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Göttingen Stress schon in den Grundschulen Südniedersachsens
Die Region Göttingen Stress schon in den Grundschulen Südniedersachsens
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21:49 20.03.2014
Von Katharina Klocke
Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Göttingen

Ebenso hoch war in Göttingen der Anteil der Kinder, deren Eltern nach den Schuleingangsuntersuchungen (Klasse 1)die Empfehlung bekamen, ihr Kind einer sonderpädagogischen Untersuchung zu unterziehen.

Mit der „Gesundheit und sozialen Lage“ von Erst- und Viertklässlern hat sich das Gesundheitsamt für Stadt und Landkreis Göttingen in der anonymisierten Auswertung von Schuleingangs- und Schuluntersuchungen bei Viertklässlern befasst. Die Auswertung wurde jetzt im städtischen Sozialausschuss vorgestellt.

Die Feststellungen sind ernüchternd: Bei der Analyse nach dem Kriterium „Bildungsgrad der Eltern“ stellten Dr. Carsten Kraus, Fachdienstleiter Kinder- und Jugendgesundheit im Gesundheitsamt, und seine Kollegen im niedrigen Bildungssegment Störungen häufiger fest, als in Familien mit hohem Bildungsstandard.

Knapp zehn Prozent der Viertklässler in Stadt und Landkreis aus Familien mit niedriger und mittlerer Bildung bekamen einen Legasthenie-Befund. Im höheren Bildungsfeld lag die Vergleichszahl bei vier Prozent. Defizite würden zu spät erkannt: „Kinder aus bildungsfernen Familien kommen seltener zu den Voruntersuchungen“, berichtet Kraus.

„Frühzeitig fördern ist wichtig"

Die Untersuchungen für Vier- und Fünfjährige (U 8 und U 9) etwa nahmen etwa 80 Prozent der Eltern aus dem mittleren und hohen Bildungssegment wahr – gegenüber rund 60 Prozent der weniger gebildeten Familien. „Frühzeitig fördern ist wichtig, das geht nur, wenn Abweichungen vor der Einschulung festgestellt werden.“

Im Göttinger Stadtgebiet kamen 2013 953 Kinder zu den Schuleingangsuntersuchungen, davon 32,3 Prozent mit Migrationshintergrund. Bei einer Unterteilung der Stadt in West, Nord, Zentrum, Süd und Ost wurde festgestellt, dass viele Erstklässler mit Beeinträchtigungen (sonderpädagogischer Unterstützungbedarf) im Westen (Anteil 9,9 Prozent) und im Zentrum (7 Prozent) leben.

Nicht erkannte und behandelte Störungen belasten Kinder. Das zeigen die Antworten auf die Frage „Wie geht‘s?“. 88,8 Prozent der Viertklässler fühlten sich gut, fünf Prozent klagten über häufiges Bauchweh, 3,4 Prozent quälten oft Kopfschmerzen und 2,8 Prozent Traurigkeit.

Dass mehr als elf Prozent der Zehnjährigen signalisieren, „es geht mir nicht gut“, ist für Kraus ein Anzeichen für psychosomatische Beschwerden schon im Grundschulalter – Ausgelöst durch Leistungsdruck. „Wenn man nicht richtig lesen und schreiben kann, macht das Stress.“