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Göttingen Streit vor dem Göttinger Amtsgericht über Kontrolle im Dönerladen
Die Region Göttingen Streit vor dem Göttinger Amtsgericht über Kontrolle im Dönerladen
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22:33 11.04.2014
Von Matthias Heinzel
Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Göttingen

Aber nicht die scharfe Waffe stand im Mittelpunkt der Verhandlung vor dem Amtsgericht am Donnerstag dieser Woche, sondern ein einziges Wort: „Nazi“ soll der ausländische Mitarbeiter den Kontrolleur tituliert haben, nachdem der ihn darauf hingewiesen haben soll, dass in Deutschland geltende Rechtsvorschriften auch von Ausländern befolgt werden müssten.

Während der Kontrolleur sich absolut sicher zeigte, dass das böse Wort gefallen war, verteidigte sich der Angeklagte damit, dass er nie und nimmer jemanden als „Nazi“ bezeichnen würde: „Das ist nicht mein Stil.“ Er habe nur gesagt, der Kontrolleur benehme sich „wie ein Rechtsradikaler“.

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Das Gericht wiederum konnte die angeblich penible Vermeidung des N-Wortes genauso wenig nachvollziehen wie den Grund, warum sich der Dönergrill-Angestellte überhaupt so aufgeregt hatte: Schließlich sei der Hinweis darauf, dass deutsche Gesetze und Verordnungen auch für Ausländer gälten, eine unbestreitbare Tatsache und weder Vorwurf noch Beleidigung. Auch gälten Rügen eines Kontrolleurs nie den Angestellten, sondern allein den Inhabern eines Betriebes.

"Persönlicher Hass gegen uns“

Das sahen der 30-jährige Angeklagte und sein Anwalt ganz anders: Der Landkreis-Angestellte habe den Angestellten mit dem Ausländer-Hinweis diskriminieren wollen. Überhaupt habe der Kontrolleur wie überhaupt das Veterinäramt „einen persönlichen Hass gegen uns“. Statt „mit uns zusammenzuarbeiten“ hätte das Amt immer wieder und unermüdlich nach neuen Mängeln gesucht. Und immer wieder sei der Kontrolleur ausfallend geworden.

Um den Vorfall zu klären, soll nun die Inhaberin des Döner-Ladens vor Gericht als Zeugin gehört werden. Die aber war bei dem Streit gar nicht zugegen. Allerdings könne sie dazu beitragen, die Glaubwürdigkeit des Kontrolleurs zu bewerten, erklärte der Anwalt des Döner-Angestellten, der zuvor heftig mit dem Richter aneinandergeraten war.

Nebenbei: Eigentlicher Anlass des Streites war ein Schinken – ein solcher jedenfalls ausweislich des Aufdrucks. Tatsächlich, so hatte der Lebensmittelkontrolleur moniert, habe es sich um ein Stück Pressfleisch gehandelt, zusammengesetzt aus kleinen, minderwertigen Fleischstückchen und mit Bindemitteln zusammengeklebt. Das, so der Kontrolleur, hätte angegeben werden müssen, ansonsten sei die Verwendung eine Verbrauchertäuschung.