: „Zehn Jahre ist es her, dass im Museumsareal am Ritterplan massive Schäden zutage traten: Schwamm im Mauerwerk, Fäulnis und Holzwurm im Gebälk – einzelne Teile waren regelrecht einsturzgefährdet.“ Zwar sei daraufhin die ehemalige Posthalterei bis 2012 denkmalgerecht saniert worden - „das per großformatigem Schriftband am Hauptgebäude des Museums, dem Hardenberger Hof, angekündigte ,Update für Ihr Museum‘ ruht seither jedoch.“ Aufgebauer: „Anstatt die notwendige und nach dem Denkmalschutzgesetz auch vorgeschriebene Sanierung voranzubringen, wurde auf Betreiben der Verwaltungsspitze jahrelang ein anderer Standort gesucht.“ Wiederholt habe die Stadt „Fördermittel des Landes im sechsstelligen Bereich verfallen lassen und die Möglichkeit ausgeschlagen, dass die Sanierung zu zwei Dritteln aus öffentlichen Mitteln gefördert wird“. Stattdessen werde das Kunstquartier von Verleger Gerhard Steidl unterstützt.

“Sanierung bewusst jahrelang verschleppt“

Dass die SPD derzeit einen Museumsneubau an einem anderen Standort „irgendwo im Umfeld der Stadthalle“ favorisiere, sei verfehlt, meint Aufgebauer: „Damit soll wohl die Diskussion um die bewusst jahrelang verschleppte Sanierung des Areals am Ritterplan vorläufig beendet werden, denn es ist klar, dass ein Museumsneubau in den kommenden drei Jahren bis zur nächsten Kommunalwahl nicht mehr näher thematisiert werden wird.“ Was „mit dem hochkarätigen Denkmalensemble am Ritterplan geschehen soll, das immerhin auch ein halbes Jahrtausend städtischer Baugeschichte repräsentiert, ist völlig offen; klar ist nur, dass es auf jeden Fall saniert werden muss.“

Vor Beginn der ins Stocken geratenen Sanierung, erklärt Aufgebauer, „sind jedes Jahr rund 20000 Besucher ins Museum gekommen, darunter etwa 6500 Kinder. Seit zehn Jahren können inzwischen mehr als 60000 Göttinger Schul- und Kita-Kinder das Museum nicht mehr als Erlebnis- und Bildungsort kennen lernen. Es wächst eine Generation von kleinen Göttingern heran, die ,ihr‘ Museum nicht kennt. Damit bleibt ihnen auch ein wesentlicher Zugang zur Geschichte ihrer Stadt verschlossen.“ Auch bei der Erfüllung der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe der Integration von Migranten und Flüchtlingen leisteten Museen einen entscheidenden Beitrag. „In Göttingen, meint Aufgebauer, „verhindert dies die Kulturpolitik der Ratsmehrheit aus SPD und Grünen. Der Ratsmehrheit ist es offenbar nicht klar: Zusammen mit dem Stadtarchiv ist das städtische Museum der wichtigste außerschulische Lernort zur Vermittlung einer historisch fundierten politischen Bildung anhand von Originalzeugnissen.“

Aufgebauers Ausblick: „ Der seit nunmehr zehn Jahren bekannte massive Schädlingsbefall in den seither stillgelegten Gebäudeteilen schreitet munter fort.“

Von Matthias Heinzel

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